Wolfgang Seifen in der Basilika Kevelaer

doppelfloete_h @, Hannover, Donnerstag, 20. Juni 2013, 10:30 (vor 4817 Tagen) @ kjz1

Man müsste mal ketzerisch die Frage stellen, inwieweit man sich in ein Improkonzert mit Wolfgang Seifen setzen würde, wenn er eine gute Stunde an einer stilistisch entsprechenden Orgel im altfranzösischen Stil improvisieren würde...

Man fühlt sich ja manchmal etwas leicht auf den Schlips getreten, ich will mich da nicht ausnehmen, aber: Ich finde das "Machs doch erstmal besser"-Argument ist keines. Ich finde vielfach auch faszinierend was W.S. kann und macht. Aber ich habe mir genauso oft die Frage gestellt, ob das vielbeschrieene Schema F (frz.-barock, dt.-barock, dt.-romantisch, frz.-neosymphonisch) für jede Orgel geeignet ist und - orgelunabhängig - nicht als solches mal aufgelöst werden sollte. Außerdem ist das ja jetzt kein Seifen-Syndrom, das passiert ja anderen Improvisatoren auch...

Aber letztlich sollte man sich beim Improvisieren wie beim Literaturspiel auch irgendwie mit den stilistischen Gegebenheiten des jeweiligen Instrumentes auseinandersetzen. Das ist irgendwie selbstverständlich. Oder man hat sich einen gewissermaßen "unabhängigen" Personalstil erarbeitet, der schlicht "flexibel" ist.

Neulich war hier in der hannoverschen Marktkirche im Rahmen des Orgelfestes übrigens eine musikalische Zeitreise zu erleben, bei der sich ZWEI Improvisatoren (Jürgen Essl, Jeremy Joseph) an DREI unterschiedlichen Orgeln mit italienischer Canzona, barockem Concerto, deutsch-romantischem Sonatensatz, gemäßigter Moderne und dazwischen stilistisch völlig frei bewegten. Als Nachschlag gabs dann sogar noch freche Wiener Klassik. Das war höchst spannend und ein künstlerisch fantastischer später Abend. Ich würd's mir wieder antun...


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