Ein neuer Pfeifenwald...

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Donnerstag, 18. August 2011, 07:10 (vor 5558 Tagen)
bearbeitet von Tabernakelwanze, Donnerstag, 18. August 2011, 07:14

... ist in Oakland zu bestaunen, in der Werkliste op. 118: http://www.letourneauorgans.com/default.aspx?lang=EN-CA&p=/

Ein neuer Pfeifenwald...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Donnerstag, 18. August 2011, 07:55 (vor 5558 Tagen) @ Tabernakelwanze

...na SO einen Pfeifenwald lass' ich mir aufgrund der Disposition doch sehr gerne gefallen...!

Grüsse

Thomas

--
Thomas Haubrich

Ein neuer Pfeifenwald...

schnitgers.anderer.erbe, Donnerstag, 18. August 2011, 09:13 (vor 5558 Tagen) @ untersatz32

...na SO einen Pfeifenwald lass' ich mir aufgrund der Disposition doch sehr gerne gefallen...!

...und die sagt über den Klang bekanntermaßen noch nichts aus. Laut genug wird sie jedenfalls mit Sicherheit sein...

Ein neuer Pfeifenwald...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Donnerstag, 18. August 2011, 10:47 (vor 5558 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

...danke für die freundliche Belehrung! Da wäre ich ja jetzt alleine überhaupt gar nicht drauf gekommen...

..und sie wird sicherlich auch leise genug sein, denn leise Stimmen hat sie ja scheins auch: es kommt halt auch auf den Organisten an, der gerade spielt...

Die Orgeln der Firma, die ich kenne, klingen jedenfalls alle gut.

Gruss

Thomas

--
Thomas Haubrich

Ein neuer Pfeifenwald...

Contrebasson 32' @, Donnerstag, 18. August 2011, 17:18 (vor 5558 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

Ich wußte doch, dass mir die Orgel bekannt vorkam...
... jetzt weiß ich auch woher.

Auf youtube gibt es das folgende Video (Postlude on Ave Maria). Es mache sich also jeder selber einen Höreindruck von dieser optisch zumindestens sehr gut gelungenen Orgel (in einem architektonisch beeindruckenden Raum).

Beim Stöbern auf der Seite des Orgelbauers ist mir dann diese Orgel aufgefallen, nicht wegen ihres Prospektes, sondern wegen der für den scheinbar kleinen Raum doch mehr als umfangreichen Disposition.

Beste Grüße!

Ein neuer Pfeifenwald...

kjz1, Donnerstag, 18. August 2011, 19:32 (vor 5558 Tagen) @ Contrebasson 32'

Beim Stöbern auf der Seite des Orgelbauers ist mir dann diese Orgel aufgefallen, nicht wegen ihres Prospektes, sondern wegen der für den scheinbar kleinen Raum doch mehr als umfangreichen Disposition.

In den USA ist dies nichts ungewöhnliches. Da wird teilweise nicht gebaut, 'was der Raum benötigt', sondern eben, was der Kunde zu zahlen bereit ist. Und dies ist aufgrund von sehr großzügigen Mäzenen oft nicht wenig. Und Orgeln scheinen mir dort halt auch ein Statussymbol zu sein, so nach dem Motto: wer hat den längeren....

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Ein neuer Pfeifenwald...

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Freitag, 19. August 2011, 08:58 (vor 5557 Tagen) @ kjz1

Ich bin versucht zu denken, daß ein Mäzen der SO etwas bezahlt, nicht einmal hören würde, wenn statt einer "echten" Orgel hinter dem Prospekt nur Lautsprecher stünden.
Aber amerikanischer Orgelbau ist wohl eine Welt für sich.

? was der Raum benötigt ?

BourdonCéleste, Freitag, 19. August 2011, 10:52 (vor 5557 Tagen) @ kjz1

Da wird teilweise nicht gebaut, 'was der Raum benötigt', sondern [...]


Ich möchte das endlich mal nachvollziehen können. Unabhängig von dem ewigen Gejammere über Finanzierungshürden verstehe ich diese Fragstellung künstlerisch nach wie vor nicht.

