Tillmann Benfer im Dom zu Verden
Hallo Forum,
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Land auf, Land ab spielt man dieses Jahr Liszt, könnte man gähnen. Aber zum einen ist es ja kein Fehler, Liszt zu spielen - viele Aufführungen haben hohes Niveau oder fördern sogar neue Erkenntnisse zu Tage - , andererseits gibt es Orte, die angesichts des vorhandenen Instruments und der akustischen Verhältnisse geradezu danach schreien, für ein Liszt-Konzert ausgewählt zu werden. Zu diesen gehört zweifelsfrei der Dom St. Maria et Caecilia zu Verden an der Aller. In der spätgotischen Hallenkirche mit hohem Chorumgang - äußerlich eher unspektakulär, weil es zum Bau passender Türme nicht mehr gekommen ist, ist die Weite des Raumes im Innern beeindruckend. Dazu trägt bei, daß mit der Reformation der allergrößte Teil etwa vorhanden gewesener Ausstattung verschwunden ist. Außer einem Hochaltar, ein wenig Chorgestühl und der Kanzel gibt es fast nichts weiteres. Bis auf - ja: Zwei großen Orgeln. Im nördlichen Querhaus die Hillebrand-Orgel von 1968 (43/III) und auf der Westempore das Werk von Furtwängler&Hammer von 1916 hinter der stummen Fassade eines Schulze (Paulinzella)-Prospektes der Vorgängerorgel, unverändert, aber restauriert.
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Hier also spielte Tillmann Benfer Liszt. Über 70 Hörer waren gekommen, während zugleich im Ort (aber weit genug entfernt und daher ohne zu stören) Kirchweih gefeiert wurde. “Weinen, Klagen” kam mit der ganzen Bandbreite von Trauer und Sorge. Mal im äußersten Pianissimo, mal auch in heftigem Forte-Ausbruch. Selten hört man die abfallenden Sequenzen so traurig. Tröstend am Ende nur die gläubige Zuversicht.
In “BACH” ging Benfer ein für den beachtlichen Nachhall ambitioniertes Tempo. Aber da alles gut artikuliert war, verschwamm da nichts (wohlweislich hatte ich nicht zu weit vorne Platz genommen!). Herrlich, wenn einen die sonoren Bässe raumgreifend umarmen - eine fast körperliche Erfahrung.
Das “Ad nos” erzählte Benfer ausschweifend, in vielen Farben und so spannend, daß man sich so schnell kein Ende wünschte. Noch lange wird der Choral in meinem Ohr hängen. Bestens gelang der Einstieg in die Fuge - schön abgesetzt die Klangfarben der Themeneinsätze. 30 Minuten, die viel zu kurz waren. Nach dem letzten Ton warteten die Hörer den Nachhall ab - dann gab es herzlichen Beifall.
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Raum, Orgel, Musik und Spieler hatten sich zu einem großen Erlebnis verbunden.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)