Putz- und Bautrupps
Liebe Leute!
Die Rostocker Marienkirche ist seit 1992 Baustelle, wenn sich die Belastungen in den letzten drei vier Jahren auf ein erträgliches Maß verringert haben.
Aktuell waren auch wieder Gerüstbauer am Werk.
Ich musste mal doch wieder etwas mehr üben, und zum Programm gehörte Ebens "Hommage à Buxtehude". Ist ja aufgrund der Motorik und anderer Aspekte nicht so ganz ohne.
Und so ergab es sich, dass erstmals in meiner Dienstzeit - trotz leisester Überegistrierung - die Gerüstbauer vorne im Altarraum ihr Radiogerät anschmissen, um sich Erleichterung zu verschaffen. (Nur für die Zeit, da noch keine Besucher in der Kirche sind, denn dann übe ich meist auch nicht mehr).
Nun, ich konnte es ihnen nicht verübeln und habe auf Gegenhalten in Lautstärke verzichtet (nur die Zartflöte 4' dazugenommen, um im NDR2-Kofferadio-Klangbereich etwas präsenter zu sein...).
Nach dieser kleinen Enttäuschung aber wenige Tage später Kontakt mit der Putzkolonne, die auf 1-Euro-Basis (oder noch weniger....) zeitgleich morgens die Kirche reinigt:
"Was hören wir denn heute Schönes?" Ironie? Nein, doch ernst gemeint?
Die ältere Dame, die am längsten (400-EUR-Basis) dabei ist, fragt, wann es wieder einmal dieses Stück gibt mit "diesen Tönen"? Hmmm... Es stellt sich heraus, sie meint eine Musik für Orgel und Zuspielung, die ich für das 70-Jahr-Gedenken der Bombardierung Rostocks vorbereitete. Über Walthers "Mitten wir im Leben sind" hatte ich eine Montage aus Kinder- und Männerstimmen gelegt, die aufgrund klanglicher Allegorien auch die Erinnerung an Fliegeralarm-Sirenen evoziert. Jedenfalls relativ starker Tobak.
Nun, dieses Stück hatte der schlichten, kleinen Dame gut gefallen, und sie würde es gerne wieder einmal hören wollen.
Tja, so unterschiedlich und unerwartet kann Interesse an Orgelmusik sein!
Putz- und Bautrupps
Hallo,
Tja, so unterschiedlich und unerwartet kann Interesse an Orgelmusik sein!
das ist wohl wahr.
Letztes Jahr war bei uns das Konzert zum Erleben der überarbeiteten Orgel angesetzt und ein paar Tage vorher sagte mir die Putzfrau: "Sie kommt auch. Jetzt putzt sie hier immer und sie will endlich mal die Orgel vollständig hören, nicht nur übenderweise. Und auch einen Blick hineinwerfen." Wir hatten nach dem Konzert eine offene Empore mit Einblick in die Orgel angesetzt und wie sich zeigte, war das genau richtig.
Grüße von tiratutti
Putz- und Bautrupps
Das ist ja eine nette Anekdote.
Was mir aber weniger schön auffällt: daß die Kirche - und selbst, wenn es finanziell klamm zugeht - Menschen beschäftigt resp. deren Beschäftigung duldet in diesem ausbeuterischen Ausmaß.
Ich bin sicherlich ein unverbesserlicher Idealist wenn ich fordere, daß die Kirche mit einem guten Beispiel vorangeht. Das muß immer wieder laut eingefordert werden.
Oder: was verdient ein Parrer oder Bischof ?
Freundliche Grüße vom Niederrhein.
Putz- und Bautrupps
Das ist ja eine nette Anekdote.
Was mir aber weniger schön auffällt: daß die Kirche - und selbst, wenn es finanziell klamm zugeht - Menschen beschäftigt resp. deren Beschäftigung duldet in diesem ausbeuterischen Ausmaß.
Ich bin sicherlich ein unverbesserlicher Idealist wenn ich fordere, daß die Kirche mit einem guten Beispiel vorangeht. Das muß immer wieder laut eingefordert werden.
Oder: was verdient ein Parrer oder Bischof ?Freundliche Grüße vom Niederrhein.
Um kompetent zu antworten, müsste ich jetzt noch nachforschen, wer hier wen zu welchen Bedingungen anstellt.
Nun, in unserem Fall würde aber die Erfüllung der obigen Empfehlung bedeudeten:
1.) Dass nicht geputzt wird.
oder
2.) Dass wir festen Eintritt zur Kirchenbesichtigung nehmen.
3.) Oder dass die Kirche zu bleibt. 150.000 Besucher pro Jahr machen eine Menge Staub.
3.) Dass wir andere Stellen streichen (meine z. B.)
Die Besucherbetreuer, die wir hier haben, sind auf dem (hiesigen) Arbeitsmarkt nicht vermittelbar, schwerbehindert etc.
Bei uns ist es nett und interessant, sie werden nicht ausgenutzt.
Sie selbst haben einen geregelten Alltag und teilen etwas (mit), was schön ist - viele von ihnen haben nach Ende ihrer Zeit bei uns den Kontakt gehalten, einige fand sogar in den "ersten" Arbeitsmarkt und ist jetzt als Stadtführerin tätig, war zuvor Hygieneassistentin in der Landwirtschaft, ist jetzt Anfang 50.
Bei den Reinigungsleuten ist die Lage ähnlich, ich müsste jetzt aber nachfragen, welche Beschäftigungsverhältnisse sie wirklich haben.
Ein Russe/Kasache, der hier auf 1-EUR-Basis begann und gelernter Maschinenbauer ist, ebenfalls Anfang 50, ist inzwischen hier als techn. Hausmeister der Kirche inzwischen unverzichtbar. In seinem Fall konnte eine befristete Normalanstellung über städtische Mittel (die Stadt zahlt immer noch Patronatsmittel an die Kirche) erreicht werden. Wenn möglich, soll er weiterhin derartig beschäftigt werden, denn, wie gesagt, er ist hier unverzichtbar.
Insofern ist unsere Bilanz hier nicht völlig beschämend.
Putz- und Bautrupps
Hallo,
ja, so ist das hier im Nordosten.
Bei uns (keine touristisch interessante Kirche) gibt es nicht mal 1-Euro-Jobber, Gruppen von Gemeindemitgliedern putzen nach einem Putzplan selbst, ich eingeschlossen, wobei ich auch mal das Orgelgehäuse poliere und das Pedal reinige, wenn wir am Ende einer "trockenen" Woche dran kommen.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.