Lobeshymne (Clemens, bitte verzeih mir das Vordrängeln)
Vorweg: Lieber Clemens, bitte sieh es mir nach, daß ich dir den Vortritt raube und meine Begeisterung nicht so lange zurückhalte, bis deine Rezension hier veröffentlicht ist, aber ... ich kann nicht anders.
Als ich mich heute um viertel nach Sechs, verschwitzt und noch voll im Würgegriff der Düsseldorfer Altstadthektik, auf die zweite Empore der Neanderkirche schleppte, ahnte ich nicht, daß mir der erste musikalische Höhepunkt des jungen Monats bevorstand. Das Programm motivierte mich nicht gerade - meine musikalische Wahlheimat ist hier ja hinlänglich bekannt - einzig Instrument und Organist lockten und schafften es gerade so, mich aus der Lethargie meiner Semesterferien zu reißen.
Was hatte ich den Abend doch unterschätzt ...
Ich hatte ernsthafte Zweifel. Ein Programm mit keiner einzigen "Anfangs-17" in den Jahreszahlen und eine harte Kirchenbank: Wusste ich, worauf ich mich hier einlasse? Ich wusste es tatsächlich nicht. Denn schon nach wenigen Takten waren Programm und Gesäß vergessen. Register, die ich vorher nur dem Namen in der Disposition nach kannte, bekamen plötzlich ein klangliches "Gesicht". Und diese Gesichter spielten. Sie lachten, schrien, weinten, beteten, und erzählten. Mal einsam, mal zu zweit, mal quer durcheinander und, nicht selten, wie mit einer Stimme.
Torsten Laux wusste, was er wollte. Und er wusste in jeder Sekunde, wie er es bekommt, wo er es bekommt und wozu er es braucht.
Mir war, als hätte ich die Orgel vorher nie wirklich gehört, obwohl ich nicht zum ersten Mal dort ein Konzert besuchte. Die Trompeten des Schwellwerks - unbekannt. Die charakteristischen Rückpositivzungen - nie gehört. Aliquoten und kurzbechrige Zungen im Dialog - was für eine Entdeckung! Ich hörte Stücke aus einer Zeit, die mich sonst nie zu reizen vermochte, auf einer Orgel aus einer Zeit, die diese Musik verdammte. Und ich gehe aus diesem Konzert und erwische mich dabei, daß ich mir kaum vorstellen kann, daß diese Musik auf einer "authentisch-romantischen" Orgel besser klingen könnte. Bei Litaize und Alain schließlich war es beinahe, als hätte das Instrument ein Heimspiel. Die fast schon intime Atmosphäre der Neanderkirche trug beides, nahes und fernes, großes und kleines. Nichts war zu weit weg und nichts zu aufdringlich. Torsten Laux schaffte es, daß kein Schlussakkord so klang wie der letzte. Mal farbig-schmetternd, mal schrill bis zur Schmerzgrenze (nie darüber hinaus), aber immer atemberaubend.
Vielleicht mag ein in der Wolle gefärbter Kenner dieser Musik die Haare in der Suppe finden, die ich in meiner emotionalen Begeisterung übersehe, ebenso wie ich wohl nur wenige Buxtehude-Interpretationen uneingeschränkt genießen könnte, aber, davon bin ich überzeugt: Mehr kann man aus diesem Instrument an einem solchen Abend nicht herausholen.
Ich habe manchmal vergeblich versucht, aus der Mimik von Oskar Gottlieb Blarr, der unter den Zuhörern war, zu schließen, ob ihm gefiel, was er da hörte. Ich würde es ihm und "seinem" Instrument wünschen.
Als Torsten Laux, beim Empfang des ausdauernden Applauses, kurz die Hände hob um seinerseits dem Instrument selbst zu applaudieren, da war mein erster Gedanke, daß seine Leistung in der knappen Stunde davor bereits ein einziger langer Applaus für dieses Instrument und seinen Klang im Raum der Neanderkirche war.
Nun währt kein Rausch ewig - und daß ein solcher Höhenflug wohl nie ohne eine ebenso furchteinflößende Fallhöhe auskommt, merkte ich spätestens dann, als sich in Leverkusen Mitte eine stattliche Gruppe wild schnatternder "Damen" um mich platzierte (mir war es, als wären die spanischen Trompeten in der Neanderkirche ein Flüstern dagegen). Aber der Höhepunkt bleibt. Und ich werde mich in den nächsten Wochen gewiß nicht noch einmal vor einem mir unbekannten Programm fürchten, jetzt, da ich die Hauptdarstellerin so sehr zu schätzen gelernt habe.
