Marcel Andreas Ober in St. Lambertus, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 02. August 2011, 13:25 (vor 5513 Tagen)

Hallo Forum,

als das August-Konzert der Internationalen Orgelkonzerte in St. Lambertus vereinbart wurde, wußte noch niemand, daß der Spieler, Marcel Andreas Ober, damit praktisch sein Einstandkonzert als Nachfolger von Heinz Terbuyken geben würde. Unter 42 Bewerbern darunter sogar einer aus den USA, hatte sich Ober durchgesetzt.

Ober begann mit BWV 548 e-moll. Da mußte man erst einmal tief durchatmen: Denn er legte ein recht zügiges Tempo vor. Trotzdem blieb es dank schlanker Registrierung durchhörbar. Alles war sauber ausartikuliert. In der Fuge hatte man sich längst an diese Gangart gewöhnt. Offenbar hatte Ober das Tempo von dort her genommen.

An zweiter Stelle eine Lehrstunde in Sachen Flötenverwendung. Die Choralpartita über “Freu dich sehr, o meine Seele” von Böhm bot dazu perfekte Gelegenheit. Obwohl Ober hier - wie auch beim Bach - im Turm spielte und damit “nur” auf die Hauptorgel zugreifen konnte, ergaben sich vielfältige Klangvariationen.

Am Generalspieltisch im Chor ging es dann mit Duruflé op. 7 (ALAIN) weiter. Herrlich, wie über einem zarten Streicherbett das Thema akzentuiert wurde.

Einen von Reger verwagnerten Liszt - es waberte herrlich - , gab es danach mit der Transkription von “Der heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend”. Sehr eindrucksvoll das Abbrechen am Schluß und der Schluß selbst. Tiefe Romantik at her best.

Leichtere Kost, aber mindestens so raffiniert, war die Orgefassung (Léon Roques) einer “Petite Suite” von Debussy. Hier konnte Ober Klangregie in allen Facetten austesten. “En bateau” ließ es brausen und glucksen, “Cortège” war eine Art Festreigen (weniger starrer Festzug als aufgelöstes Treiben), “Menuett” erinnerte an höfisches Zeremoniell, war aber bereits dekadent gebrochen, und “Ballet” im Dreiertakt näherte sich der Walzerausdeutung von “La Valse”. Unmengen von Setzern hatte Ober hier vorbereitet; Crescendi und Diminuendi wurden parallel über die Schwelltritte und den Setzerpiston gesteuert - augefeilte Klänge waren der Lohn. Da steckte viel Vorbereitungszeit drin.

Den Abschluß bildete die Toccata op. 11 von Prokofieff in der Orgelfassung von Guillou. Ein Klopfstück fürwahr! Hinreißend. Sofort brauste der Beifall auf, über 130 Hörer waren begeistert. Ober setzte sich zur Zugabe und hob - fast verhalten - in d-moll ein. Ja, BWV 565. Nicht auftrumpfend oder donnernd sondern ganz natürlich, Agogik sparsam einsetzend. Dabei in höchstem Maße präzise. Maßstabgebend. So darf es mit Marcel Ober gerne weitergehen!

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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