Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 1
Auch wenn es so aussieht, als wollte ich mit diesem nun doch recht umfangreich werdenden Bericht Wolfgang nacheifern: Das ist keinesfalls so. Ich denke aber, dass ich im vergangenen Jahr einiges erlebt und gesehen habe, was vielleicht auch für andere interessant sein könnte. Wen es nicht interessiert, der braucht ja nicht weiterlesen. Des Umfangs und der Bilder wegen werde ich den Bericht auf mehrere Fäden verteilen. Zu den Orgelbeschreibungen werde ich mir das Tippen von Dispositionen mal sparen und überwiegend auf Links in Datenbanken (vor allem von Piet Bron) verweisen. Und nun: Viel Spaß!
Der Sommerurlaub führte uns – nach mehreren Jahren an der Ostsee – im vergangenen Jahr in das Allgäu. Und nachdem es mir durch Kontakte, die über Mitleser unseres Forums vermittelt wurden (hier noch einmal herzlichen Dank dafür!), gelungen war, einige Orgeln zu spielen und zu besuchen, wollte ich nach unserer Rückkehr meine Erlebnisse in einem kleinen Bildbericht präsentieren – jedoch gerade als ich loslegen wollte, wurde das Forum geschlossen. Die Bilder harrten seitdem einer Sortierung und es bedurfte eines neuen Anstoßes, die Informationen neu zu sichten und einen (kleinen) Text dazu zu schreiben. Hier nun das Ergebnis, ein (kleiner) Reisebericht über zwei Wochen Allgäu-Urlaub, der – als Familienurlaub mit zwei Grundschulkindern geplant – natürlich nicht die „Ausbeute“ an Orgeln aufweisen kann, wie dies eine Orgelreise hätte. Trotzdem konnte ich einige interessante Instrumente spielen oder besichtigen und die Fotos geben vielleicht Anregungen für eigene Besuche, wenn ihr selbst einmal in diese Region kommen solltet. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Fotos nicht preisverdächtig sind. Nicht immer hatte ich meine Spiegelreflexkamera dabei, manchmal wäre ein Stativ hilfreich gewesen, und auch bei der Übertragung der analogen Hochglanzfotos geht ja immer ein wenig Qualität verloren. Beginnen wir nun also unsere kleine Umschau in der Orgellandschaft Allgäu.
Das erste Ziel führt uns zu einer Orgel, die ich leider nicht spielen konnte, die aber eines meiner Ziele sein wird, wenn ich das nächste Mal in die Region komme. Ausgehend von Deuchelried bei Wangen – wo wir unser Quartier genommen hatten – führte eine der ersten Fahrten nach Scheidegg zur Besichtigung des dortigen Wasserfalls und des Reptilienzoos. Beides für Familien empfehlenswerte Ziele, ich möchte die Qualitäten hier nicht episch auswalzen, wer Informationen haben möchte, findet diese Ziele im Netz. Auf der Fahrt dorthin kamen wir durch Lindenberg im Allgäu – ein mir bis dahin völlig unbekannter Ort mit einer mehr als 1150-jähriger Geschichte – eine Stadt, die seit etwa 1600 durch die Herstellung von Strohhüten von sich reden macht. Und im Vorbeifahren kann der Blick nicht an der großen, doppeltürmigen Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul vorbei gehen und ich konnte meiner Familie einen Stopp auf der Rückfahrt abringen. Errichtet 1912 – 1914 ist diese mit einer Kuppel ausgestatte Kirche auch als „Dom des Westallgäus“ bekannt. Aufnahmen des Geläutes dieser Kirche finden sich übrigens hier.
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Die Orgel zeigt sich als ein ebenso imposantes Instrument mit einem in der Tiefe gestaffelten Freipfeienprospekt und einem in die Brüstung der 2. Empore eingesetzten Zier-Rückpositiv. Die Disposition dieser Zeilhuberin aus dem Jahr 1934 findet sich hier.
