Ulrich Leykam in der Neanderkirche, D-Alstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 11. August 2011, 11:48 (vor 5504 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Donnerstag, 11. August 2011, 19:57

Hallo Forum,

schön, daß dieser Mut durch aufmerksames Publikum und herzlichen Beifall desselben belohnt wurde. Ulrich Leykam (Melanchthonkirche) hatte nämlich kein leichtes Programm mitgebracht - fast ausschließlich mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Er begann allerdings mit Louis James Alfred Lefébure-Wély: Ein Offertoire F-Dur op. 35.2. Ich hatte, wie so oft bei Louis..., mit kirmeskem Aplomb gerechnet, aber diesmal war Louis... für eine Überraschung gut. Akkordfolgen mit schmerzlichen Über- und Untergrößen eröffneten das Stück und auch sonst konnte Leykam Tiefe herausarbeiten.

An zweiter Stelle “Kaleidoskop (1990)” von Jürg Baur (1918-2010). Ich erinnere mich gut jenes sechseckigen Papptubus mit Linse und Mattscheibe, in dem bei Drehung kleine Glasteile eine andere Position einnahmen und immer neue Figuren bildeten. Dabei blieb das Material unverändert. Nie gelang es, eine Figur zu reproduzieren; immer brachte der Zufall etwas neues hervor. Den vergeblichen Arbeiter bei immer gleicher Arbeit porträtierte Baur im ersten Satz “Sisyphos”. Es folgten Spiegelungen (der Papptubus war ja innen verspiegelt!), dann Artisten und Marionetten. Alles war durchaus klangschön. Manches mit einem Augenzwinkern humorvoll - so etwa die bewußt tolpatschigen Bewegungen der Marionetten. Nichts dagegen flach oder auf billigen Effekt aus.

Danach gab es - vermutlich in Düsseldorfer Erstaufführung und unter Anwesenheit des Komponisten - das “Stundenbuch II (2010)” von Robert HP Platz (*1951). Das Werk ist für den Kölner Dom komponiert und berücksichtigt insbesondere die drei dortigen Orgelstandorte (Langhaus, Querhaus, Bombardwerk). Die daraus resultierenden Effekte sind auf einer normalen Orgel natürlich nur andeutungsweise zu erzielen. Dennoch wurden es interessante Minuten. Das Werk beginnt ruhig, langsam kommt unter der Oberfläche Bewegung auf, eine Steigerung, Abruch in einer Generalpause nach querliegendem Akkord. Neuer Anlauf, Ende mit wirkungsvollem Gegeneinander-Einsatz von Pfeifengruppen (hier Chamaden). Würde ich gerne noch mal hören, insbesondere in einer Kirche mit zwei oder mehr Orgelstandorten.

Den gewichtigen Abschluß des Konzerts bildete Duruflés Suite op. 5 mit den Sätzen es-moll, ges-moll, h-moll. Ganz herrlich geriet dabei der satte Schluß der Prélude. An Vierne erinnernd das scherzohafte Sicilienne. Als der letzte Ton (perfekter Zieleinlauf) der Toccata stand, setzte starker Beifall ein. Hochverdient und ehrlich. Leykam bedankte sich mit “Changing Horse-Guards at Phylthingsdale Cottage”, wahrscheinlich von einem gewissen Louis...

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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