Konzert in Edinburgh

Unda Maris ⌂, nahe Hamburg, Mittwoch, 03. August 2011, 23:01 (vor 5514 Tagen)
bearbeitet von Unda Maris, Mittwoch, 03. August 2011, 23:14

Auf meinem 4-tägigem Kurztrip nach Schottland sollte es sich treffen, daß ich am heutigen Abend einem "Organrecital" von Michael Harris in der St. Giles' Cathedral beiwohnen konnte. DIE Cathedral von Edinbra (so sprechen es die Schotten aus) hat eine "Riegerin" von 1992 (III/56). 
In der Woche null vor den beiden Kulturfestivals, Nr. 1 Nr. 2i. Ü. Die beiden größten und meist besuchten Festivals überhaupt in Europa, war schon entsprechend viel los in der schottischen Hauptstadt. Das Programm in der mit knapp 100 Besuchen gefüllten Kathedrale gab sich vielfältig, jedoch recht brav: Buxtehudes Präludium D- Dur erklang zu Beginn mit viel 8 4 2 Registrierungen. Der Fuge spendierte Harris dann ein zartes Plenum. Der Gesamtklang schon hier, very britisch, edel, jedoch ohne rechten Biss. Das sollte sich ändern. Bei Muffats Toccata undecima fielen die charakteristischen 8' Prinzipale/ Diapasons? und Gamben positiv ins Ohr, durchaus dem süddeutschen Barock verpflichtet. Mit Bachs Triosonate c-Moll konnten Instrument und Interpret nun zeigen, was in ihnen steckte; musikantisch und gut registriert umschmeichelte dieses Meisterwerk die Ohren. Mit den Variationen in As- Dur von Hesse über ein eigenes Thema blieb es immer noch sehr labial 8-füßig und zart 4-füßig. "Nun kann er aber mal ein bißchen aufdrehen" dachte ich mir, und sogleich erstrahlte die letzte Variation von Hesse (viel Fußarbeit) mit eleganten Trompeten und Clairons - sehr eindrucksvoll!

Überhaupt - auch hier zeigt sich einmal mehr, daß eine Orgel die nicht zu hoch angebracht ist, akustisch immer besser ankommt. Die Riegerin steht zudem im Querschiff und auch in direktem Kontakt zum Chor, sehr schön gelöst! Das Instrument hat übrigens keinen elektrischen Zentralspieltisch, wie es auf der Insel ansonsten ja meist üblich ist. Der Nachhall ist nicht übermäßig, jedoch ausreichend. Ich saß vis â vis im Querschiff gegenüber und hatte einen optimalen Gesamtklang.

Nun kam - ahhh - Wolstenholme. Michael Harris hat dessen Gesamtwerk beim Label Priory eingespielt, und so wurden die Fantasie E-Dur op.33 und die Serenata A-Dur op. 36 auch der Höhepunkt des Abends. Bei dieser Musik fühlten sich Orgel  und Organist richtig wohl; fein schneidende Grundstimmen, charakteristische Solozungen und überblasende Flöten, das ist das Metier dieser Rieger-Orgel. Ein Vortutti in der Fantasie fachte die Vorfreude auf Liszt's B-A-C-H an, welches Harris dann mit zügigem Gestus und überzeugenden Registrierungen darbot. Welch ein sattes und homogenes Tutti, fast schon ZU schön. Warmer Applaus, leider keine Zugabe. Danach ein gutes Guiness im Restaurant des Traverse-Theatre, wo mein Nachwuchs gerade für 4 Wochen jobbt. Good Night.

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P.S. Hatte zwar eigene, gute Fotos gemacht, sind vom iPad aber nicht hochzuladen :-(


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