Orgel in der Aula der Univ. Heidelberg
Hallo Forum,
war jemand der hier Anwesenden bei der Einweihung der überarbeiteten Orgel der Aula der Univ. Heidelberg am vergangenen Sonntag zugegen und könnte darüber berichten? Leider war es mir nicht möglich daran teilzunehmen.
Die Orgel wurde in Zusammenarbeit der Firmen Jann und Mühleisen reorganisiert/erweitert.
Infos zur Orgel:
Fa. Mühleisen
Fa. Jann
Bleibt zu hoffen, dass die Orgel nicht wieder in einem Dornröschen-Schlaf versinkt...
Viele Grüße
Benjamin
Orgel in der Aula der Univ. Heidelberg
Die Orgel wurde in Zusammenarbeit der Firmen Jann und Mühleisen reorganisiert/erweitert.
Ich kenne die Orgel zwar überhaupt nicht, aber jetzt muss ich doch mal was loswerden:
Wann kommen wir eigentlich auf den Trichter, die letzten noch unverändert vorhandenen Großorgeln der 1950er/60er Jahre auch als solche zu restaurieren?
Da hat man noch eine deser wenigen Orgeln mit einer lupenrein orgelbewegten Disposition und Raritäten wie Sordun 32' und Terznone 2fach. Wieso müssen da jetzt mit aller Gewalt total stilfremde Register wie Aeolinen und durchschlagende Klarinetten draufgepfropft werden?
Ist das nicht genauso unsinnig wie das, was man vor 50 Jahren gemacht hat? Als man allen Ernstes geglaubt hat, ansonsten intakte spätromantische Orgeln mit Zutaten wie Krummhornregal und Zimbel 1/6' aufmotzen zu müssen?
Orgel in der Aula der Univ. Heidelberg
Wann kommen wir eigentlich auf den Trichter, die letzten noch unverändert vorhandenen Großorgeln der 1950er/60er Jahre auch als solche zu restaurieren?
Da hat man noch eine deser wenigen Orgeln mit einer lupenrein orgelbewegten Disposition und Raritäten wie Sordun 32' und Terznone 2fach. Wieso müssen da jetzt mit aller Gewalt total stilfremde Register wie Aeolinen und durchschlagende Klarinetten draufgepfropft werden?
Im Prinzip gebe ich dir vollkommen recht. Aber man kann es doch auch positiv sehen, solange wirklich nur "draufgepropft" wird und sich die None auch noch in der neuen Dispo befindet.
Die Mischung macht's. Schade wäre wohl, wenn danach die Interpreten nur noch die neu hinzugefügte Seite des Instrumentes zeigen werden.
Wie klingt eigentlich ein Sordun 32'? Ich kenne das Register nur als platzsparendes 16'-Register aus Hausorgeln... kriegt man so etwas auch "in laut" hin? Ansonsten hat der doch gegen Prinzipal oder Posaune 16' keine Chance.
LG,
Martin
Orgel in der Aula der Univ. Heidelberg
Im Prinzip gebe ich dir vollkommen recht. Aber man kann es doch auch positiv sehen, solange wirklich nur "draufgepropft" wird und sich die None auch noch in der neuen Dispo befindet.
So weit ich sehe, wurde nicht nur draufgepfropft, sondern allerhand hin- und hergeschoben. Ein paar Register wurden anscheinend ganz eliminiert. Wenn ich richtig gezählt habe, sind von ursprünglich 53 Registern 48 erhalten geblieben.
Vorher gab es anscheinend ein Rückpositiv und ein Brustwerk. Das Rückpositiv ist jetzt (größtenteils) ins "Schwellwerk III" integriert. Vom Brustwerk sind nur ein paar Register geblieben, die man hier und da verteilt hat. Zwei Hauptwerks-Register kamen ins Schwellwerk, davon wurde die Harfpfeife zur Schwebung umfunktioniert und so weiter.
Großorgel der 50er Jahre
völlig einverstanden, doch ich fürchte: zu spät. Mir fällt spontan kaum noch eine bislang unveränderte Großorgel aus dieser Epoche ein (Domorgel Wetzlar?). Meist begründet man den Umbau mit technischen Mängeln bzw. schlechtem Material der Nachkriegszeit. Aber natürlich geht es AUCH bzw. in erster Linie um eine klangliche Umgestaltung.
Andererseits sitzen eben an großen Orgeln auch meist fähige Organisten, die in ihrer Ausbildung das gesamte Schaffen für Orgel mitbekommen haben. Und wer z. B. eine Vierne-Symphonie im Studium eingeübt hat, will sie eben später auch spielen. Aus diesem Grund kommen bei neuen Orgeln zumeist diese witzigen Stilvermischungen mit barockem Rückpositiv, hochromantischem Schwellwerk und Kompromiss-Hauptwerk zustande. Wobei ich zugeben muss, dass ich diese Instrumente oft ganz anregend finde.
Katholischerseits entspannt sich dieses "Problem", da viele Kirchenmusiker gar nicht mehr nur für eine einzige Kirche zuständig sind. Die Kirchen werden zu "Seelsorgsbereichen" oder "Pastoralen Räumen" zusammengefasst und dann spielt man an unterschiedlichen Instrumenten. Ich spiele - fest angestellt - an vier Orgeln pro Woche, da ist eine französische, eine große Pseudo-Barockorgel, eine Klais-Orgel von 1908 und ein Neobarockteil darunter. Da lässt sich nun sehr viel verschiedene Literatur unterbringen, ohne ein Instrument "vergewaltigen" zu müssen.
Orgel in der Aula der Univ. Heidelberg
Wie klingt eigentlich ein Sordun 32'? Ich kenne das Register nur als platzsparendes 16'-Register aus Hausorgeln... kriegt man so etwas auch "in laut" hin? Ansonsten hat der doch gegen Prinzipal oder Posaune 16' keine Chance.
So ein Tier gibt es auch in der Weigle-Orgel (op. 1000) der Mannheimer Konkordienkirche, deren Disposition mittlerweile bei Wikipedia nachzulesen ist. Sonderlich überzeugend bzw. nützlich fand ich diesen Sordun auch nicht. Ansonsten hat die Orgel aber einiges an wirklich schönen Stimmen zu bieten, was mindestens zum Teil einer vor mehreren Jahren erfolgten Überarbeitung/Intonationskorrektur durch Gerhard Lenter zu verdanken sein dürfte. Den vorherigen Zustand kannte ich leider nicht; die meisten Pfeifen/Register müßten aber noch von Weigle sein.
Meine Begegnung mit dem Instrument ist jetzt einige Zeit her. Reizvoll ist z.B. die milde "Prinzipalmixtur" des SW, die sich etwa bei Duruflés Prélude sur l'Introït de l'Epiphanie schön verwenden ließ, oder auch die Rohrflöte und Aeoline.
Viele Grüße,
perotin