Es wird wenige Zeilhuber-Instrumente aus dieser Zeit und in dieser Größe geben, die so original erhalten sind, wie dieses hier. Die Abgelegenheit fern von Hauptverkehrsadern und Rüstungsrelevanten Industrien hat hier offensichtlich im letzten Krieg für weitgehende Verschonung gesorgt. Auch wenn ich diese Orgel nicht gehört oder gespielt habe, halte ich sie für eine Reise wert.
Zweites Ziel: Bregenz – Stadt der Seefestspiele. Moderne Kultur- und Einkaufsstadt, wunderschöne historische Altstadt auf dem Berg und dazu der Pfänder als Naturerlebnis … wenn es dann noch zwei, drei schöne Orgeln hat … und die hat es!
Zunächst der Blick in die Seekapelle, die – heute mitten in der Stadt liegend – früher am Seeufer stand, weil dieser weiter in das Areal der Stadt hineinreichte. Die Orgel ist ein kleines zweimanualiges Instrument, das 1898 von der Werkstatt Georg Mayer, Feldkirch errichtet wurde. Leider gab es weder in der Kirche noch im Netz weitere Informationen hierzu, wer allerdings welche hat, darf sie gerne hier kundtun oder bitte mir (z. B. hier oder per PN) zur Verfügung stellen. (Dies gilt auch für einige andere Orgeln dieses Beitrags, zu denen ich keine weiteren Informationen außer einem Foto liefern kann.)
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Und dann geht es weiter in die Herz-Jesu-Kirche, in der wir eine der besterhaltensten historischen Orgeln Vorarlbergs, die – genau wie die etwas größere Orgel in der Martinskirche Dornbirn – aus der Werkstatt von Josef Behmann stammt. Weitere Bilder und Beschreibung hier, ein Instrument, das ganz bestimmt einen Besuch lohnt. Ich finde es recht imposant, wie der Prospekt die Empore ausfüllt – auch wenn es noch schöner gewesen wäre, wenn vor dem Bogen ganz sichtbar wäre…
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Nach Friedrichshafen führte die nächste Fahrt – Zeppelinmuseum (sehr interessant!), eine weitgehend menschenleere Fußgängerzone, und mittendrin die Kirche St. Nicolaus, in der Gerald Woehl 1989 seine dreimanualige Orgel baute. Sie ist die kleinere der beiden Friedrichshafener Woehl-Orgeln, und man möchte meinen, man trifft eine Schwester der Viersener St. Remigius-Orgel, die Woehl 5 Jahre zuvor baute und die seine erste große Orgel im französischen Stil ist. Der Prospekt ist absolut identisch gegliedert, von der Anzahl und Anordnung der Felder und Türme bis hin zu den Labienverläufen und der farblichen Abstufungen. Lediglich die blaue Grundfarbe unterscheidet die Gehäuse – und natürlich die Größe, denn während wir in Viersen ein 16‘-HW und ein 8‘-Positiv sehen, ist es hier ein 8‘-HW und ein 4‘-Positiv. Das Konzept ist noch ganz traditionell: Die klassische Anordnung von Positif de dos (10 Register) und Grand Orgue (15 Register) mit einem eher spartanischen Pedal (7 Register + 1 Transmission) wird um ein romantisches Récit ergänzt, das mit 14 Registern sehr üppig ausgestattet ist (16-8-8-8-8-8-4-4-2-Harm.Aeth.-8-8-8-4). Gerne hätte ich auch diese Orgel gespielt, aber die Planung der Fahrt war zu kurzfristig, um einen Termin auszumachen. Und so kommt auch sie in die Merkliste für den nächsten Besuch der Region. (Wie wir in anderen Beiträgen gelesen haben, soll sie ja sehr laut und charakterlos sein, für mich jedenfalls ein Grund mehr, sie das nächste Mal auch akustisch erleben zu wollen.)
![[image]](http://img268.imageshack.us/img268/5465/imgp1288bearb.jpg)
Hier noch das Positiv im Chor:
![[image]](http://img16.imageshack.us/img16/5923/imgp1294e.jpg)
(Fortsetzung folgt)
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- Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 1 - jrbecker, 18.08.2011, 20:49
- Orgeln im Allgäu - Bregenz, Seekapelle - Aeolinchen, 18.08.2011, 22:11
- Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 1 - MichaelS, 25.08.2011, 09:33