Warum fragt man nicht "was der Raum verträgt"?

Warum orientiert man sich immer am erträglichen Minimum? In keiner anderen Gattung dessen, was man neudeutsch als performing arts bezeichnen würde, nivelliert man sich selbst ständig so nach unten, wie in der Orgelmusik (in Deutschland).

Warum?

Warum nicht fragen was möglich wäre?

Warum immer die Untergrenze definieren anstelle der Obergrenze*?

Abgesehen von allen anerkannten Reizen eines gelegentlichen Minimalismus kommt es mir gerade so vor, als wolle die "Königin der Instrumente" immer auf einem möglichst kleinen, spießigen - und am besten noch umweltfreundlichen - "Thron" sitzen...

Und bitte, ich rede nicht von der Grundsatzfrage nach einer vielleicht nicht mehr zeitgemäßen ecclesia triumphans. Sondern rein aus künstlerischer Sicht.

Sollte man nicht das Maximum des Machbaren, die möglichst große Vielfalt eines Instrumentes anstreben?

Ja, ich weiss, dass ein guter Intonateur auch eine "kleine" Orgel zu gewisser Vielfalt bringen kann, aber das ist doch wieder eine Ausweichargumentation.

Da haben Skinner, Willis und Cavaillé-Coll schon viel freier gedacht, als die meisten Zeitgenossen heute: The more, the merrier!

Erst recht, wenn Geld da ist...!


*Natürlich hat jeder Raum eine Obergrenze. Aber ist diese immer richtig definiert? Duruflé hatte eine Hausorgel mit labialem 32´! Im sechsten Stock eines Pariser Wohnhauses! Und niemand ist taub geworden...

? was der Raum benötigt ?

jrbecker @, Freitag, 19. August 2011, 11:02 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Da wird teilweise nicht gebaut, 'was der Raum benötigt', sondern [...]

...
Warum fragt man nicht "was der Raum verträgt"?

Warum orientiert man sich immer am erträglichen Minimum? ...
...
Warum nicht fragen was möglich wäre?

Warum immer die Untergrenze definieren anstelle der Obergrenze*?
...
Sondern rein aus künstlerischer Sicht.

Sollte man nicht das Maximum des Machbaren, die möglichst große Vielfalt eines Instrumentes anstreben?


Das verstehe ich aber nicht wirklich, weil du dir die Antwort selbst gibst:


Erst recht, wenn Geld da ist...!


Beispiel meine Kirche: Der Raum würde eine 3manualige Orgel vertragen, zumindest aber noch 5 - 6 Register mehr, als meine 2manualige Orgel hat. Vor allem würde der Raum im Pedal einen offenen 16' vertragen. So viel Geld ist aber nicht da gewesen. Also hat man anders herum gedacht: Auf was kann man in diesem Raum auf keinen Fall verzichten? Und schon ist man bei der Frage, was der Raum *benötigt*, denn das, was er *verträgt* ist schlichtweg nicht umsetzbar. Ist doch gar nicht so schwer, oder?!?

LG
Jörg

? was der Raum benötigt ?

BourdonCéleste, Freitag, 19. August 2011, 11:41 (vor 5557 Tagen) @ jrbecker

Die Fragestellung, @Aeolinchen und jrbecker, steht - das habe ich klar geschrieben - unter der Prämisse, dass Geld da ist, denn sie zielt auf die bei vielen Kollegen und OSVen bestehende künstlerische Haltung ab.

Ich erlebe es oft, dass "mehr" schon gar nicht mehr gefordert wird, und - falls tatsächlich mal finanzierbar - auch gar nicht mehr gewünscht wird. "Einen offenen 16' im Pedal brauchen wir doch nicht" oder "eine 4'-Zunge im Schwellwerk verstimmt doch eh immer".

Darauf allein zielte die Frage ab!

Ist es die bittere Erfahrung der allgemeinen finanziellen Realitäten, aus denen heraus man sich gar nicht mehr zu wünschen wagt (das wäre in der Tat verständlich) - oder will man vielleicht auch gar nicht mehr?

