Vincent Dubois in St. Lambertus

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 08:14 (vor 5742 Tagen)

Hallo Forum,

am 06.12.2010 spielte Vincent Dubois in St. Lambertus, D-Altstadt. Zunächt BWV 535 g-moll, dann Saint-Saens “Danse Macabre” und danach Dupré: Symhonie Passion op. 23 und die nachgelassenen “Zwei Skizzen” op. 41 (1945, gefunden 1975). Man muß das Programm ganz kennen, um zu erklären, daß der Bach am Beginn für viele Ohren fremd klang. Mit offener, hohler Flöte begann es, dann streng in den Allegroteil. Die Fuge als grandiose Steigerung mit üppiger Registrierung. Das war schon gewöhnungsbedürftig. Zeigte aber auch neue Perspektiven. Und die führten geradewegs zum weiteren Programmablauf.

Schon ausgespielt, fast etwas opernhaft, die Effekte des Danse macabre, der in hohem Ton einer endenden Geisternacht gipfelte, abfiel, kurz noch einmal aufflackerte und erlosch.

Hauptwerk des Abends war zweifellos die Symphonie Passion von Dupré. Wie gut, das mir das Werk erst vorige Tage in der Johanneskirche in einer hörenswerten Aufführung durch Wolfgang Abendroth begegnet war. Wieder dieses düstere Chaos als leerer ungeordneter Raum zu Beginn. Nur mager die Aufhellung im ersten Satz. Fast gemütlich rumpelnd die Kamelkarawane bis sich hier zwischen Zungen das Adeste fidelis herausschälte wie eine aufgehende Knospe. Das war schon grandios gemacht. Die Via dolorosa und der Zusammenbruch am Kreuz kamen überzeugend und die Auferstehung mit Nachdruck aber ohne übertriebenes Thriumpfgeschrei. Klar, daß die Lambertusorgel in ihrer französischen Disposition dem Werk noch mehr kongeniale Farben leihen konnte als die keineswegs ungeeignete aber doch anders gedachte Johannesorgel.

Zum Abschluß dann zwei virtuose Stücke, das eine mit glockenhafter Klarheit, das zweite mit Zungenschärfe.

Mächtiger Beifall der ca 120 Hörer. Schumann und eine Improvisation als Zugaben. Man braucht es schon nicht mehr zu erwähnen: Dubois spielte auswendig. Und wenn man der Ansage trauen darf, nimmt er nicht einmal die Noten mit auf seine Konzertreisen. Am Nutzen des Auswendigspiels wird ja viel gezweifelt. Ich meine aber immer wieder eine große Freiheit des Spielers beim Konzert zu spüren, wenn er die Musik sozusagen von der Festplatte seines Hirn laden kann und nicht erst eine Diskette (Noten) auslesen muß. Der Signalweg “Noten-Auge-Hirn-Finger” ist nun mal länger als der “Hirn-Finger” und kostet zusätzlich Zeit und Energie. Klar, daß diese nicht eingespart werden: Sie mußten vorab beim Lernen investiert werden.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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