Besucherzahlen von Orgelkonzerten

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Donnerstag, 30. Juni 2011, 09:24 (vor 5546 Tagen)

Hallo,

ich muss euch von einem etwas außergewöhnlichen Konzert berichten.
Normalerweise sind ja Orgelkonzerte eher etwas für "Freaks" - ich bin ja auch so einer
und leider trotz sehr günstiger Eintrittspreise schlecht besucht.

Bei uns in der Steiermark gibt es ein "Schicki-Micki" Musikfestifal,
dass sich Styriarte nennt, und im Zuge dieset Veranstaltungen wurde auch ein Orgelkonzert
geboten - in der Grazer Herz-Jesu Kirche - eine neugotische Kirche mit einer Walkerorgel von 1889 bzw. 1941.

Die Konzertkarte war mit 15 € für ein Orgelkonzert etwas höher angesetzt, aber die Kirche, die nicht gerade klein ist war voll!! Da passen sicher 500 Leute rein.
Beim Orgelfrühling der dort ein Monat vorher stattfindet, kommen zu den Konzerten höchstens 20 bis 30 Besucher.

Zugegeben das Programm war sehr gefällig ausgesucht

Bach Toccata & Fuge d-moll
Mozart sonata facile
Bach Wachet auf
Bach Goldberg Variationen
Chopin Regentropfen Prelude
Widor 5. Symphonie

Georgelt hat Gunther Rost, der hier das Institut für Orgelmusik leitet.
Der Organist wurde mit Videokamera übertragen - und er hat es voll ausgekostet und sich inszeniert wie eine Diva- sodass ich schon fast lachen musste.
Rost hat mit einer unglaublichen Virtuosität und Leichtigkeit gespielt,
manchamal aber doch etwas sehr eigenwillig.
z.B. die Toccata von Bach hab ich so noch nie gehört - die Fuge war so schnell, dass
ich das Stück eigentlich zeitweise gar nicht erkannt habe - aber es war ein erlebnis.
Falls es wen interessiert - das Konzert wird angeblich am 20. Juli in Ö1 im radio nochmal gesendet.

Nach dem Programm gab es noch für das beigeisterte Publikum 3 Zugaben,
darunter auch das Halleluja Präludium von Schmidt, dass auch sehr eigenwillig war - z.B. hat er bei den Akkorden immer die rechte Hand liegengelassen und die linke nur kurz angespielt.

Es war schon zu erleben, dass Orgel auch begeistern kann und nicht nur ein Instrument für eine Minderheit ist. Sind wir Organisten selbst schuld, dass keiner Zuhören kommt? - oder war es hier die Marke "Styriarte" die die Massen angelockt hat.
Oft sind die Programme von Orgelkonzerten schon etwas spröd oder sehr intellektuell.
Klar soll man sich nicht zu billig geben - ich bin zwar kein Konzertorganist, spiele aber gerne gefällige Musik beim meinem Kirchenkonzerten - immer mit einer Sopranistin und einem Soloinstrument dazu - so ist es mir gelungen ein Stammpublikum von 80-100 Personen aufzubauen, die gerne zuhören kommen. Ein bis zwei Stücke mit "schwerer" Kost sind aber auch immer dabei.

Gruß, Martin

Besucherzahlen von Orgelkonzerten

Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 30. Juni 2011, 11:25 (vor 5546 Tagen) @ orgelsolo

Hallo Martin!

Habe Gunther Rost auf der Orgel auch schon mal erlebt (2006) - war sehr schnell, aber alles interpretatorisch noch im grünen Bereich.
Was Du über seine Inszenierung schreibst, gab mir Anlass, seine Website aufzusuchen. Und siehe da, tatsächlich ein ganz neuer Zugriff, vor allem, äh, optisch... (ein ehem. Student berichtete mir von Make-up-Anwendung auch im Alltag).
Ich klickte mal das erste Hörbeispiel - Bach/Vivaldi in C.
Tja, wahrlich unorthodox. Aber die Post geht ab. (Dass die Naumberger Hildebrandt das mitmacht, hätte ich nicht gedacht.)
Scheint sich alles in Richtung Cameron Carpenter zu entwickeln.
Ihr wißt ja, ich finde alles gut, was der Orgel Aufmerksamkeit verschafft (vor allem nachhaltige). Scheint hier der Fall zu sein. Also: Respekt!
Aber schon mit etwas Schmunzeln verbunden....