Falls letzteres der Fall ist - und das unterstelle ich eben gelegentlich und so auch in meiner Frage - dann wüsste ich gerne, woher und aus wes Geistes Haltung diese Selbstkasteiung stammt.

? was der Raum benötigt ?

Orlos, Freitag, 19. August 2011, 12:02 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Schon mehrmals habe ich erlebt, dass die Gemeinde durchaus mehr Orgel hätte finanzieren können und sogar finanzieren WOLLEN, doch dann kam eben das Menschliche hinzu: "Soviel Orgel brauchen die gar nicht". Ich hatte durchaus den Eindruck, dass kirchliche Behörden, sogar Orgelsachverständige, eine Art Neid entwickeln, also man den Gemeinden bzw. den Organisten "so viel Orgel" einfach nicht gönnt. Zumal wenn die neue Orgel Register und "Features" bekäme, die der Orgelsachverständige selbst nicht hat oder "seinem" Instrument bedrohlich nahekommen.
Natürlich haben Behörden die Aufgabe, Gemeinden davor zu schützen, sich mit einem Orgelneubau zu überheben und damit vielleicht ihre finanzielle Handlungsmöglichkeiten beschneiden. Aber man unterschätzt gerne die Spendenbereitschaft der Gemeinden. Als ich vor 18 Jahren einen Orgelneubau planen durfte, galt das Projekt als "ambitioniert", der Orgelsachverständige meinte, die Orgel sei eigentlich "zu groß" für diese Kirche. Der Pfarrer hat sich aber nicht kirre machen lassen. Kaum war sie fertig, war sie auch schon bezahlt, weil die Leute gespendet haben wie verrückt. Im Nachhinein habe ich mir gedacht, man hätte sogar noch großzügiger planen können, ein weiterer leiser 8' wäre zum Beispiel sehr schön gewesen. Aber von Anfang an wurde "von oben" darauf hingewiesen, dass wir nicht "übertreiben" sollten. Mittlerweile gibt es CD-Aufnahmen von diesem Instrument und zahlreiche Konzerte, in der Liturgie hat sie sich absolut bewährt. Und ich bin so froh, dass ich nicht nur eine einzige sinnvolle Registrierung für die Gemeindebegleitung habe, sondern viel variieren kann. (Trotzdem meint der Kollege von der Nachbarkirche immer noch, 14 Registern hätten auch gereicht. Allerdings kann er mit manchen Registern auch schlichtweg nichts anfangen, z. B. mit einer Schwebung. Alte Schule eben...)
Also ich kann die Frage, warum man sich scheinbar ständig am Minimum orientiert, völlig verstehen, weil ich sie mir selbst bei manchen Projekten gestellt habe. Es geht gar nicht immer um Lautstärke oder Volumen, sondern um den Luxus leiser Register, die natürlich auch Geld kosten.
Hätte es dieses Minimaldenken schon immer gegeben, würden wir heute einige historische Orgeln nicht in dieser Pracht bewundern können. Andererseits führte das Konkurrenz- und Prestigedenken auch zu Instrumenten, die vergleichsweise (zu) groß dimensioniert sind. Solange sie nicht zu laut sind, ist mir das aber völlig egal, denn eigentlich gibt es gar kein "zu groß". Wenn ich sieben 8'-Register im Hauptwerk habe, ist das purer Luxus, aber herrlich! Ich bin froh, dass man vor 100 Jahren dieser Kirche eine solche Orgel "gegönnt" hat!

? was der Raum benötigt ?

BourdonCéleste, Freitag, 19. August 2011, 15:19 (vor 5557 Tagen) @ Orlos

Ich hatte durchaus den Eindruck, dass kirchliche Behörden, sogar Orgelsachverständige, eine Art Neid entwickeln, also man den Gemeinden bzw. den Organisten "so viel Orgel" einfach nicht gönnt. Zumal wenn die neue Orgel Register und "Features" bekäme, die der Orgelsachverständige selbst nicht hat oder "seinem" Instrument bedrohlich nahekommen.

