Italienische Orgelmusik

willscher, Donnerstag, 07. Juli 2011, 12:05 (vor 5538 Tagen)

Moin moin alle zusammen.
Ich bin sicher kein Spezialist für italienische Orgelmusik, aber trotzdem einige Anmerkungen. Die ital. Orgelmusik ist sicher genauso vielfältig wie die französische.
Um ein paar Namen zu nennen: Frescobaldi, Bossi (Vater und Sohn haben beide komponiert), Cavazzoni, Gabrieli, Merula, Merulo, Scarlatti, Zipoli.
Ja, das war es. Das sind die im Orgelmusikführer Reclam aufgeführten italienischen Komponisten.
Man fragt sich, warum da nicht auch Polibio Fumagalli, Venzenzo Petrali, Guiseooe Arrigo, Filippo Capocci, Luigi Bottazzo, Oreste Ravanello, Domenico Bellando und Ulysse Matthey aufgeführt sind, die ein äußerst umfangreiches Orgelwerk hinterließen.
Mattheys Toccata-Carillon ist sicher eines der schönsten seiner Gattung (leider sehr schwer. Und es gibt noch Mannigfaltiges zu entdecken.
Etliche italienische Orgelkomponisten der Romantik findet man in den Joubert-Bänden. Vieles ist aber auch in französischen Sammelbänden zu finden.
Also ab in die Antiquariate!
Gruß
Andreas

Italienische Orgelmusik

Frank Berger @, Wassenberg, Donnerstag, 07. Juli 2011, 17:31 (vor 5538 Tagen) @ willscher

Fehlt in der Liste noch Padre Davide da Bergamo. Habe die LP Die Serassi-Orgel von Tenda mit Rene Saorgin, und (für mich leider unspielbare) Noten (Bärenreiter). Was für Fans von italienischer Musik a la Rossini auf der Orgel ...
Gruß
Frank (Berger)

Italienische Orgelmusik

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Donnerstag, 07. Juli 2011, 21:44 (vor 5538 Tagen) @ Frank Berger

Ich finde auch dass die Italiener eine besondere Gabe für
Leichtigkeit und Melodie haben.
Von Davide da Bergamo hab ich einmal die
Fantasie über die damals österr. Kaiserhymne einstudiert - allerdings im virtuosen Originaltempo hab ichs nicht ganz geschafft. Seine Stücke sind recht lustig, klingen dann mit der Zeit aber auch ähnlich, und erinnern ein bisschen nach Leierkasten.
Ähnlich ist auch die Sonata per Organo von Bellini, die beim Zuhörer gut ankommt.

Sehr schön finde ich auch die Stücke von Giovanni Battista Sammartini.

Aus dem romantischen Bereich hab ich mal ein sehr schönes Andante cantabile von Cost. Adolfo Bossi gespielt, einem ganz unbekannten Kirchenmusiker.

Wenn man italienische Kirchen besichtigt, merkt man dass eine richtige Pfeifenorgel nicht selbstverständlih ist, meistens steht dort so ein Elektronium rum.

Italienische Orgelmusik

Scharfensteiner @, Kiedrich, Donnerstag, 07. Juli 2011, 23:32 (vor 5538 Tagen) @ orgelsolo

...ich würde dieses Genre gerne noch mit Vincenzo Petrali (1830-1889) ergänzen. Zugegeben arg opernhaft und streckenweise an Léfebure-Wely erinnernd - aber in bestem Sinne Unterhaltungsmusik. Ich hatte das Glück einen Teil seiner Werke sowohl in Tende an der Serassi-Orgel zu hören (hier könnte man sagen: das paßt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, als auch im Dom zu Mailand. An der Mailänder Riesenorgel bekommt das Ganze schon einen leicht symphonischen Anstrich. Ich konnte mich hier wie da eines breiten Grinsens nicht erwehren :-). Einfach mal ausprobieren, zumal die Stücke nur leicht bis mäßig schwer sind.

Italienische Orgelmusik

aristidecc, Freitag, 08. Juli 2011, 04:27 (vor 5538 Tagen) @ Scharfensteiner

... und nicht zu vergessen Marco Enrico Bossi und Pietro Yon, die bis ins 20. Jh. hinein gewirkt haben.

Italienische Orgelmusik

Friedrich @, Freitag, 08. Juli 2011, 08:55 (vor 5538 Tagen) @ Frank Berger

Einer, der mir dank einer neueren Aufnahme viel Vergnügen bereitete, ist Gregorio Strozzi (1615--1687). Tolle, affektreiche und kontrapunktisch gediegene bis durchtriebene Stücke eines beinahe Unbekannten, in der bewussten Aufnahme von Elena Sartori (findet man u. a. bei den drei Buchstaben) gespielt auf einer fabelhaften alten Orgel, dramatisch und glanzvoll, mit größtenteils verdoppeltem Prinzipalchor -- herrlich.

Mit den Opernstückchen kann ich nicht soviel anfangen. Dafür kann ich den Verweis auf die Virtuosenschule im frühen 20. Jahrhundert nur erneuern -- Matthey, Bossi usw., da ist was zu holen, was es sonst nirgends gibt. Nur wenige spielen das, u. a. Nicolas Kynaston, der ja auch bei Francesco Germani gelernt hat -- einem Orgler wiederum, der ein paar tolle und geschmackvolle Virtuosenstücke hinterlassen hat.

Gruß,
Friedrich

Orgelmusik-Führer

Karsten, Freitag, 08. Juli 2011, 14:49 (vor 5537 Tagen) @ willscher

Ich bin sicher kein Spezialist für italienische Orgelmusik, aber trotzdem einige Anmerkungen. Die ital. Orgelmusik ist sicher genauso vielfältig wie die französische.
Um ein paar Namen zu nennen: Frescobaldi, Bossi (Vater und Sohn haben beide komponiert), Cavazzoni, Gabrieli, Merula, Merulo, Scarlatti, Zipoli.
Ja, das war es. Das sind die im Orgelmusikführer Reclam aufgeführten italienischen Komponisten.
Man fragt sich, warum da nicht auch Polibio Fumagalli, Venzenzo Petrali, Guiseooe Arrigo, Filippo Capocci, Luigi Bottazzo, Oreste Ravanello, Domenico Bellando und Ulysse Matthey aufgeführt sind, die ein äußerst umfangreiches Orgelwerk hinterließen.

Die Kritik am Reclam-Orgelmusikführer (generell was Repertoire-Auswahl und Umfang betrifft) ist nicht neu und (immer noch) gerechtfertigt.

Meinem Ideal eines Orgelmusik-(Konzert-)Führers kommt der "Guide de la Musique d'Orgue", herausgegeben von Gilles Cantagrel sehr nah: 800 Seiten zweispaltige Bleiwüste auf Dünndruckpapier. Knapp und sehr informativ: da steht zu Reger mehr drin als bei Reclam zu J.S. Bach. Nur ist dieses Buch nun auch bald 20 Jahre alt und eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage wäre eigentlich überfällig. Nur: wer kauft das, wenn man sich mittlerweile mit Multifunktions-Mobiltelefonen im Konzert online Werkerläuterungen im Interet suchen kann...

Gruß
Karsten

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