Eisenberg der moderne Bach?
JSBach
, Aachen, Montag, 24. Juni 2013, 16:30 (vor 4812 Tagen) @ IvesDKerne
vielleicht hätte er von seinem Gehalt auch jemanden anstellen sollen, der den doofen Lateinunterricht hält...
Eisenberg der moderne Bach?
schnitgers.anderer.erbe, Montag, 24. Juni 2013, 16:37 (vor 4812 Tagen) @ IvesDKerne
Na ich würde die Sache mal nicht so hoch hängen. Zu JSB fehlt dann wohl doch noch ein Stück, auch wenn ich Matthias Eisenberg als Künstler schätze und zumindest mal in der Jugend von seinem Spiel sehr fasziniert war.
Mich wundert bei solchen Geschichten immer wieder das mangelnde Maß an diplomatischen Geschick. Dass er für seinen musikalischen Anspruch mit Laienmusikern nichts anfangen kann, ist für mich völlig klar und verständlich - aber man sagt es nicht so laut und vor allem nicht vor der ohnehin tendenziell kirchenfeindlichen Presse. Andererseits frage ich mich auch, wie man als Kirchgemeinde so naiv sein kann, jemanden wie M.E. für die Basisarbeit anzustellen. Ich meine der Mann ist ja nun nicht erst seit gestern berühmt, gefragt und ständig konzertierend unterwegs. Da hat der Anstellungsträger mit seiner Dummheit mindestens genau so viel kaputt gemacht - war aber sicher schön, sich eine Weile mit seinem Namen dekorieren zu können.
Dieser Satz aus dem Zeitungsbericht kann einer gewissen Ironie allerdings nicht entbehren: "...seinen Verpflichtungen nicht mehr in angemessenem Umfang habe nachgehen können,..."
In diesem Sinne,
schönen Abend.
Residenzpflicht?
tiratutti
, Montag, 24. Juni 2013, 17:24 (vor 4812 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
Dieser Satz aus dem Zeitungsbericht kann einer gewissen Ironie allerdings nicht entbehren: "...seinen Verpflichtungen nicht mehr in angemessenem Umfang habe nachgehen können,..."
gibt es eigentlich so etwas wie eine Residenzpflicht in Kirchenmusikerverträgen? Bei Domorganisten?
Grüße von tiratutti
Residenzpflicht?
schnitgers.anderer.erbe, Montag, 24. Juni 2013, 17:50 (vor 4812 Tagen) @ tiratutti
Dieser Satz aus dem Zeitungsbericht kann einer gewissen Ironie allerdings nicht entbehren: "...seinen Verpflichtungen nicht mehr in angemessenem Umfang habe nachgehen können,..."
gibt es eigentlich so etwas wie eine Residenzpflicht in Kirchenmusikerverträgen? Bei Domorganisten?Grüße von tiratutti
Ja na klar, siehe NDdP....Womit wir endlich wieder beim Thema wären!
Residenzpflicht?
florianf, Graz, AT, Montag, 24. Juni 2013, 19:40 (vor 4812 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
Ja na klar, siehe NDdP....Womit wir endlich wieder beim Thema wären!
In solchen Fällen wünsche ich mir eine Like-Funktion fürs Forum ;-)
Residenzpflicht?
schnitgers.anderer.erbe, Montag, 24. Juni 2013, 19:48 (vor 4812 Tagen) @ florianf
Dann bekomme ich - in diesem Fall speziell für tiratutti - auch einen "Er-hat-den-Spaß-nicht-verstanden-Button"...;-)
Residenzpflicht?
ThomasMP
, Montag, 24. Juni 2013, 22:28 (vor 4811 Tagen) @ tiratutti
Ich finde die Frage nach der Residenzpflicht, z.B. für Domorganisten, gar nicht so verkehrt. So weiß ich vom früheren Würzburger Domorganisten P. Damjakob, daß für ihn eine Präsenzpflicht im Dom bestand und er für auswärtige Konzerte eine Genehmigung der Domprobstei brauchte. Der Kölner Domorganist hingeben gibt sich ja, wohl in der Zusammenarbeit mit der Musikhochschule, als konzertierender Organist mit vielen Auswärtsterminen.
Residenzpflicht?