Zum Festivaleffekt:
Der Werbeetat (Gesamtprogramm-Postzustellung an alle, die jemals dort ihre Adresse hinterlassen haben usw.) derartiger Festivals ist gewaltig. Und dann ist es natürlich so, dass ein Organist, sei er auch unbekannt, im selben Programmheft mit Nikolaus Harnoncourt usw. qualitativ schon mal in dessen Nähe gerückt werden darf.
Das ist im Vorfeld nicht zu unterschätzen. In Österreich evtl. weniger, aber hierzulande (Festspiele M-V, S-H) werden außerdem SChichten erreicht, die sich der Kirchenmusik und ihrem Betrieb nicht (mehr) besonders verbunden wissen.
Die Verpackungsfrage dürfte aber doch auch eine wichtige sein, auch gezielte Einladungen (neudeutsch "mailing") sind sicher hilfreich.

Ironie an: Freu mich, dass die Herz-Jesu-Orgel ausverkauft war. Nach Meinung eines langjährigen steirischen OSV ist das Ding ja gar nichts wert. Oder war es mehr der Titular? Wie auch immer... Ironie aus.

Man darf ja immer noch auf eine Restaurierung auf den vollen Walcker-Zustand hoffen....

Hallo,

ich muss euch von einem etwas außergewöhnlichen Konzert berichten.
Normalerweise sind ja Orgelkonzerte eher etwas für "Freaks" - ich bin ja auch so einer
und leider trotz sehr günstiger Eintrittspreise schlecht besucht.

Bei uns in der Steiermark gibt es ein "Schicki-Micki" Musikfestifal,
dass sich Styriarte nennt, und im Zuge dieset Veranstaltungen wurde auch ein Orgelkonzert
geboten - in der Grazer Herz-Jesu Kirche - eine neugotische Kirche mit einer Walkerorgel von 1889 bzw. 1941.

Die Konzertkarte war mit 15 € für ein Orgelkonzert etwas höher angesetzt, aber die Kirche, die nicht gerade klein ist war voll!! Da passen sicher 500 Leute rein.
Beim Orgelfrühling der dort ein Monat vorher stattfindet, kommen zu den Konzerten höchstens 20 bis 30 Besucher.

Zugegeben das Programm war sehr gefällig ausgesucht

Bach Toccata & Fuge d-moll
Mozart sonata facile
Bach Wachet auf
Bach Goldberg Variationen
Chopin Regentropfen Prelude
Widor 5. Symphonie

Georgelt hat Gunther Rost, der hier das Institut für Orgelmusik leitet.
Der Organist wurde mit Videokamera übertragen - und er hat es voll ausgekostet und sich inszeniert wie eine Diva- sodass ich schon fast lachen musste.
Rost hat mit einer unglaublichen Virtuosität und Leichtigkeit gespielt,
manchamal aber doch etwas sehr eigenwillig.
z.B. die Toccata von Bach hab ich so noch nie gehört - die Fuge war so schnell, dass
ich das Stück eigentlich zeitweise gar nicht erkannt habe - aber es war ein erlebnis.
Falls es wen interessiert - das Konzert wird angeblich am 20. Juli in Ö1 im radio nochmal gesendet.

Nach dem Programm gab es noch für das beigeisterte Publikum 3 Zugaben,
darunter auch das Halleluja Präludium von Schmidt, dass auch sehr eigenwillig war - z.B. hat er bei den Akkorden immer die rechte Hand liegengelassen und die linke nur kurz angespielt.

Es war schon zu erleben, dass Orgel auch begeistern kann und nicht nur ein Instrument für eine Minderheit ist. Sind wir Organisten selbst schuld, dass keiner Zuhören kommt? - oder war es hier die Marke "Styriarte" die die Massen angelockt hat.
Oft sind die Programme von Orgelkonzerten schon etwas spröd oder sehr intellektuell.
Klar soll man sich nicht zu billig geben - ich bin zwar kein Konzertorganist, spiele aber gerne gefällige Musik beim meinem Kirchenkonzerten - immer mit einer Sopranistin und einem Soloinstrument dazu - so ist es mir gelungen ein Stammpublikum von 80-100 Personen aufzubauen, die gerne zuhören kommen. Ein bis zwei Stücke mit "schwerer" Kost sind aber auch immer dabei.

