Putz- und Bautrupps

Karl-Bernhardin Kropf, Samstag, 15. Juni 2013, 16:10 (vor 4821 Tagen)

Liebe Leute!

Die Rostocker Marienkirche ist seit 1992 Baustelle, wenn sich die Belastungen in den letzten drei vier Jahren auf ein erträgliches Maß verringert haben.
Aktuell waren auch wieder Gerüstbauer am Werk.

Ich musste mal doch wieder etwas mehr üben, und zum Programm gehörte Ebens "Hommage à Buxtehude". Ist ja aufgrund der Motorik und anderer Aspekte nicht so ganz ohne.
Und so ergab es sich, dass erstmals in meiner Dienstzeit - trotz leisester Überegistrierung - die Gerüstbauer vorne im Altarraum ihr Radiogerät anschmissen, um sich Erleichterung zu verschaffen. (Nur für die Zeit, da noch keine Besucher in der Kirche sind, denn dann übe ich meist auch nicht mehr).
Nun, ich konnte es ihnen nicht verübeln und habe auf Gegenhalten in Lautstärke verzichtet (nur die Zartflöte 4' dazugenommen, um im NDR2-Kofferadio-Klangbereich etwas präsenter zu sein...).
Nach dieser kleinen Enttäuschung aber wenige Tage später Kontakt mit der Putzkolonne, die auf 1-Euro-Basis (oder noch weniger....) zeitgleich morgens die Kirche reinigt:
"Was hören wir denn heute Schönes?" Ironie? Nein, doch ernst gemeint?
Die ältere Dame, die am längsten (400-EUR-Basis) dabei ist, fragt, wann es wieder einmal dieses Stück gibt mit "diesen Tönen"? Hmmm... Es stellt sich heraus, sie meint eine Musik für Orgel und Zuspielung, die ich für das 70-Jahr-Gedenken der Bombardierung Rostocks vorbereitete. Über Walthers "Mitten wir im Leben sind" hatte ich eine Montage aus Kinder- und Männerstimmen gelegt, die aufgrund klanglicher Allegorien auch die Erinnerung an Fliegeralarm-Sirenen evoziert. Jedenfalls relativ starker Tobak.
Nun, dieses Stück hatte der schlichten, kleinen Dame gut gefallen, und sie würde es gerne wieder einmal hören wollen.

Tja, so unterschiedlich und unerwartet kann Interesse an Orgelmusik sein!


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