Contrebasson 32'
, Dienstag, 25. Juni 2013, 00:19 (vor 4811 Tagen) @ ThomasMP
Ich finde die Frage nach der Residenzpflicht, z.B. für Domorganisten, gar nicht so verkehrt. So weiß ich vom früheren Würzburger Domorganisten P. Damjakob, daß für ihn eine Präsenzpflicht im Dom bestand und er für auswärtige Konzerte eine Genehmigung der Domprobstei brauchte. Der Kölner Domorganist hingeben gibt sich ja, wohl in der Zusammenarbeit mit der Musikhochschule, als konzertierender Organist mit vielen Auswärtsterminen.
... hoffentlich forderst du nicht bald auch noch die Residenzpflicht für Wald und Wiesen-Organisten!
Grundsätzlich ist der Job des Kirchenmusikers kein Beruf, der unbedingt das Wohnen vor Ort voraussetzt, solange alle Verpflichtungen eingehalten werden können. Schließlich ist es doch nicht das Problem Arbeitgebers, wenn der Arbeitnehmer weit entfernt wohnt und dementsprechend lange Anfahrten nebst Fahrtkosten in Kauf nehmen muss. All' das wie gesagt unter der Bedingung, dass keinerlei Einschränkung für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit daraus folgen.
Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'
Residenzpflicht?
Reinhard Kluth
, Tübingen, Dienstag, 25. Juni 2013, 12:35 (vor 4811 Tagen) @ Contrebasson 32'
Ich stimme dem im Grundsatz zu. In meinem ehemaligen Wirkunskreis gibt es auch Kollegen die nicht am Ort wohnen und es funktioniert trotdem alles bestens. Allerdings muß ich auch sagen, und das weißt Du, lieber Contrebasson, daß ich glücklich darüber war, daß ich neben der Kirche gewohnt habe und jederzeit meinen Beruf ausüben konnte, so wie ich es wollte.
Allerdings gab es für mich keine Residenzpflicht; und dennoch war mein Seelsorgeteam froh darüber, daß ich für liturgische Dienste immer bereit stand. Aber: sie haben es auch nie über den Rahmen hinaus gefordert.
Viele Grüße
--
R.K.
Residenzpflicht?
Matthias Mück
, Magdeburg, Donnerstag, 27. Juni 2013, 07:27 (vor 4809 Tagen) @ ThomasMP
Liebe Kollegen !
Als Kirchenmusiker mit einer 6 Tage- Woche und manchmal weit aus über 40 Stunden (die über das eigentliche Maß der Beschäftigung hinaus gehen), kann es eigentlich nur mit einer Präsenz vor Ort funktionieren. Eine Residenzpflicht besteht m.E. aber nicht. Ich selbst wohne etwa 10 km von meiner Dienststelle entfernt, da ich es vorzog, privat lieber etwas ländlicher und abgeschiedener zu wohnen. Je nach dem, wo man selbst wohnen möchte, ist man verpflichtet seinen Dienst ordnungsgemäß wahr zu nehmen. Die Fahrt- und Wegezeiten müssen daher in Kauf genommen werden. Über 2 1/2 Stunde Fahrzeit für eine Wegstrecke (225 km) finde ich eine Zumutung.
Im Fall von Matthias Eisenberg (ich hatte selbst mit ihm telefoniert), hat er die Lust auf den Dienst als Kantor der Gemeinde verloren. Er möchte, so seine eigene Aussage, keinen Kirchendienst mehr versehen. Also konzentriert er sich jetzt auf das künstlerische und seine Konzerte, die er ja schon jahrzehntelang so durchführt.
Nach wie vor sind Konzerte mit Matthias Eisenberg sehr gefragt und erfreuen sich eines großen Publikumszuspruch.
Residenzpflicht?
Reinhard Kluth
, Tübingen, Donnerstag, 27. Juni 2013, 07:57 (vor 4809 Tagen) @ Matthias Mück
Warum? Sind diese Konzerte so spektakulär?
--
R.K.
Residenzpflicht?
elfengeschrey, Ebstorf, Donnerstag, 27. Juni 2013, 08:11 (vor 4809 Tagen) @ Reinhard Kluth
ja!
Residenzpflicht?
jori
, Donnerstag, 27. Juni 2013, 10:25 (vor 4809 Tagen) @ elfengeschrey
Hallo,
ich durfte schon viele Konzerte mit M. E. erleben.