Ich kann nur jedem hier raten, sich ein eigenes Bild zu machen oder sein altes Bild aufzufrischen. Es lohnt sich!
Lobeshymne (Clemens, bitte verzeih mir das Vordrängeln)
Hallo,
schade, da hätten wir uns kennenlernen können, ich war nämlich auch auf der 2. Empore.
Ich war anfangs nicht ganz so begeistert (der Ritter klang mir etwas dünn), spätestens abdem Guilmant gebe ich Ihnen / Dir Recht.
Gruß ... Frank (Berger)
PS: nächste Woche bei Ulrich Leykam bin ich wohl wieder auf Empore 2.
Lobeshymne (Clemens, bitte verzeih mir das Vordrängeln)
Sieh an. Dann merken wir uns das fürs nächste Mal!
Ich war der kräftige, mit Schirm und Aktentasche bewaffnete junge Mann im weißen Hemd. Das wird nächste Woche wohl nicht anders sein.
"Fremde" Organisten, war: Lobeshymne...
Torsten Laux wusste, was er wollte. Und er wusste in jeder Sekunde, wie er es bekommt, wo er es bekommt und wozu er es braucht.
Mir war, als hätte ich die Orgel vorher nie wirklich gehört, obwohl ich nicht zum ersten Mal dort ein Konzert besuchte.
Ein Phänomen, das ich auch schon einige Male beobachten konnte: Man hört eine Orgel, die man gut zu kennen glaubt, gespielt von einem "fremden" Organisten, der nicht ganz unfähig ist. Und plötzlich entdeckt man Seiten an dem vermeintlich vertrauten Instrument, die einem völlig unbekannt waren.
Ich habe das besonders eindrücklich erlebt an einem kleineren neobarocken Instrument einer (zu recht) nicht übermäßig bekannten norddeutschen Firma, an dem ich zu dem Zeitpunkt bereits jaherlang geübt und es noch viel länger Sonnag für Sonntag gehört hatte. Ein auswärtiger Organist gab sonntags ein Konzert, hatte sich den gesamten Samstag zum einregistrieren genommen und lieferte einen Klangzauber ab, den man dieser "Kiste" nie und nimmer zugetraut hätte.
Woraus wir lernen: Registrierung und Interpretation sind zwei immanent wichtige Bestandteile jeder Orgelmusik. Eigentlich schon wieder eine Binsenweisheit...
Torsten Laux in der Neanderkirche, war: Lobeshymne
Hallo Forum,
ja, Prof. Torsten Laux ist ein Spieler der Extra-Klasse. Und so kann ich der Begeisterung nur beitreten.
Ritter wird seine Sonate wohl angesichts des Magdeburger Doms geschrieben haben. Da gibt es nun “ein wenig” mehr Nachhall als in der kleinen, voll besetzten Neanderkirche. So klang denn die III. Sonate tatsächlich etwas mager, war aber wohldurchdacht. Herrlich etwa das Rezitativ der erzählenden Oboe mit den kommentierenden Akkorden, die klanglich changierten (teils mit, teils ohne Tremulant) - wirklich beredte Musik!
Auch bei Liszts Wagner-Pilgerchorparaphrase für Orgel fehlte es ein wenig an gnädigem Hall. Wenn am Ende der tapfere Subbass 16’ solistisch auftreten muß und keine Hilfe im Raum findet, erregt er ein wenig Mitleid.
Eine Entdeckung war op. 71 von Guilmant. Vielleicht sollten sich die Organisten neben den Sonaten auch den anderen Orgelwerken zuwenden - so sind auch unter den Noels Perlen. Hier gab es eine wunderbar sangbare Legende mit belebtem Final symphonique.
Wirklich für dieses Instrument geschaffen schienen in der Tat die Kompositionen des 20. Jahrhunderts: Langlais mit eingängigen Variationen “Hommage à Frescobaldi” mit keckem Schluß, Litaize brausende Toccata sur le Veni Creator und Alains Litanies. Letzteres geradezu mustergültig gespielt. Nicht zu schnell im Tempo, hart und präzise akzentuiert.