Jetzt genau kommen wir auf den Punkt! Schön, dass es mal ausgesprochen wird!

[...] ein weiterer leiser 8' wäre zum Beispiel sehr schön gewesen. [...] Es geht gar nicht immer um Lautstärke oder Volumen, sondern um den Luxus leiser Register, die natürlich auch Geld kosten.

Eben! Es geht nicht um laut, sondern um farbig! Zum Beispiel um ein "Bourdon céleste" *g*

Hätte es dieses Minimaldenken schon immer gegeben, würden wir heute einige historische Orgeln nicht in dieser Pracht bewundern können. Andererseits führte das Konkurrenz- und Prestigedenken auch zu Instrumenten, die vergleichsweise (zu) groß dimensioniert sind. Solange sie nicht zu laut sind, ist mir das aber völlig egal, denn eigentlich gibt es gar kein "zu groß". Wenn ich sieben 8'-Register im Hauptwerk habe, ist das purer Luxus, aber herrlich! Ich bin froh, dass man vor 100 Jahren dieser Kirche eine solche Orgel "gegönnt" hat!

Genau! Daher seien heutige Entscheidungsträger an die Freiheit der Kunst erinnert, die Sie gefälligst auch nutzen sollten - ja nutzen müssen, denn das gehört für den Orgelsachverständigen ebenfalls zur Dienstaufgabe, nicht aber das Verfolgen niederer Beweggründe wie im ersten Absatz oben angedeutet.

Wobei, das allerlustigste und leider auch nicht selten gehörte Argument dieser "übergeordneten Stellen" ist ja zuweilen:
"Wer soll denn mit sowas spielen und umgehen können, das überfordert unsere Organisten doch total..."

Als ginge es um den Erwerb eines möglichst einfach zu bedienenden Staubsaugers mit wenig Knöpfen!

? was der Raum benötigt ?

Florian-L, Freitag, 19. August 2011, 16:22 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Wobei, das allerlustigste und leider auch nicht selten gehörte Argument dieser "übergeordneten Stellen" ist ja zuweilen:
"Wer soll denn mit sowas spielen und umgehen können, das überfordert unsere Organisten doch total..."

Klingt komisch, ist aber oft so.
Ich habe schon an einigen Orgeln erlebt, dass Zungenregister offensichtlich das letzte Mal vor der Orgelweihe gestimmt worden sind. Es gibt eben Organisten, die sich nicht für die Orgel interessieren.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

? was der Raum benötigt ?

orgelwilli, Freitag, 19. August 2011, 13:35 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Als wir hier vor über 30 Jahren eine neue Orgel planten, habe ich nicht gefragt, was ist nötig, sondern ich habe gefragt, was ist sinnvoll. Da es zu dieser Zeit in Deutschland keine Orgel im symphonischen frz. Stil gab, habe eine solche Disposition erarbeitet. Ich habe auch nicht gefragt, was kostet das! Als das Geld benötigt wurde, war es da!
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? was der Raum benötigt ?

Aeolinchen, Freitag, 19. August 2011, 11:11 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Da haben Skinner, Willis und Cavaillé-Coll schon viel freier gedacht, als die meisten Zeitgenossen heute: The more, the merrier!

Erst recht, wenn Geld da ist...!

Tja, nur wenn Geld da ist, so ist das nun mal. Auch Cavaillé-Coll hat schon mal eine Orgel mit 20 oder 25 Registern gebaut, obwohl der Raum locker 50-70 vertragen hätte...

? was der Raum benötigt ?

kjz1, Freitag, 19. August 2011, 11:54 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste

Warum fragt man nicht "was der Raum verträgt"?

OK, dann 'was der Raum verträgt'. Aber auch diese Obergrenze wird in den USA gerne mal überschritten. Cavaille-Coll konnte auch mit relativ wenigen Registern große Räume füllen.

Mir geht es eher um das 'Ungleichgewicht': da werden relativ 'riesige' Orgeln in sehr kleine Räume gebaut, schlicht und einfach, weil Geld keine Rolex spielt. Und dann hat man wieder riesige Räume, die notgedrungen mit viel zu kleinen Orgeln auskommen müssen, weil halt das Geld für ein größeres Instrument fehlt.