Sehr oft kommt er zu spät, da müssen die Zuhörer schon mal bis zu einer 1/2 Stunde auf ihn warten. Dann schlurft er mit einem schäbigen Stoffbeutel in Richtung Orgel. Den klaut mir bestimmt keiner, sagt er dazu. Auf dem Weg zur Orgel überlegt er sich, was er spielt. Dann beginnt er mit einem Feuerwerk. Das passiert auch an ihm nicht bekannten Instrumenten. Wie er sofort mit noch nie gespielten Orgeln zurechtkommt und was er selbst aus kleineren Orgeln "rausholt", das verblüfft. Ein anwesender Orgelbauer (Federzange und weiteres Werkzeug dabei) ist empfehlenswert. Schwachstellen im Bereich der Mechanik deckt er sofort auf. Konzertunterbrechungen wegen Reparatur habe ich selbst einige Male erlebt.
Von Zuhörern und Zuschauern hörte ich schon oft, "ich dachte, der drischt die Orgel zusammen". Das alles sind Dinge, welche spektakulär wirken. Eine Show liefert er ab, so seine eigenen Worte. Das will das Volk!
Gruß
jori
Residenzpflicht?
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Donnerstag, 27. Juni 2013, 11:01 (vor 4809 Tagen) @ jori
Ach, dann war das nicht dieser niederländische Organist...hmm...wie heißt er denn gleich...Koop Tonman....oder so ähnlich...der angeblich Orgeln kaputtspielt? Gut, man kann beide namentlich und optisch ja leicht verwechseln...
--
Gruß vom Niederrhein
Residenzpflicht?
Reinhard Kluth
, Tübingen, Donnerstag, 27. Juni 2013, 11:56 (vor 4809 Tagen) @ jori
Einmal spielte ich an einer sehr sehr bedeutenden Orgel im deutschen Osten ein Konzert und der sehr bekannte Hausherr meinte: Heute haben wir leider Pech. Im Nachbardorf spielt Herr E. Da rennen sie alle hin, denn die Leute wollen Sensationen. Mit Musik hat das bei ihm nichts zu tun.
--
R.K.
Residenzpflicht?
Dulzian
, Donnerstag, 27. Juni 2013, 13:22 (vor 4809 Tagen) @ Reinhard Kluth
Im Nachbardorf spielt Herr E. Da rennen sie alle hin, denn die Leute wollen Sensationen. Mit Musik hat das bei ihm nichts zu tun.
Ich habe M.E. über viele Jahre hinweg mehrfach gehört. Leider empfand ich sein Spiel in den letzten Jahren eher lieblos, der Bach wurde wenig artikuliert heruntergeleiert, und das Spiel konnte schonmal gefährlich hektisch wirken.
Mir macht es nichts aus, eine halbe Stunde zu warten, weil der Herr Musikus erstmal sein Genius abrufen muß oder weswegen auch immer; mir macht es auch nichts aus, eine ungepflegt wirkende Körpermasse entlangschlurfen und die Orgelempore hochächzend zu erleben. Solange das Ergebnis stimmt. Was es nicht tat, jedenfalls nicht bei Bach. Was anderes ist, wenn M.E. anfängt zu improvisieren. Dann kann er zu Hochform auflaufen. Ein ortsansässiger Pfarrer, der die Sommerkonzerte managt, sagte mir, dass er M.E. wohl nicht mehr einladen will. Wenn ich es damit vergleiche, was an gleicher Orgel z.B. Christoph Biller oder hier vor einiger Zeit Ludger Lohmann oder Martin Schmeding für wunderbare makellose Musik abgeliefert haben (nur um ein paar Namen zu nennen), da liegen Welten dazwischen.
Residenzpflicht?
JSBach
, Aachen, Donnerstag, 27. Juni 2013, 13:41 (vor 4809 Tagen) @ Dulzian
also wenn der Organist zu einem Konzert ne halbe Stunde zu spät kommt, muss er schon so gut spielen wie der alte Bach höchstselbst, um das wieder rauszuholen.
Das find ich einfach absolut respektlos, geht garnicht! (vorallem wenn das ja anscheinend öfter vorkommt oder fast die Regel ist...)
Residenzpflicht?