Gruß, Martin

Besucherzahlen von Orgelkonzerten

Florian-L, Donnerstag, 30. Juni 2011, 13:30 (vor 5545 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Florian-L, Donnerstag, 30. Juni 2011, 13:59

Ironie an: Freu mich, dass die Herz-Jesu-Orgel ausverkauft war. Nach Meinung eines langjährigen steirischen OSV ist das Ding ja gar nichts wert. Oder war es mehr der Titular? Wie auch immer... Ironie aus.

Um Himmels Willen nein! ;-) Der Titular liebt "seine" Orgel!

Man darf ja immer noch auf eine Restaurierung auf den vollen Walcker-Zustand hoffen....

Ich würde da gar nicht soviel verändern. Das Instrument, das ursprünglich 36 Register auf zwei Manualen und Pedal hatte, wurde in den 1940ern von der Erbauerfirma auf 52 Register auf drei Manualen und Pedal vergrößert. Es sind zwar einige nach damaliger Ansicht "überflüssige" Register der 8'- und 16'-Lage entfernt worden, aber die hinzugekommenen Stimmen fügen sich gut in den Altbestand ein.

Es war schon zu erleben, dass Orgel auch begeistern kann und nicht nur ein Instrument für eine Minderheit ist. Sind wir Organisten selbst schuld, dass keiner Zuhören kommt? - oder war es hier die Marke "Styriarte" die die Massen angelockt hat.

Also meiner Meinung ist dieses Festival ein gewaltiges Zugpferd. Die Orgelkonzerte waren immer voll, ob in St. Veit am Vogau, in Graz-Mariahilf oder eben in Graz-Herz Jesu, egal, ob Christoph Bossert, Jürgen Essl, Hans-Ola Ericsson, Philippe Lefebvre, Michael Kapsner, Samuel Kummer oder eben Gunther Rost gespielt haben.

Der heurige Orgelfrühling in Herz Jesu war aber gar nicht so schlecht besucht, er wurde diesmal in Kooperation mit der Kunstuniversität kräftig beworben, was in den vergangenen Jahren nicht der Fall war.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Besucherzahlen von Orgelkonzerten

Axel ⌂ @, Mechernich, Donnerstag, 30. Juni 2011, 21:03 (vor 5545 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich klickte mal das erste Hörbeispiel - Bach/Vivaldi in C.
Tja, wahrlich unorthodox. Aber die Post geht ab. (Dass die Naumberger Hildebrandt das mitmacht, hätte ich nicht gedacht.)


Äh, ja... es ist schnell...wobei man das Tempo im günstigsten Fall mit flessibile beschreiben könnte

Grüße
Axel

Walcker Orgel Herz Jesu in Graz

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Freitag, 01. Juli 2011, 15:49 (vor 5544 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Bezüglich der Walcker Orgel kann man froh sein,
dass es dieses Instrument noch gibt.
1991 war das nicht so selbstverständlich sich für eine Restaurierung
einer Elektropneumatischen Kegelladenorgel zu entscheiden.

Klar ist die Orgel in ihrem heutigen Erscheinungsbild nicht ganz "reinrassig",
aber das Positiv ist immerhin auch von Walcker und hat im Kirchenschiff
eine gute Klangabstrahlung.
Die Orgel hat sehr kräftige schöne Bässe, dafür klingen die Mixturen und Aliquoten
etwas zurückhaltend, zumindest hatte ich als Konzertbesucher den Eindruck.
Aus welcher Zeit die Zungenpfeifen stammen wäre interessant, weil in einem Artikel in der Zeitschrift für Instrumentenbau aus der Jahrhundertwende berichtet wird, dass
diese Orgel keine einzige Zungenstimme besitzt.

Es gibt ja noch ein Walcker Juwel in Graz, allerdings in nicht so gutem Zustand
in der Barmherzigenkirche, Baujahr 1893, und auch hier steht das Schwellwerk in einem
eigenen Kasten auf der Seitenempore, und funktioniert trotz langer Leitung erstaunlich präzise.