Ja, das ist halt so und das wird man wohl auch kaum ändern können, aber ich finde so etwas immer wieder schade. Öfters schon habe ich solche 'Wuchtbrummen' in relativ kleinen Kirchen gehört und mir dann gedacht: wie würde diese Orgel im Dom in .... klingen, wo man sich halt leider nur ein 'Örgelchen' leisten kann.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

? was der Raum benötigt ?

FranzS. @, Freitag, 19. August 2011, 15:51 (vor 5557 Tagen) @ BourdonCéleste
bearbeitet von FranzS., Freitag, 19. August 2011, 16:11

Hallo,

ich kenne drei Orgeln, die im völligen Missverhältnis zum Raum stehen. Zum einen "des Pfarrer Striedls Orgel", dann die alte Schusterorgel von St. Michael in München, die teilweise in einer nicht gerade großen Dorfkirche aufgebaut wurde und die große Orgel der Zollingerhalle aus Heidelberg. Da stellt sich schon die Frage "Was verträgt der Raum?" die Antwort ist "Überraschend viel". Zugegeben, die Schusterorgel ist schon hart an der Grenze (D. Hausmann kann das bestätigen). Alle drei Orgeln sind als Kuriosum erhaltenswert, aber auch zum Teil auch nicht ganz ernstzunehmen, was auch an den Größenverhältnissen liegt. Auch mir geht es da ähnlich wie Karl-Josef und ich finde, dass es eine Grenze gibt, ab der eine Orgel einfach nicht mehr stimmig ist und man sich somit einen größeren Raum wünscht. Ich würde gerade die Heidelberger Orgel gerne in einem größeren Raum hören. Bei den Orgeln in den USA kommen auch noch die Gossenschen Gesetze dazu. Die verlinkte Orgel hat doch viele redundante Register die eigentlich mehr zur Unübersichtlichkeit führen, als einen zusätzlichen Nutzen stiften (ich gebe zu "Nutzen" in der Kunst nicht definieren zu können). Kurze Rede langer Sinn (ist Glatteis für die Eselin), bei 70- 90 Registern hat man doch alles was man braucht, jedenfalls bei einer zentral aufgestellten Orgel.

Du hast auch angesprochen, "dass ein guter Intonateur auch eine "kleine" Orgel zu gewisser Vielfalt bringen kann, aber das ist doch wieder eine Ausweichargumentation."
Ich erlaube mir jetzt, dir das Wort ein bisschen im Mund umzudrehen (aber ein alter Kollege darf das ja, oder;-)). So wie ich das verstehe, siehst du eine kleine Orgel von vornherein als Kompromisslösung an, die auch gut sein kann, falls der Intonateur was taugt. Ich wage jetzt zu behaupten, eine mittelmäßig intonierte große Orgel gewinnt durch Quantität nicht zwingend an Vielfältigkeit wie eine mittelmäßig intonierte kleine Orgel. Gerade bei kleinen Orgeln kann der Teufel im Detail stecken und es soll schon vorgekommen sein, dass ein namhafter Orgelbauer, der ganz gute, bzw. sehr gute große Orgeln baut, gerade eine kleine Orgel so richtig in den Sand setzt. Ich kenn da ein Opus, dessen Quersumme 10 beträgt, nur so nebenbei.
Das eine kleine Orgel dafür ganz andere Fähigkeiten und einen ganz anderen Anspruch hat, erwähnst du leider nicht. Nur ein Beispiel dafür, dass eine kleine Orgel für einen großen Raum genügt, ja und ihrer Bauart und ihrem Wesen nach gar nicht größer sein darf. In der selben Kirche steht noch die letzte mechanische Steinmeyer-orgel mit 30 Registern auf 2 Manualen, auch nicht gerade groß, aber beide Orgeln sind in dem Raum unglaublich stimmig und es ist sehr schwer vorstellbar, dass diese Instrumente allein durch einen Zuwachs von Quantität an Qualität gewinnen.
Im diesem Zusammenhang ist auch noch diese Orgel interessant (die ich nicht persönlich kenne). Zuerst dachte ich mir "keine Zungen, geht doch gar nicht". Es ist eine große Orgel ohne Zungen, so ist eben das Konzept und gerade deshalb finde ich diese Orgel so interessant, weil da eben "was fehlt".