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Donnerstag, 27. Juni 2013, 16:54 (vor 4809 Tagen) @ JSBach
Och, so manche Popgröße macht das doch auch. ;-)
--
Gruß vom Niederrhein
Residenzpflicht?
3rd_astronaut, Freitag, 28. Juni 2013, 13:46 (vor 4808 Tagen) @ Tabernakelwanze
Da gibt's aber ne Vorgruppe. In Zwickau könnte also das Akkordeonorchester die halbe Stunde füllen, bis der Heeadliner Iron Mountain aufläuft ;-)
Residenzpflicht?
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 29. Juni 2013, 07:14 (vor 4807 Tagen) @ 3rd_astronaut
Residenzpflicht?
IvesDKerne
, Donnerstag, 27. Juni 2013, 09:26 (vor 4809 Tagen) @ Matthias Mück
Bei allem Respekt vor der künstlerischen Leistung von Herrn Eisenberg kann ich sein Vorgehen nicht nachvollziehen. Wenn er nicht mehr als Kantor arbeiten will, dann sollte er sich das früher überlegen und nicht erst die Säulen der Gemeindearbeit kaputt gehen lassen. Sein Nachfolger wird es nicht leicht haben, das alles wieder aufzubauen.
@Elfengeschrey: dass die Konzerte besonders spektakulär sind, finde ich nicht. Meine persönlicher Eindruck!
Eisenberg der moderne Bach?
stein
, Montag, 24. Juni 2013, 17:05 (vor 4812 Tagen) @ IvesDKerne
Gibt es Eisenberg Orgelwerke, Oratorien, Instrumentalmusik etc.
Ich habe irgendwo eine lustige Impro-CD liegen die wirklich sehr schön ist.
Es gibt viele Kantoren die auch aus Laien sehr gute Ensembles formieren konnten.
Rilling hatte doch auch so angefangen.
Vielleicht kommt bei seiner nächsten Stelle der grosse Durchbruch. Drücken wir ihm die Daumen, dass er endlich das bekommt, was er verdient hat.
Eisenberg der moderne Bach?
IvesDKerne
, Montag, 24. Juni 2013, 18:42 (vor 4812 Tagen) @ stein
Ich kann die Kirchengemeinde einerseits gut verstehen, wenn die Gemeindearbeit auf der Strecke bleibt.
Die Bemerkung von Eisenberg und sein Vergleich mit Bach finde ich schon etwas eingebildet. Er wusste schließlich vorher, dass er diverse Chöre leiten muss und Laien Chor Arbeit ist halt nicht immer einfach.
Die Gemeinde wusste aber andererseits auch, wen sie einstellen. M.E. ist ja schon immer etwas eigen gewesen.
Eisenberg der moderne Bach?
Tim T., Montag, 24. Juni 2013, 21:28 (vor 4811 Tagen) @ IvesDKerne
Sofern die Angaben in diesem Artikel stimmen, schadet ein solch elitäres und arrogantes Verhalten der Kirchenmusik unglaublich.
Wir können uns dieses Elitedenken einfach nicht mehr leisten.
Wer ernsthaft meint, anstelle von Widors Fünfter, der Suite gothique und der Epidemischen nur modernes Zeugs mit höchstem künstlerischen Anspruch anzubieten, hat m. E. den falschen Beruf gewählt.
Leider gibt es einige Kollegen, die versuchen, ihre mangelhaften sozialen Fähigkeiten durch Arroganz kaschieren zu versuchen.
Insofern unterstütze ich die Entscheidung der Kirchengemeinde.
Eisenberg der moderne Bach?
3rd_astronaut, Montag, 24. Juni 2013, 22:14 (vor 4811 Tagen) @ Tim T.
Wer ernsthaft meint, anstelle von Widors Fünfter, der Suite gothique und der Epidemischen nur modernes Zeugs mit höchstem künstlerischen Anspruch anzubieten, hat m. E. den falschen Beruf gewählt.
Verstehe ich jetzt die Ironie des Postings, den Zeitungsartikel oder noch was anderes falsch?
Eisenberg der moderne Bach?
perotin
, Rhein-Neckar-Raum, Montag, 24. Juni 2013, 22:24 (vor 4811 Tagen) @ Tim T.