Heftiger, begeisterter Beifall der vollen Kirche, Zugabe ein c-moll Satz von Guilmant - weich und sanft.
Laux hatte den Ritter auswendig gespielt. Danach klebte er mitunter die Noten in zwei Reihen übereinander aufs Notenpult. Wäre da nicht eine Lösung, die Notenpulte aus magnetischem Material zu fertigen, damit man kleine Magnete zum Festhalten der Blätter nutzen kann?
Gruß Clemens Schäfer
P.S. nächsten Mittwoch 18:30h spielt Ulrich Leykam Louis James Alfred Léfébure-Wély (op. 35.2) , Jürg Baur (Kaleidoskop 1990), Robert HP Platz (Stundenbuch II 2010) und Maurice Duruflé (op. 5)
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Magnete
Ja, die kleinen Magnete benutze ich gerne, um die Lied-/Ablauf-/Programmzettel zu befestigen. Aber bei Noten sind sie nur einsetzbar, wenn man Kopien verwendet - und das dürfen wir (eigentlich) gar nicht...
Magnete und Copyright
Ja, die kleinen Magnete benutze ich gerne, um die Lied-/Ablauf-/Programmzettel zu befestigen. Aber bei Noten sind sie nur einsetzbar, wenn man Kopien verwendet - und das dürfen wir (eigentlich) gar nicht...
Ich denke, doch! Zumindest wenn man sich von seinen sauer selbst erworbenen Noten Kopien anfertigt, weil man in diesen a) hemmungslos rummalen und b) sie eben ggf. viel besser zum Spielen nutzen kann. Man korrigiere mich gerne (Wolfgang?), aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass SO eine Art von Kopien absolut legal sein müsste.
Zum Thema Notenpulte: Es kam mir erst neulich wieder in den Sinn, dass wir uns da, gemessen am sonstigen technischen Fortschritt, mit geradezu steinzeitlichen Gerätschaften herumschlagen. Gerade an der Orgel: Wie oft sind Notenpulte so schmal und flach, dass man bei einem Konzert unmöglich mehrere Noten neben- und hintereinander stellen kann? (Bei manchen gibt es ja schon mit dem neuen wohlbeleibten ev. Gesangbuch Probleme) Wie viele Notenpulte sind immer noch fix, anstatt variabel verstellbar zu sein? Und - so schön sie auch aussehen mögen - wann hört endlich dieser Unsinn mit den durchbrochenen Notenpulten auf? Mindestens eine Plexiplatte sollte man dann darauf befestigen, das ständige Herunternehmen der Noten, um etwas eintragen zu können, treibt mich zumindest immer zur Weißglut...
Magnete und Copyright
Ja, die kleinen Magnete benutze ich gerne, um die Lied-/Ablauf-/Programmzettel zu befestigen. Aber bei Noten sind sie nur einsetzbar, wenn man Kopien verwendet - und das dürfen wir (eigentlich) gar nicht...
Ich denke, doch! Zumindest wenn man sich von seinen sauer selbst erworbenen Noten Kopien anfertigt, weil man in diesen a) hemmungslos rummalen und b) sie eben ggf. viel besser zum Spielen nutzen kann. Man korrigiere mich gerne (Wolfgang?), aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass SO eine Art von Kopien absolut legal sein müsste.
Auch wenn man urheberrechtlich geschützte Noten (bzw. Notenausgaben) selbst gekauft hat, dürfen diese streng genommen nicht kopiert werden, auch nicht für den eigenen Gebrauch. (Die wenigen Aufnahmen sind hier nicht relevant.)
Gruß
Karsten
Magnete und Copyright
Ja, die kleinen Magnete benutze ich gerne, um die Lied-/Ablauf-/Programmzettel zu befestigen. Aber bei Noten sind sie nur einsetzbar, wenn man Kopien verwendet - und das dürfen wir (eigentlich) gar nicht...
Ich denke, doch! Zumindest wenn man sich von seinen sauer selbst erworbenen Noten Kopien anfertigt, weil man in diesen a) hemmungslos rummalen und b) sie eben ggf. viel besser zum Spielen nutzen kann. Man korrigiere mich gerne (Wolfgang?), aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass SO eine Art von Kopien absolut legal sein müsste.
a) ist kein Argument. Du darfst ja auch in deinen selbst erworbenen Noten hemmungslos rummalen.
b) Bei Wendestellen können einzelne Seiten zur Erleichterung des Blätterns kopiert werden.
