Wolfgang Abendroth in der Neanderkirche, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 23. Juni 2011, 10:34 (vor 5552 Tagen)

Hallo Forum,

mittwochs um 18:30h ist zur Zeit wieder jour fixe für Düsseldorfer Orgelfreunde: Die Sommerlichen in Neander haben begonnen. Wolfgang Abendroth machte die Eröffnung par excellence: Mit Bachs Es-Dur Werk 552. Nicht zu dicht registriert kam das Stück gut durchhörbar daher; trotz Länge immer spannend. Gut abgesetzt auch die Fugenthemen.

Reichlich Schnarrwerk gönnte sich dann aber Abendroth bei Muffats Toccata septima - allerdings nur am Anfang. Das mehrteilige Werk war kurzweilig und interessant. Auch die Orgelübertragung (Abendroth) einer Suite pour Clavicin e-moll von Rameau wußte zu gefallen. Vielleicht hat das Stück durch die stabileren Klänge einer Orgel sogar gewonnen. Das Vogelgezwitscher im Satz Le Rapell des Oiseaux stelle ich mir auf dem Cembalo jedenfalls recht zirpig und damit nervend vor.

Hatten diese Stücke eher unterhaltenden Charakter, war man nach den nächsten drei Takten in einer ganz anderen Welt: Schon die Akkordfolge bis zur ersten Generalpause machte klar: Jetzt wird wieder in der ersten Liga gespielt - und wie! Als Schlußstück stand Regers Phantasie und Fuge über den Namen BACH im Raum. Abendroth gestaltete wunderbar und hatte Takt für Takt neue Klangabstufungen parat - Sebastian Klein assistierte an der Setzeranlage. Ganz herrlich stand der Schlußakkord der Phantasie, dann ging es pp - wie aus dem Nichts- in die Fuge. Atemlos verharrten nach dem Ende die Hörer (über 200) einen kurzen Moment, dann brach anhaltender Beifall los.

Wenn man ein Jahr die Neanderorgel nicht gehört hat, dann ist das Wiederhören stets ein beglückendes Erlebnis - jedenfalls, wenn ein so gutes Konzert gespielt wird. Die Rieger-Orgel von 1965 kann sich nach wie vor hören lassen.

Nächsten Mittwoch: KMD Johannes Quack, Köln, mit Rinck, Kuchar, Mozart, Karg-Elert und Gárdony.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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