Wer ernsthaft meint, anstelle von Widors Fünfter, der Suite gothique und der Epidemischen nur modernes Zeugs mit höchstem künstlerischen Anspruch anzubieten, hat m. E. den falschen Beruf gewählt.
... ich glaube nicht, daß Eisenberg die genannten Werke oder andere halbwegs populäre "Klassiker" der Orgelliteratur meint, wenn er von musikalischer "Niedrigschwelligkeit" spricht. Da hast Du evtl. etwas nicht ganz richtig verstanden. (In dem Artikel steht auch nirgends, daß er die Leute mit zu viel "modernem Zeugs" vergrault habe.)
Das Problem war offenbar seine nicht (mehr) vorhandene Bereitschaft, regelmäßig mit den Musikgruppen der Gemeinde - incl. Nachwuchs - zu arbeiten. Durch Umzug an einen weit entfernten Ort (ca. 225 km!) hat er sein Desinteresse zusätzlich bekundet. Die Auflösung des Dienstverhältnisses war hier wohl nur folgerichtig und nicht mehr zu vermeiden.
Grüße,
perotin
Eisenberg der moderne Bach?
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Dienstag, 25. Juni 2013, 06:33 (vor 4811 Tagen) @ perotin
Sich dabei auf Herrn Bach, sel. Gedenkens, zu beziehen, ist schon ziemlich vermessen. Wenn man bedenkt, dass der sich auch mit "Zippelfagottisten" und unbegabten Chorknaben herumärgern musste.
--
Gruß vom Niederrhein
Eisenberg der moderne Bach?
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:36 (vor 4811 Tagen) @ perotin
Das Problem war offenbar seine nicht (mehr) vorhandene Bereitschaft, regelmäßig mit den Musikgruppen der Gemeinde - incl. Nachwuchs - zu arbeiten. Durch Umzug an einen weit entfernten Ort (ca. 225 km!) hat er sein Desinteresse zusätzlich bekundet. Die Auflösung des Dienstverhältnisses war hier wohl nur folgerichtig und nicht mehr zu vermeiden.Grüße,
perotin
Eben, genau.
Ich denke, dass eine Gemeinde, die es sich heutzutage überhaupt noch leistet, einen hauptamtlichen Kirchenmusiker anzustellen und zu finanzieren, von diesem durchaus erwarten darf, auch gefälligst seine musikalische Breiten-Arbeit zu machen.
Und zwar motiviert und engagiert.
Wie hoch- oder "niederschwellig" dieses Angebot ausfallen mag, liegt mitunter auch an der Ausführung und am Engagement des Stelleninhabers/der Stelleninhaberin...
Z.B. Otto und ich - und landauf landab viele brave Cantores - sind uns ja auch nicht zuuu schade, neben dem - zugegeben angenehmen - Dirigat von Mozarts Requiem oder Bachs Weihnachtsoratorium - die Kirchen-Kids zu leiten oder mit den Senioren Volkslieder beim Alten-Nachmittag zu singen. Und solches kann und muss durchaus auch Qualität und Niveau haben.
Andernfalls muss man sich halt von einer (Orgel-)Konzertagentur (oder dem Träger eines Symphonieorchesters/eines Konzertsaals als Kustos einer grossen Saalorgel) - und nicht von einer Kirchengemeinde - anstellen lassen; alles andere ist meines Erachtens (pseudo)elitäres Getue.
Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
Eisenberg der moderne Bach?
Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:54 (vor 4811 Tagen) @ untersatz32
bearbeitet von Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:59
1998 veröffentlichte Doblinger eine Festschrift zu Hans Haselböcks 70. Geburtstag mit dem Titel "De arte organistica". Peter Planyavsky hatte hierzu einen vorzüglichen Beitrag verfasst: "Es kommt etwas dazu!" - Der Kirchenmusiker in einer neuen, geänderten Zeit.