So jetzt stellt sich noch die Frage, ob der Raum immer gefüllt sein muss. Meiner Meinung nach kann es durchaus angenehm sein, wenn eine große Orgel ein "Generaltutti" besitzt, dass im Wesen nach als "Dezent" gelten darf. Eine Orgel meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern ist ein gutes Beispiel dafür, eine Großorgel für eine große Kirche (die Martinskirche is a Stückl größer wie der Dom in Regensburg und ist auch im Mittelalter fertig geworden.) unter diesen Gesichtspunkten zu planen. "Dröhnen" kann man mit der nicht, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache, die hat andere Qualitäten (JFK kennt die Orgel auch, glaube ich zumindest). Ich will damit nicht sagen, eine große Orgel darf nicht laut sein. Ehrlich gesagt könnte es bei der neuen Regensburger Domorgel durchaus a bissl mehr sein, weil es hier das Konzept vertragen könnte. Meiner Meinung nach, ist mehr nicht immer besser.

Mehr kann aber besser sein und zwar mehr Innovation, mehr Freiheit und mehr Kreativität im Orgelbau. Wenn das die Herren OSVs endlich verstehen würden, hätten wir bessere und vielseitigere Instrumente, auch wenns dann mal im Einzelfall wirklich a bissl mehr wird.

Grüße Franz

edit: unter "kleine Orgel" verstehe ich eine Orgel, die bewusst und wegen ihrer Art "kleiner" ist und nicht eine Orgel, die aufgrund von finanziellen Umständen nicht größer geworden ist.

? was der Raum benötigt ?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Samstag, 20. August 2011, 09:57 (vor 5556 Tagen) @ BourdonCéleste

Das ist meiner Ansicht nach auch ein großes Problem der aktuellen Orgelbaumode.
An wenigen Stellen werden mit immensem Aufwand Monumentalorgeln gebaut, aber im Kleinen und im "Mittelbau" gleichen sich die Instrumente immer mehr. Wobei die großen Monumentalorgeln eben meistens nur vergrößerte Varianten der kleinen Orgeln sind. Auch Stilkopien orientieren sich nur an vorhandenen Vorbildern OHNE innerhalb dieses Stils viel Kreativität zu zeigen.
Die Frage ist nicht "Was hätte sein können?" sondern "Was war und wieviel davon brauchen wir, damit es gerade so eben glaubwürdig bleibt."

Ich bin davon überzeugt, daß man mit ambitionierten Projekten mit Alleinstellungsmerkmalen mehr Geld sammeln kann, als mit "Kompromissorgeln" als Arbeitstiere. Natürlich muss es die geben. Aber dazu gibt es einen mehr als gesättigten Markt an Gebrauchtorgeln.

Eine ähnliche Debatte hatten wir schon bei der von mir vor einiger Zeit angestoßenen Stimmungsdiskussion. Auf der einen Seite heißt es, daß der "gemeine" Kirchenbesucher den Unterschied nicht hört ... und auf der anderen Seite möchte man dem Kirchenbesucher dann kein vermeintlich eintöniges Repertoire bei "Charakterorgeln" in zum Beispiel mitteltöniger Stimmung bieten.
Wenn der Ottonormalhörer den Unterschied sowieso nicht hört, dann wird er sich auch nicht über vermeintliche Eintönigkeit beschweren. Es bleibt also letzlich Sache des Organisten und der Orgelsachverständigen.

WENN aber ein Organist gegenüber einen Laienpublikum erklären muss, warum an seinem Arbeitsplatz kein Ausnahmeinstrument entstanden ist und er das dann auch noch damit begründet, daß er sich nicht einschränken wollte, dann ist ihm zu wünschen, daß das Laienpublikum nicht bemerkt, daß es damit etwas verpasst, was es sonst so nicht zu hören bekommt.


