Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche
Hallo Forum,
der siebte Oberkasseler Orgelfrühling ist zu Ende. Das letzte Konzert spielte Thorsten Göbel. Sein Programm stand unter der Überschrift “Prozession”.
Den Anfang machte Guilmant mit Marche D-Dur; festlich und prächtig, schön der Wechsel zu den Holzbläsern im Trio. An zweiter Stelle dann Dupré mit Cortège et Litanies. Ungewohnt fielen die als Glockenschläge interpretierten doppelten Einzeltöne in die Tenorlage. Überhaupt hatte sich Göbel wohl intensiv mit dem Stück befaßt. Ein Werk mit Ohrwurm-Ambitionen. Es kann tagelang im Kopf verbleiben.
Opernhaft dann Sortie g-moll von Lefébure-Wély, genußvoll ausgespielt auch ein Choeur de voix humaines. Nun ja, hübsch und nett. Längen hatte dann ein Fackelmarsch (Torchlight March) von Guilmant - ohne das Spektakel dabei doch etwas ermüdend.
Nach so viel Prozessieren war es Zeit, sich zu setzen und zwei größere Stücke in Angriff zu nehmen: Göbel spielte aus Bunks Sonate f-moll op 23 den 3. und 4. Satz und ließ darauf die Sonata Erioca für Große Orgel von Jongen folgen. Die arabische Melodie über ostinatem (Bolero-ähnlichem) Rhythmus (Intermezzo cantabile) kam wunderbar, das Saxophon paßte hier bestens. Das Finale maestoso ist ein grandioser Trauermarsch in Form einer Passacaglia. Da hätte man gern auch die ersten Sätze gehört. Jongens heroische Sonate zeichnet ein Gemälde im expressionistischen, ja teils kubistischem Stil. Da spiegelt sich die aufstrebende Urbanität, die Industrialisierung/Technisierung, der ungebremste Fortschrittsglaube der Welt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Nahrhaftes Virtuosenfutter. Großartig dargeboten.
Kein Wunder, daß die über 120 Besucher heftig Beifall spendeten. Der wurde belohnt mit einem Trauermarsch - nein: DEM Trauermarsch - Chopin. Die Orgelbearbeitung stammt von Henri Büsser(1872-1973 - kein Schreibfehler!). Das war stilvoll gemacht. Klug vermied Göbel den Anflug von Kitsch im Trio. Die Orgel hat alles, was man für so etwas braucht. Staunen.
Gruß Clemens Schäfer
PS:
Heute, Verden/Aller, Dom, 19:00h, Tillmann Benfer mit Liszt (Ad nos, BACH, Weinen)
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)