Olivier Latry in St. Lambertus, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 05. Juli 2011, 09:49 (vor 5541 Tagen)

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Hallo Forum,

als ich das Programm aufschlug, mußte ich erstmal tief durchatmen: Das hatte ich doch gerade erst in Verden gehört! Olivier Latry war mit Liszt angereist - im Kopf versteht sich, Noten sind bei ihm tabu.

Nun also war Liszt zu erwarten: In einem deutlich kleineren Raum von einer deutlich anderen Orgel. Aber bei ähnlichem Nachhall.

Latry begann mit BACH, in mittlerem Tempo schritt er durch das Praeludium, alles klang eine Spur schärfer, ja aggressiver als in Verden. Die abschließenden BACH-Akkorde standen dann festlich im Raum. Folgerichtig schloß die Fuge an. Alles gut durchhörbar und klar.

An zweiter Stelle “Weinen, Klagen”. Auch hier großer, langer Atem - Klangsinn pur. Die Rieger-Orgel hat halt doch einige Finessen mehr zu bieten. Wie aus einem Fernwerk (die SW-Türen schließen wirklich dicht) setzt dann die Tröstung ein.

Und danach “Ad nos,...”. Auch Latry erzählte ein großes Epos. Dabei arbeitet er immer wieder an Details. So zum Beispiel im zweiten Drittel in der großen Arpeggio-Stelle: Statt eines durchgehenden Flusses von Ewigkeitscharakter (Benfer in Verden) setzte atry auf kleinteiliges Umregistrieren und Einsatz von Solisten; die erste Passage mit einer Art Schellenspiel (das die Orgel gar nicht hat!), dann auch Oboe gegen Klarinette. Es war eine Freude, das alles nachzuverfolgen. Großartig auch die Fuge. Beim Schluß konnten sich einige der über 160 Hörer in ihrer Begeisterung nicht mehr bremsen: Applaus in den letzten Akkord hinein. Stehende Ovationen.

Nach dem Schwiegervater der Schwiegersohn: Zugabe Tannhäuser Pilgerchor, Orgelbearbeitung von Liszt. Sehr ruhig im Tempo, ausgekostet bis zum Letzten, am Ende das Thema gaaanz tief im Baß, kaum hatten die Pfeifen die Zeit zum Einschwingen. Physik pur. Und da auch dies Begeisterungsstürme auslöste, gab’s noch Vierne (?) dazu - offenbar nicht vorbereitet und deshalb ad hoc und unterdessen registriert.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Olivier Latry in St. Lambertus, D-Altstadt

Rolf @, Dienstag, 05. Juli 2011, 11:05 (vor 5541 Tagen) @ Clemens Schäfer

Und da auch dies Begeisterungsstürme auslöste, gab’s noch Vierne (?) dazu - offenbar nicht vorbereitet und deshalb ad hoc und unterdessen registriert.


Gruß Clemens Schäfer


Kleine Ergänzung: der Vierne (?) war das Andante sostenuto aus der Symphonie gothique von Widor. Ansonsten gibt es den Worten von Clemens Schäfer nichts hinzuzufügen. Ich danke für den schönen Bericht.

Viele Grüße
Rolf

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