Plany griff eine Aussage von Karl Rahner auf ("Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.") und adaptierte dieses Satzmodell "für einige Wünsche an die kommenden Kollegen" (S. 142). Die Überschriften der einzelnen Abschnitte sprechen für sich:
I. Der Kirchenmusiker der Zukunft wird ein Qualitäts-Musiker sein, oder er wird nicht mehr sein.
II. Der Kirchenmusiker der Zukunft wird gemeindebezogen arbeiten, oder er wird nicht mehr arbeiten.
III. Der Kirchenmusiker wird Vielfalt als Programm haben, oder er wird gar kein Programm haben.
IV. Der Kirchenmusiker wird auch für Kinder und Jugendliche da sein, oder er wird nicht mehr da sein.
V. Der Kirchenmusiker der Zukunft wird für alles zuständig sein, oder er wird nicht mehr zuständig sein.
VI. Der Kirchenmusiker der Zukunft wird pädagogisch tätig sein, oder er wird nicht mehr tätig sein.
Peter Planyavsky schliesst mit den Worten: "Und zu all dem kommt noch etwas dazu. Wieviel und warum es dazu kommt, sollten Lehrende und Lernende, Klerus und Laien, Liturgiker und Musiker im Konsens erarbeiten - im Konsens jener Vielfältigkeit, die charakteristisch für unsere Zeit und ihre Kirchenmusik ist." (S. 146).
Auch 15 Jahre nach der Veröffentlichung dieses Buches haben diese Aussagen - auch überkonfessionell betrachtet - nichts von ihrer Brisanz verloren.
Eisenberg der moderne Bach?
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:02 (vor 4811 Tagen) @ Cor de Basset
Sehr gehalt- und geistvoll: Danke! Jede der Aussagen steht schon allein für sich.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Viele Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
Eisenberg der moderne Bach?
Offenbass
, Göttingen, Dienstag, 25. Juni 2013, 17:06 (vor 4811 Tagen) @ Cor de Basset
Ich finde die ersten Aufzählungen sehr kleinkariert...
wieviele hauptamtlich Stellen werden denn noch besetzt? Der Normalfall sieht in Dörfern eh und in vielen Städten doch so aus, dass dort nebenamtlich ihren Dienst tun. Und in wievielen Orten ist man schon froh, wenn wenigstens Sonntags jemand die Orgel spielt?
Wichtig ist, daß er für die Begleitung des Gemeindegesanges tauglich ist.
Bei uns Katholens sind wir Dorforganisten alles Ehrenamtler und Aufwandsentschädigte die das Orgelspiel beim nächstgelegenen Kantor erlernten und heute treu und brav ihren Dienst versehen, sowie ab und an auswärts spielen.
Aber mir scheint in diesem Thread fängt " Kirchenmusiker " erst beim B Examen an.
Ebenso frevelig ist es, wenn hier jemand von Feld-Wald-und Wiesenorganisten spricht !
--
Gruß Martin
Eisenberg der moderne Bach?
jori
, Dienstag, 25. Juni 2013, 17:12 (vor 4811 Tagen) @ Offenbass
Ich finde die ersten Aufzählungen sehr kleinkariert...
wieviele hauptamtlich Stellen werden denn noch besetzt? Der Normalfall sieht in Dörfern eh und in vielen Städten doch so aus, dass dort nebenamtlich ihren Dienst tun. Und in wievielen Orten ist man schon froh, wenn wenigstens Sonntags jemand die Orgel spielt?
Wichtig ist, daß er für die Begleitung des Gemeindegesanges tauglich ist.Bei uns Katholens sind wir Dorforganisten alles Ehrenamtler und Aufwandsentschädigte die das Orgelspiel beim nächstgelegenen Kantor erlernten und heute treu und brav ihren Dienst versehen, sowie ab und an auswärts spielen.
Aber mir scheint in diesem Thread fängt " Kirchenmusiker " erst beim B Examen an.
Ebenso frevelig ist es, wenn hier jemand von Feld-Wald-und Wiesenorganisten spricht !
Eisenberg war hauptamtlich für 3 Kirchgemeinden
Hier zuständig und hatte eine 70%-Stelle.
Eisenberg der moderne Bach?
Offenbass
, Göttingen, Dienstag, 25. Juni 2013, 17:38 (vor 4811 Tagen) @ jori
Da wird der Sonntag aber voll :-) und 70% spricht nicht grad für nen ordentlichen Verdienst-insofern das beruflich gemacht wird. Als Nebenverdienst könnte man sich die Stelle durchaus vorstellen. :-)
War das vor oder nach seiner Gewandhauszeit?
