Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
40-jähriges Konzertjubilaeum konnte Ben van Oosten (*1955) kürzlich feiern - und wurde dafür von der niederländischen Königin geehrt. Gestern spielte in St. Lambertus, D-Altstadt. Und wie immer hatte er ein ausgefeiltes, stimmiges Programm mitgebracht.
Eine kleine Hommage an Liszt machte den Auftakt: Die Bearbeitung eines Kantatensatzes
(Einleitung und Fuge C-Dur = Schlußchor aus BWV 21) und die eines Adagios Es-Dur aus BWV 1017 (Violine und Cembalo). Erstere strahlend und klar, die zweite mit der Violinstimme in Tenorlage - sehr apart!
Eine Entdeckung war danach die Élegie-Fugue op. 44 Nr. 2 von Guilmant. Nach ruhigem Beginn, meldet sich zweimal ein rezitativischer Einwurf, der unversehens zum Fugenthema mutiert. Damit aber endet das Stück nicht: Es erfolgt die Rückverwandlung ins Rezitativische und ebnet so der Wiederkehr des Elegischen Raum. Ein lohnendes Stück Musik! Ein zweites Stück von Guilmant war danach Marche Triomphale op. 77 Nr. 5. Hier mutete es zunächst nach Lochpappenmusik für Kirmesorgel an - aber gemach: Spätestens im Trio wurde klar, daß hier doch mehr drinsteckte. Und da van Oosten nicht übertrieb, kam auch das sehr geschmackvoll.
Leider wurde das Konzert an dieser Stelle (20h) durch unvermutetes Gebimmel von der nahen Kapelle des ehemaligen Theresienhospitals gestört. Das hatte es bislang bei diesen Konzerten noch nicht gegeben. Van Oosten wartete zunächst, begann dann aber doch mit Francks Pastorale op. 19 - auch hier ein Bezug zur “11”, ist das Stück doch “à mon ami Aristide Cavaillée-Coll“ gewidmet.
Ganz herrlich und wirklich lucide die “Variations sur l’Hymne Lucis Creator” von Alain (1932). Es ist immer wieder frappierend, welch sichere Grundlage gregorianische Choräle einer Komposition bieten. Ist halt Material von ungeheuerer Kraft und Suggestivität.
Zum Abschluß spielte van Oosten vier Stücke aus “Sept Piéces” op. 27 von Dupré. Extravagant registriert der Canon, spielfreudig das Carillon, ganz herrlich mit Charakterwechseln (Oboe - Streicher) die Légende, kräftig das Final.
Kaum war der Nachhall verklungen, gab es starken, dankbaren Beifall der ca. 130 Hörer.
Gruß Clemens Schäfer
PS:
Bei der Begrüßung hatte Kantor Heinz Terbuyken mitgeteilt, daß seine Nachfolge geregelt sei: Marcel Andreas Ober sei auf die Kantorenstelle an St. Lambertus berufen. Diese Nachricht quittierten die Besucher spontan mit herzlichem Beifall. Nach dem Konzert nahmen viele die Gelegenheit wahr, dem anwesenden Ober zu gratulieren.
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Eine kleine Hommage an Liszt machte den Auftakt: Die Bearbeitung eines Kantatensatzes
(Einleitung und Fuge C-Dur = Schlußchor aus BWV 21) und die eines Adagios Es-Dur aus BWV 1017 (Violine und Cembalo). Erstere strahlend und klar, die zweite mit der Violinstimme in Tenorlage - sehr apart!
In der Tat -- und werkgetreu auch, denn die Geige darf da wirklich in sahnig-tiefer Lage spielen, also irgendwo zwischen g und c''. Überhaupt ist diese Sonate ein irre gutes Stück: erster Satz Matthäuspassion-Stimmung, die schnellen Sätze durchfugiert und mit herrlichen Sprungthemen. Eigentlich eine Triosonate für zwei Instrumente, denn das Klavier übernimmt den Bass und die zweite Diskantstimme.
War schon ein Guter, der alte Bach.*
Gruß,
Friedrich
* Hatte ich das schon mal zitiert? Ausspruch eines amerikanischen Professors:
"When it comes to music, well, there's Bach. Everything else is stamp-collecting." (Geklaut von einem Spruch, den Ernst Rutherford auf Naturwissenschaften und Physik bezog -- aber gut geklaut.)
Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Na ja - es gibt auch noch andere gute Komponisten, die durchaus neben Bach bestehen können!
Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Na ja - es gibt auch noch andere gute Komponisten, die durchaus neben Bach bestehen können!
:-)
Oho! Meinst Du wirklich "Neben"?
Ich könnte mich noch auf ein "die sich vor Bach nicht zu verstecken brauchen" verständigen, aber "neben", da wäre ich wirklich neugierig.
Mir fallen nur zwei ein, die auf dem Siegertreppchen Platz hätten, aber nicht auf dem Einser. Welche beiden, sage ich aber nicht (oder erst, wenn ein paar Vorschläge eingegangen sind).
Viele Grüße,
Friedrich
Bach über allem; war: Ben van Oosten
Hmm...
meinen wir das Gesamtwerk oder nur die Orgelsparte?
Bei erstem gibt es ganz weniges, was ich auf eine Stufe stellen würde, Schuberts Streichquintett etwa. Ein wenig noch von Mozart - dann hakt es schon aus.
Im zweiten Fall wird es noch schwieriger. Reger? - gewiß nicht. Bei Vierne gibt es Ansätze; oder bei Tournemire.
Da geraten wir an die Frage, was man auf die einsame Insel mitnehmen würde. Nur drei CDs sind erlaubt.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Bach über allem; war: Ben van Oosten
Hmm...
meinen wir das Gesamtwerk oder nur die Orgelsparte?
Bei erstem gibt es ganz weniges, was ich auf eine Stufe stellen würde, Schuberts Streichquintett etwa. Ein wenig noch von Mozart - dann hakt es schon aus.
Im zweiten Fall wird es noch schwieriger. Reger? - gewiß nicht. Bei Vierne gibt es Ansätze; oder bei Tournemire.
Da geraten wir an die Frage, was man auf die einsame Insel mitnehmen würde. Nur drei CDs sind erlaubt.
Gruß Clemens Schäfer
Doppel-CDs oder nur die einfache Version????????
Gruß
Andreas
Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Na ja - es gibt auch noch andere gute Komponisten, die durchaus neben Bach bestehen können!
Mir fällt da jetzt eigentlich nur der Mozart ein. Die "Jupiter"-Symphonie, das C-moll Klavierkonzert, das Requiem genau so wie der Don Giovanni aber auch die 608er und die späte Kammermusik kommen da schon hin. Den zweiten Platz des Siegertreppchens teilen sich so viele, die können wir hier gar nicht aufzählen und der Reger steht da auch drauf. Der Vierne meiner Meinung nach nicht und ich verstehe auch nicht warum der soooo toll sein soll. Sicher nicht schlecht, aber wenn man mal schaut was der Karg-Elert nur in seinen Harmoniumsonatinen für eine Musik geschrieben hat, kommt der Vierne schon nicht mehr hin. Karg-Elert und Vierne kann man glaube ich schon ein bisschen Vergleichen, sowohl von der Epoche, als auch von der Intention (Impressionen, Einflüsse der Kaffeehausmusik und eine leichte Ironie).
Grüße Franz
Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt
Mir fallen nur zwei ein, die auf dem Siegertreppchen Platz hätten, aber nicht auf dem Einser. Welche beiden, sage ich aber nicht (oder erst, wenn ein paar Vorschläge eingegangen sind).
Wenn es um Komponisten allgemein geht, werfe ich mal Mozart und Beethoven in die Runde. (zumindestens eine Beziehung zur Orgel hatten ja auch beide)
Viele Grüße,
- Karl-Josef
Siegertreppe Komponisten - Auflösung?
Na ja - es gibt auch noch andere gute Komponisten, die durchaus neben Bach bestehen können!
:-)Oho! Meinst Du wirklich "Neben"?
Ich könnte mich noch auf ein "die sich vor Bach nicht zu verstecken brauchen" verständigen, aber "neben", da wäre ich wirklich neugierig.
Mir fallen nur zwei ein, die auf dem Siegertreppchen Platz hätten, aber nicht auf dem Einser. Welche beiden, sage ich aber nicht (oder erst, wenn ein paar Vorschläge eingegangen sind).
Hallo!
Schade, dass die Auflösung der persönlichen Favoriten bisher nicht verraten wurde. Einige Vorschläge gab's ja nun. Aber Friedrich hat schon recht, nach Bach kommt erst mal nix...
Gruß
Karsten
P.S. Also Mozart wäre für mich auch einer der Favoriten, aber wieso muss es eigentlich NACH Bach sein? ;)