Ansonsten gilt nach wie vor das Urheberrecht:
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html
(4) Die Vervielfältigung
a)
graphischer Aufzeichnungen von Werken der Musik,
...
ist, soweit sie nicht durch Abschreiben vorgenommen wird, stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig oder unter den Voraussetzungen des Absatzes 2 Satz 1 Nr. 2 oder zum eigenen Gebrauch, wenn es sich um ein seit mindestens zwei Jahren vergriffenes Werk handelt.
...
(6) Die Vervielfältigungsstücke dürfen weder verbreitet noch zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden.
Näheres, auch zur Rechtslage an Kirchen, Musikschulen etc.:
http://www.vg-musikedition.de/
http://www.vg-musikedition.de/pdf/TaeterImFrack_2011-06.pdf
Magnete und Copyright
Die durchbrochenen Notenpulte sind zwar fürs Beschriften der Noten blöd (manchmal scheint sogar die Sonne durch und ergibt Muster, wenn man aus Kopien spielt), doch gibt es einen entscheidenden VORTEIL: Wenn der Spieltisch zur Gemeinde steht und ich beim Vorsingen kein Mikrophon benutze (ich hasse diese Dinger), singe ich am Gesangbuch vorbei durch das Notenpult zur Gemeinde. Das klappt bei "meiner" alten Klais-Orgel ganz wunderbar, die Gemeinde versteht mein Gesinge auch ohne Mikrophon. Hätte ich aber eine Plexiglasplatte vor mir, wäre das akustische Ergebnis sehr viel schlechter.
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Bitte nicht böse sein, aber ein Wattebausch, getränkt mit etwas Isopropylalkohol, hilft bei solchen Tasten. ;-)
Gruß,
Subkoppel II - I
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Und Du bist ganz sicher, dass ich da nicht vorher beim Denkmalamt nachfragen muss, ob ich das darf?
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Bitte nicht böse sein, aber ein Wattebausch, getränkt mit etwas Isopropylalkohol, hilft bei solchen Tasten. ;-)
Da wäre ich vorsichtig. Wenn es sich bei den Tastenbelägen um solche aus Celluloid handelt, kann das Material bei der Reinigung mit Alkohol großen Schaden nehmen.
Gruß, Florian
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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
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Da wäre ich vorsichtig. Wenn es sich bei den Tastenbelägen um solche aus Celluloid handelt, kann das Material bei der Reinigung mit Alkohol großen Schaden nehmen.
Hallo
es könnte sich auch um Polyoxybenzylmethylenglycolanhydrid, auch unter dem Markenname "Bakelit" bekannt handeln. Es ist ein Duroplast, welcher sich mit der Zeit von selbst verflüchtigt. Daher glaube ich kaum, dass die braunen Verfärbungen so einfach zu entfernen sind, die sitzen schon zu tief drin. Es könnte auch sein, dass der Kunststoff ganz von selbst diese Farbe bekommen hat, weil die Tasten ja nur in der Mitte mit den Fingern "eingefettet" wird.
Grüße Franz
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Und Du bist ganz sicher, dass ich da nicht vorher beim Denkmalamt nachfragen muss, ob ich das darf?
Ersatzweise kann man das Methanol auch trinken, dann sieht man die Tasten nicht mehr.
HiHi,
Subkoppel II - I
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Ich spiele selbst an einer Klaisorgel mit älterem (elektrischen) Spieltisch. Dort neigen die Tasten auch zu dieser Einfärbung. Hier hilft eine einfache Reinigung mit einem weichen Lappen und Seifenlösung. Die Tasten weisen eine etwas poröse Struktur auf, in der sich der Staub festsetzt und dann zu diesem Aussehen führt. Ich denke auch, dass sich ein Lösungmittel in dem Kunststoff im Laufe der Jahre freisetzt und dann diese Mikroporen hinterläßt. Übrigens hat Klais einige Tastenbeläge getauscht, die Risse aufwiesen bzw. an den Vorderkanten kleine Bruchstellen bekamen (wohl auch eine Folge des "Weichmacherverlusts"). Diese wurden ersetzt durch Tastenbeläge, die weitaus glatter sind und kaum Schmutz ansetzen. Aber in der Haptik sind die alten, originalen Beläge besser.