Ladenteilung in Konzertsaalorgeln
Liebe Forenser,
Konzertsaalorgeln sind bei allen nicht-orgelspielenden Musikern nicht gerade beliebt, was unter anderem mit ihrer unbarmherzigen Intonation (im Sinn von Tonreinheit, nicht von Klanggebung) zusammenhängen durfte.
Nun bin ich ins Grübeln gekommen, was die Ladenteilung bei Konzertsaalorgeln angeht. Bei Kirchenorgeln gilt allgemein die Terzteilung als wünschenswert, weil sie über das gegenseitige Reinziehen die Schärfe gleichstufiger Großterzen mildert.
Wie ist das aber nun im Konzertsaal?
Dort werden tendenziell weite Mensuren benutzt, weil das Zusammenspiel mit einem Orchester im trockenen Raum viel Klangkraft fordert. Gerade bei solchen Mensuren dürfte aber der Effekt des Reinziehens deutlich ausgeprägt sein, weil er –- soweit ich weiß, gegebenenfalls bitte ich um Richtigstellung -- mit der Kopplungszone über der Pfeifenmündung zu tun hat: Je größer der Querschnitt einer Pfeife an der Mündung, desto größer die Kopplungszone und desto flexibler die Tonhöhe in Zusammenklängen.
Zweite Überlegung: Wenn ich nun solche Pfeifen in Terzteilung anordne, sollte ich deutliche Reinzieh-Effekte in Dreiklängen bemerken. Wenn ich aber einen Holzbläsersatz mit so einer Orgel musizieren lassen will –- wäre das für die Kollegen, sämtlich zu fanatischer Intonationsreinheit erzogen, nicht Quälerei? In welche Richtung zieht das Pfeifenmonster seine Akkordtöne rein, zumal die Terzen?
Wäre es also nicht eher angezeigt, in solchen Orgel die Laden diatonisch oder gar chromatisch zu teilen, um Anziehungseffekte klein zu halten? Dann muss das Orchester eben gleichstufig intonieren -- auch das wird im Studium vielerorts trainiert --, wäre aber nicht einer launisch die Akkorde zurechtziehenden Pfeifendiva ausgeliefert.
Kann natürlich sein, dass ich das Gras wachsen hören möchte und diese Effekte allesamt so geringfügig sind, dass man sich keine Sorgen darüber zu machen braucht. Hat jemand hier orgelbauliche und organistische Erfahrung mit solchen Situationen und eine Meinung dazu?
Gruß,
Friedrich