Alpirsbach und drumherum im schönen Schwarzwald
Beim Familienurlaub im Schwarzwald haben wir uns natürlich auch ein paar Orgeln angehört. Ein Orgelkonzert in der ehemaligen Klosterkirche und heutigen evangelischen Pfarrkirche in Alpirsbach bot die Gelegenheit, das Instrument (Winterhalter-Orgel) vielschichtig vorgeführt zu bekommen. Yasuko Yammamoto und Matthias Krampe aus Wien spielten vierhändige Orgelmusik: neben der grandiosen Merkel-Sonate Albrechtsberger, Fugen von Mendelssohn und Ausschnitte aus der hervorragenden neuen Nussknacker-Bearbeitung aus dem Butz-Verlag.
Wir saßen nicht weit von der Orgel weg, die auf ihrer normalen Position im Querhaus stand. Die Luftkissen-Aktion wird ja nur sehr selten ausgeführt, im Jahr 2011 ist es erst ein einziges Mal geschehen, dass sie herausgezogen wurde. Da die Orgel nach allen Seiten herausklingt, ist das Querhaus gar keine schlechte Position, weil der Klang gebündelt wird. Steht die Orgel völlig frei, ist der klangliche Eindruck natürlich ein ganz anderer.![[image]](images/uploaded/201107172106454e234ee59f0d3.jpg)
Wir konnten den Organisten beim Spielen schön zuschauen. Da es auch Registerzüge für die Schwelltüren gibt, wusste man auch hier, welche Position die beiden Schwelltritte (Dach und vorne) haben.
Die Orgel machte einen sehr guten Eindruck. Die Grundstimmen klingen überzeugend, charakteristisch, warm und intensiv. Beeindruckend sind vor allem die Streicher, die herrlich romantisch klingen. Bei einer solchen Registrierung meinte meine Frau, die Orgel klinge gerade wie ein Harmonium. Dazu kommen schöne Flöten. Im Prospekt ist übrigens die Alpflöte horizontal angeordnet, die aber nicht penetrant hervorklingt.
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Auch im Forte überzeugt die Orgel mit einem eleganten, einheitlichen Klangbild. Nichts sticht hervor, nichts nervt. Trotz der relativ bescheidenen Registerzahl besitzt die Orgel ein gravitätisches Pedal mit einer voluminösen Posaune, die aber nicht plärrt.
Als Kritikpunkt könnte man anmerken, dass die Orgel vielleicht schon ZU elegant und geschlossen klingt. Für deutsch-romantische Musik ist es sicher ein perfektes Instrument, aber ich könnte mir noch deutlich mehr "Wumms" vorstellen. Wäre die Kirche katholisch und man müsste mit der Orgel an Ostern oder Fronleichnam aus dem Querhaus heraus eine große singende Gemeinde begleiten, käme man wohl schnell an die Grenze.
Ein interessanter Kontrast zu dieser neuen Orgel war die Rieger-Orgel in der Taborkirche zu Freudenstadt aus dem Jahr 1994. Die Disposition liest sich grandios: Zwei Schwellwerke, viele Zungen, französische Namen. Die Kirche aus dem Jahr 1931 verfügt über eine recht klare Akustik mit nicht übermäßigem Nachhall, von Kathedralakustik würde ich keineswegs sprechen.
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Die Orgel steht auf der Westempore, die nicht viel Höhe aufweist, weshalb die Laden ziemlich weit unten stehen. Vom freistehenden Spieltisch schaut man direkt in die Labien der Pfeifen, die zum Hauptwerk gehören.
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Über dem Hauptwerk steht das schwellbare Oberwerk, dessen Principal auch im Schweller steht, aber in der tiefen Oktave nur recht leise klingt (wahrscheinlich gedackt). Das große Schwellwerk steht hinter dem Hauptwerk, das Pedal an der Seite.
Diese Orgel habe ich nur am Spieltisch kennenlernen können, ich weiß nicht, wie sie unten in der Kirche klingt. Oben auf der Empore wirkt alles natürlich sehr direkt und kräftig, man gewöhnt sich aber schnell daran. Anders als letzthin an einer Göckel-Orgel fühlte ich mich hier auch im Tutti nicht akustisch vergewaltigt.
Die Möglichkeiten, die die beiden Schwellwerke bieten, sind enorm, weil man nicht nur die Solostimme, sondern auch die Begleitung dynamisch verändern kann. Bei offenen Türen lässt sich das Oberwerk gut auch für barocke Musik verwenden, alles klingt klar und deutlich. Allerdings unterscheiden sich Haupt- und Oberwerk klanglich nicht sonderlich stark, da beide einen Prinzipalchor und eine ähnliche Mixtur aufweisen. Das Schwellwerk ist aufgrund seiner Position ein wenig diffuser und weicher. Auf der Orgel lassen sich im Grand-Jeu die terrassenförmigen Abstufungen von Récit, Positif und Grand-Orgue gut verwirklichen. Dazu passt, dass das Positiv eine freche Trompette und Einzelaliquoten aufweist, die auch beim Ziehen der Anches Positif einen Effekt abgeben. Dennoch ergab sich - zumindest am Spieltisch - kein bis ins Letzte überzeugende "französische" Gefühl. Die französischen Instrumente klingen in den Grundstimmen voller und runder, irgendwie eleganter. Im Vergleich zu Alpirsbach fällt sofort auf, was sich in den letzten Jahren im Bereich der Intonation verändert hat: Die Streicher klingen heute ganz anders, nämlich viel romantischer. Mir ist das auch bei anderen Orgelbauern aufgefallen, wie stark man sich wieder am (späten) 19. Jahrhundert orientiert. Das verheißungsvolle Konzept in Freudenstadt müsste man also nur intonatorisch "aktualisieren", um einen stimmigeren Gesamtklang zu erzeugen, wenn man das will.
Trotz der französischen Bezeichnungen klingt die Riegerin ziemlich "deutsch", was allerdings dazu führt, dass sich auf ihr auch deutsche Barockmusik sehr schön darstellen lässt.
In Schramberg konnten wir kurz die Walcker-Orgel hören. Es handelt sich um eine frühe Kegelladen-Orgel aus dem Jahr 1844, die von Kuhn restauriert/rekonstruiert wurde. Die klassizistische katholische Kirche ist zwar erstaunlich hallig, aber die Akustik bleibt immer deutlich. Beim Orgelklang ist vor allem das Hauptwerk sehr präsent, auch polyphone Stimmverläufe bleiben im Plenum erstaunlich klar heraushörbar, wenngleich die terzenhaltigen Mixturen eine starke Färbung verursachen. Das Pedal ist dagegen etwas unklar, wobei es sehr gravitätisch klingt, nur eben vergleichsweise undeutlich. Sehr gewöhnungsbedürftig sind die Zungenstimmen, die eine spezielle Klangfarbe aufweisen.
Ich wünsche allen, die noch in Urlaub fahren, eine gute Reise, gute Erholung und schöne Eindrücke.
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- Alpirsbach und drumherum im schönen Schwarzwald - Orlos, 17.07.2011, 21:56
- Alpirsbach und drumherum im schönen Schwarzwald - Subkoppel II - I, 20.07.2011, 16:16
- Paderborn, Libori war: Alpirsbach ... - Rochus Schmitz, 21.07.2011, 08:55
- Alpirsbach und drumherum im schönen Schwarzwald - Subkoppel II - I, 20.07.2011, 16:16