Und WENN man eine Stilkopie baut, sagen wir mal, die Sparvariante "Schnitger mittelgroß", dann lässt man lieber noch das Cornet im Pedal weg, eine Flöte im Hauptwerk "reicht", statt Sexquialtera und Tertian reicht auch der Sesquialter allein, die Vox Humana fällt weg, die Cimbel sowieso ... und irgendwann hat man dann eine Orgel von Estebrügger Ausmaß auf Grasberg runtergekürzt und präsentiert danach stolz seine "Barockorgel".

Wenn man aber DAS, was der Musik für diese Orgel nicht zuletzt zu ihrem Formenreichtum verholfen hat, also die Vielfalt an Einzelstimmen, weglässt, DANN kann man die Orgel auch nach Werckmeister stimmen.


Vielleicht sollten wir uns mehr "Was wäre wenn"-Fragen stellen.
Was wäre zum Beispiel, wenn von Holy in Remscheid ein Instrument mit rheinisch-protestantischer Basis im norddeutschen Sinne umgebaut hätte? Was wäre dabei wohl herausgekommen? Wie kamen die norddeutschen Pedaltürme nach Wittlich?

Ich denke, daß Stilorgeln auch deshalb so verpönt sind, weil sie meist strikte Kopien von schon vorhandenen Konzepten sind - und davon noch der Kompromiss, anstatt einzigartige Konzepte zu bieten, die den Geist des Stils atmen UND innerhalb dessen kompromisslos und ambitioniert sind.


Wenn ein neuer, stilistisch "barocker" Farbfleck innerhalb einer Orgellandschaft schon von vornherein so blass bleibt, daß man sich fragt, wozu das gut sein soll und im Zweifel sowieso das Original vorziehen würde, dann ist klar, daß man damit keinen Enthusiasmus weckt.
Wenn aber ein neuer, stilistisch kreativer, aber konsequenter Farbfleck, der so reicht und kräftig ist, daß er sich hinter dem Original nicht verstecken muss, eine Orgellandschaft tatsächlich und auch für Laien hörbar bereichert, dann klappts auch mit den Spenden und mit der "Orgelmission".

Das bedeutet nicht unbedingt, daß man einer frühbarocken 8-Fuß-Orgel ein Fagott 32' aufpropfen sollte, Gott bewahre, nicht "groß" soll es sein, sondern abwechslungsreich, farbenreich, inspirierend.
Das bedeutet Sexquialtera UND Tertian (Nein, das kommt nicht aufs selbe raus), Dulcian UND Regal, Trompete UND Vox Humana und noch einen Dulcian 16' darüber, Terzstimmen in JEDEM Manual, nicht nur im Positiv, zwei 16'-Zungen im Pedal und wenn der Platz reicht auch noch ein dezentes Oberwerk, á la Stockholm St. Gertrud.
Das bedeutet ebenfalls kreative Lösungen, wie zum Beispiel mitteltönig gestimmtes Hauptwerk, Positiv und Pedal plus wohltemperiertes spätbarockes Echowerk mit Koppel zum Pedal und bei Bedarf herausnehmbaren Gehäusefüllungen. Mit einer Disposition wie zum Beispiel dieser:

Hohlflöte 8' (geteilt)
Viola da Gamba 8'
Quintadena 4'
Nasat 3'
Gemshorn 2'
Sifflöte 1'
Cornet IV diskant
Regal 8'
Vox Humana 8' (geteilt)

Damit lassen sich sowohl vielfältige frühbarocke Solofärbungen hinbekommen, als auch spätbarocke und moderne Einschläge. Und wenn man alle Register zusammenzieht bekommt man bei passender Intonation sogar Glanz hinein. Dazu ein "virtuelles" angehängtes Pedal, durch die Koppel + Sperrventil für die (mitteltönige) Pedallade für raschen Wechsel - und man hat eine mitteltönige "Basis" mit vielfältigen Dialog-, Echo- und Solomöglichkeiten, so daß "auch" eine solche Orgel in der Liturgie vielfältigen Aufgaben gerecht werden kann. Und das OHNE Kompromisse, was die einzelnen Plena- und Solomöglichkeiten angeht. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß ich der einzige bin, der auf solche Ideen kommt.