Bei Gunther Rost war ich mal Kurz Lehrpraxisschüler, also Versuchsobjekt zum Unterrichten für seine Studenten.
Bei Rost muss man aufpassen, dass man ihn nicht mit Studenten verwechset - er hat wohl ein anti aging Gen. Seine Theorie ist, dass jede Note einen Fingersatz bekommt. Beeindruckt hat mich sein Daumenlegato - er hat auch einen extrem breiten Daumen, fast wie ein großer Zeh.

Gruß, Martin

Walcker Orgel Herz Jesu in Graz

Florian-L, Freitag, 01. Juli 2011, 16:14 (vor 5544 Tagen) @ orgelsolo

Aus welcher Zeit die Zungenpfeifen stammen wäre interessant, weil in einem Artikel in der Zeitschrift für Instrumentenbau aus der Jahrhundertwende berichtet wird, dass
diese Orgel keine einzige Zungenstimme besitzt.

Alle Zungenstimmen wurden erst beim Umbau 1941 hinzugefügt bis auf das Krummhorn 8' im RP, das 1991 anlässlich einer leichten Veränderung der RP-Disposition eingebaut wurde.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Besucherzahlen von Orgelkonzerten

Bernd_Walther_Brandt, 48683 Ahaus, Donnerstag, 30. Juni 2011, 19:13 (vor 5545 Tagen) @ orgelsolo

So eine selbstverliebte Homepage aber auch. Die Bilder sagen alles über diesen Exzentriker, aber die Klangbeispiele dagegen sind mehr als gelungen. Habe Sie mehrmals gerne angehört. Der Mann muss sich anscheinend noch ein bisschen die Hörner abstossen, aber ein Orgelkonzert mit ihm wird sicher eine schöne Sache sein.

Besucherzahlen von Orgelkonzerten

doppelfloete_h @, Hannover, Donnerstag, 30. Juni 2011, 21:55 (vor 5545 Tagen) @ Bernd_Walther_Brandt

So eine selbstverliebte Homepage aber auch. Die Bilder sagen alles über diesen Exzentriker, aber die Klangbeispiele dagegen sind mehr als gelungen. Habe Sie mehrmals gerne angehört. Der Mann muss sich anscheinend noch ein bisschen die Hörner abstossen, aber ein Orgelkonzert mit ihm wird sicher eine schöne Sache sein.

Hmm, das glaube ich eigentlich eher weniger. Habe ihm vor längerer Zeit mal registriert, das war ein hoch "anständiges" Konzert mit Eben und einem ziemlich fulminanten Reubke.
Habe auch gegrübelt, ob DAS nun der richtige Weg ist - ich finde es zwar durchaus wohltuend, wenn der Organist auf dem Foto nicht immer mehr oder minder steif am Instrument hockt, aber diese Startseite der Internetpräsenz stieß mir dann doch relativ übel auf. Das ist ja nun nicht unbedingt unästhetisch, aaaaber irgendwie verhältnismäßig gleich alles und - was sich mir noch mehr aufdrängt - ganz schön selbstdarstellerisch. KBK sprach weiter oben von der Aufmerksamkeit. SO kommt man (bzw. die Orgel und die Musik, um die es geht) da meiner Meinung nach nicht gewinnbringend weiter - oder nur mit einem verzerrten Schwerpunkt...
Ich schätze G.R. ansonsten sehr, besitze große Teile seiner fantastischen Eben-Einspielung. Sein Vivaldi/Bach ist zwar frappierend "neu" und nicht uninteressant, aber irgendwie nen Tick zu aufgesetzt... Ich frage mich gerade, wie er das mit einer etwas "kammermusikalischeren" (und der Musik bzw. dem Instrument durchaus nicht unangemessenen) Registrierung bewerkstelligt hätte ;)

Übertragung Orgelkonzert Gunther Rost

orgelwolf, Samstag, 09. Juli 2011, 12:20 (vor 5536 Tagen) @ orgelsolo

Falls es wen interessiert - das Konzert wird angeblich am 20. Juli in Ö1 im radio nochmal gesendet.

Ich hab's gefunden: Der ORF überträgt das Konzert am 20.7. um 19.30 - da gibt's online neben dem Livestream auch die praktische "7 Tage Ö1" Funktion zum später reinhören: Ö1 Webradio

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