--
Gruß Martin
Eisenberg der moderne Bach?
jori
, Dienstag, 25. Juni 2013, 18:20 (vor 4811 Tagen) @ Offenbass
Da wird der Sonntag aber voll :-) und 70% spricht nicht grad für nen ordentlichen Verdienst-insofern das beruflich gemacht wird. Als Nebenverdienst könnte man sich die Stelle durchaus vorstellen. :-)
War das vor oder nach seiner Gewandhauszeit?
Die Stelle wurde ihm gerade gekündigt.
Eisenberg der moderne Bach?
elfengeschrey, Ebstorf, Dienstag, 25. Juni 2013, 19:28 (vor 4811 Tagen) @ jori
???
Eisenberg der moderne Bach?
jori
, Mittwoch, 26. Juni 2013, 06:42 (vor 4810 Tagen) @ elfengeschrey
bearbeitet von jori, Mittwoch, 26. Juni 2013, 06:57
Eisenberg der moderne Bach?
schnitgers.anderer.erbe, Mittwoch, 26. Juni 2013, 06:53 (vor 4810 Tagen) @ jori
???
@elfengeschreiJetzt noch einmal genauer:
M.E. war von November 2004 bis Juni 3013 in Zwickau Hier angestellt.
Die Lausitzer Rundschau führte mit ihm im März 2013 ein Interview:HierZu Hause hat er eine Allen-Digitalorgel für ca. 80.000 € stehen.
Gruß
jori
Ja nun wird einiges viel, viel klarer! Kein Wunder dass das Arbeitsverhältnis in die Brüche gegangen ist!
Eisenberg der moderne Bach?
perotin
, Rhein-Neckar-Raum, Dienstag, 25. Juni 2013, 19:27 (vor 4811 Tagen) @ Offenbass
War das vor oder nach seiner Gewandhauszeit?
... die ging, was ganz leicht herauszufinden ist, lediglich von 1980 bis 1986 !
Wald- und Wiesenorganisten; war: Eisenberg der moderne Bach
Contrebasson 32'
, Dienstag, 25. Juni 2013, 23:03 (vor 4810 Tagen) @ Offenbass
Ebenso frevelig ist es, wenn hier jemand von Feld-Wald-und Wiesenorganisten spricht !
Ach Gott, damit wollte ich doch niemanden beleidigen oder herabstufen, schließlich bin ich ja selber nicht studiert.
Vielmehr ging es mir darum, eine bewusst sarkastische Gegenposition zu der "Residenzpflicht für Domorganisten" von ThomasMP zu formulieren. Dabei bin ich wie auch andere (z.B. Hausorgler) davon ausgegangen, dass man wohnen kann, wo man will, wenn man trotzdem seine Dienstpflichten erfüllen kann. Wann, wie und wo ein Organist (egal ob A, B, C, D) z.B. in seiner Freizeit oder in den Ferien konzertiert ist doch seine Sache bzw. hat seinen Arbeitgeber nur in den seltensten Fällen zu interessieren. Handelt es doch selten um eine dauerhafte Nebentätigkeit, die laut manchen Arbeitsverträgen genehmigungspflichtig ist.
Eine Abstimmung mit dem Arbeitgeber sollte hingegen dann stattfinden, wenn man, statt Urlaub zu nehmen, einfach seine Vertretung aus eigener Tasche bezahlt. Diese Praxis halte ich nämlich für hoch problematisch und auch arbeitsrechtlich bedenklich.
Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'
Wald- und Wiesenorganisten; war: Eisenberg der moderne Bach
Offenbass
, Göttingen, Mittwoch, 26. Juni 2013, 15:40 (vor 4810 Tagen) @ Contrebasson 32'
Arbeitsrechtlich bedenklich ist das wirklich. Dann wären wir ja wirklich zurück in Bach's Lebzeiten. Da hat man betteln müssen um einmal die Stadt zu verlassen.
--
Gruß Martin
Eisenberg der moderne Bach?
elfengeschrey, Ebstorf, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:09 (vor 4811 Tagen) @ untersatz32
...es hühnerhoft hier also schon wieder...
Eisenberg der moderne Bach?
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:15 (vor 4811 Tagen) @ elfengeschrey
...booockboooockbooock---kickeriki---gackergacker...
--
Thomas Haubrich
Eisenberg der moderne Bach?