? was der Raum benötigt ?

Aeolinchen, Samstag, 20. August 2011, 10:26 (vor 5556 Tagen) @ Poupoulcorouse

Eine ähnliche Debatte hatten wir schon bei der von mir vor einiger Zeit angestoßenen Stimmungsdiskussion. Auf der einen Seite heißt es, daß der "gemeine" Kirchenbesucher den Unterschied nicht hört ... und auf der anderen Seite möchte man dem Kirchenbesucher dann kein vermeintlich eintöniges Repertoire bei "Charakterorgeln" in zum Beispiel mitteltöniger Stimmung bieten.
Wenn der Ottonormalhörer den Unterschied sowieso nicht hört, dann wird er sich auch nicht über vermeintliche Eintönigkeit beschweren. Es bleibt also letzlich Sache des Organisten und der Orgelsachverständigen.

WENN aber ein Organist gegenüber einen Laienpublikum erklären muss, warum an seinem Arbeitsplatz kein Ausnahmeinstrument entstanden ist und er das dann auch noch damit begründet, daß er sich nicht einschränken wollte, dann ist ihm zu wünschen, daß das Laienpublikum nicht bemerkt, daß es damit etwas verpasst, was es sonst so nicht zu hören bekommt.

Das "Laienpublikum" hört mehr, als Otto Normalorganist meist glaubt. Das "Laienpublikum" sollte man auch nicht für dumm verkaufen. Dem "Laienpublikum" - das fast immer die Orgel bezahlt - müssen wir auch reinen Wein einschenken. Und ihm z. B. auch klipp und klar sagen: "Liebe Leute, die Widor-Toccata, die auf der alten Orgel noch so leidlich ging, wird auf der neuen Orgel gar nicht mehr gehen."

? was der Raum benötigt ?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Samstag, 20. August 2011, 14:06 (vor 5556 Tagen) @ Aeolinchen

... oder ihm klipp und klar sagen: "Leute, wir geben hier viel Geld aus für etwas, was jede andere Kirchengemeinde im Umkreis auch hat oder auch haben will."

? was der Raum benötigt ?

Aeolinchen, Sonntag, 21. August 2011, 07:22 (vor 5555 Tagen) @ Poupoulcorouse

... oder ihm klipp und klar sagen: "Leute, wir geben hier viel Geld aus für etwas, was jede andere Kirchengemeinde im Umkreis auch hat oder auch haben will."

Den höchsten Kirchturm des Landkeises? Nen Pfarrer, der zündend predigen kann? Was bitte genau will jede andere Kirchengemeinde denn haben?

Sorry, an diesem nebulösen Slogan ist rein gar nix "klipp und klar".

Ein neuer Pfeifenwald...

tiratutti @, Donnerstag, 18. August 2011, 07:56 (vor 5558 Tagen) @ Tabernakelwanze

Hallo,

interessant. Manchmal stehen Chöre nicht stimmenweise sondern durcheinander. Die Pfeifenaufstellung erinnert mich daran.
Auf der Seite der Kathedrale gibt es ein PDF zur Orgel. Scheint sich um eine Spende gehandelt zu haben.

Grüße von tiratutti

Ein neuer Pfeifenwald...

elsenp, Donnerstag, 18. August 2011, 08:22 (vor 5558 Tagen) @ tiratutti

Ist für den Orgelbauer zum Stimmen auch ein GPS verfügbar?

Ansonsten: Einem geschenkten Örgelchen schaut man nicht ins Innere...

Ein neuer Pfeifenwald...

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Donnerstag, 18. August 2011, 09:26 (vor 5558 Tagen) @ elsenp

Drauf gestoßen bin ich, weil heute in unserer Bistums-Zeitung (Kirche und Leben, Münster) ein großes Panorama-Foto der Kathedrale abgebildet ist. Mich hat der Bau und die Orgel ziemlich beeindruckt.

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