Reinhard Kluth
, Tübingen, Dienstag, 25. Juni 2013, 12:39 (vor 4811 Tagen) @ untersatz32
so sehe ich das auch. Wenn ich mich von einer Kirchengemeinde anstellen lasse, steht dort an erster Stelle der Dienst an der Gemeinde mit allem Drum und Dran und ohne wenn und aber; und dann kommt das Konzertleben.
--
R.K.
Residenzpflicht
Dorforganist
, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:03 (vor 4811 Tagen) @ perotin
Durch Umzug an einen weit entfernten Ort (ca. 225 km!) hat er sein Desinteresse zusätzlich bekundet.
Die wahren Könner schaffen das auch auf diese Entfernung, ich als Nebenamtler bin immer schon froh, dieselbe Entfernung - allerdings in Metern! - zu meiner Dienstorgel zu haben...
Residenzpflicht
Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:18 (vor 4811 Tagen) @ Dorforganist
bearbeitet von Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 12:13
Durch Umzug an einen weit entfernten Ort (ca. 225 km!) hat er sein Desinteresse zusätzlich bekundet.
Die wahren Könner schaffen das auch auf diese Entfernung, ich als Nebenamtler bin immer schon froh, dieselbe Entfernung - allerdings in Metern! - zu meiner Dienstorgel zu haben...
Im Bereich der Hochschullehre wird der Aspekt "Präsenzpflicht für Professoren" bzw. Wohnsitz am Hochschulort immer wieder betont. De facto sieht es aber anders aus. So hatten z. B. Gerhard Weinberger und Edgar Krapp ihren festen Wohnsitz stets in München und pendelten für jeweils mehrere Tage pro Woche zu ihren jeweiligen Hochschulen in Detmold bzw. Frankfurt/Main.
Residenzpflicht
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:30 (vor 4811 Tagen) @ Cor de Basset
Wenn einer seine Dienstpflichten gewissenhaft erfüllt, kann er doch wohnen wo er will. Das Management seines Reisestresses ist sein Problem. Und der darf sich eben nicht auf die Qualität seiner Dienstausübung auswirken.
Residenzpflicht
Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 08:50 (vor 4811 Tagen) @ Hausorgler
bearbeitet von Cor de Basset, Dienstag, 25. Juni 2013, 12:17
Wenn einer seine Dienstpflichten gewissenhaft erfüllt, kann er doch wohnen wo er will. Das Management seines Reisestresses ist sein Problem. Und der darf sich eben nicht auf die Qualität seiner Dienstausübung auswirken.
Im Rahmen einer Professur für ein künstlerisches Hauptfach (oder auch bei einer Gastprofessur) lässt sich das Pendeln auch über größere Entfernungen hinweg noch relativ gut umsetzen. In anderen Studienbereichen, oder bei zusätzlichen administrativen Aufgaben (Studienbereichsleitung usw.), wird dies erheblich komplizierter bis unmöglich.
Dass dies der Gesundheit (und dem Privatleben) nicht besonders zuträglich ist, hat das Beispiel Pierre Cochereau gezeigt: Ein rastloser Zeitplan mit Kirchenstelle in Paris, Wohnsitz mit Familie in Nizza, Leitungsfunktionen an den Konservatorien in Nizza und Lyon und weltweiten Konzertterminen, über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren, dürfte für die meisten Menschen mehr als zermürbend sein. George Baker hat Cochereau an dessem Lebensende prägnant beschrieben: "Er hatte mit 59 Jahren den Körper eines 90-Jährigen."
Was "pendelnde" Kirchenmusiker betrifft, fällt mir spontan nur ein Beispiel ein: Willibald Guggenmos am Dom in St. Gallen.
Eisenberg der moderne Bach?
elfengeschrey, Ebstorf, Dienstag, 25. Juni 2013, 22:30 (vor 4810 Tagen) @ IvesDKerne
http://www.laoh.de/Portraets/Manneschmidt.Frank.html
...muss man sich noch weiter wundern?
vorschlag: die drei orgeln der gemeinde flugs zu ladach und für den erlös 50 akkordien angeschafft...
die werden mit einem kreuz versehen und die kirchenmusikalische arbeit nimmt endlich fahrt auf...
http://www.youtube.com/watch?v=bJcyR8tSSfM
klo-ria in ächs-zelsis deo
ps. ich weiß, es gib hochvirtuose akkordienspieler - die meine ich nicht!
(vorsorglich und mit nachdruck!)