Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Karsten, Samstag, 08. Juni 2013, 20:46 (vor 4829 Tagen)

Hallo!

Alexander K. Sample, der Erzbischof von Portland, hat ein Hirtenbrief veröffentlicht, in dem er sich zum Stellenwert sakraler Musik im Gittesdienst äußert. Starker Tobak. Aber die Pfeifenorgel kommt ganz gut weg, im Gegensatz zu NGL & Co.

One often gets the impression that, as long as the written text of the music or
song speaks about God, then it qualifies as “sacred music.” Given what has
been articulated here, this is clearly not the case. As an example, the Gloria of
the Mass set to a Polka beat or in the style of rock music is not sacred music.
Why not? Because such styles of music, as delightful as they might be for the
dance hall or a concert, do not possess all three of the intrinsic qualities of
sanctity, artistic goodness (beauty) and universality proper to sacred music.

Seite 5

Gruß
Karsten

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

SlowOrg @, Maribor, Samstag, 08. Juni 2013, 21:31 (vor 4829 Tagen) @ Karsten

Erzbischof Sample ist in den USA wohl in erster Linie dafür bekannt, dass er sich - schon als Bischof von Marquette - für die außerordentlich Form der Messe eingesetzt und diese auch regelmäßig zelebriert hat.

In den US-Blogs sind ein paar interessante Reaktionen auf diesen Brief zu finden, etwa hier (ganz begeistert davon) oder hier (nicht ganz so angetan ...) - oder einfach "bishop sample's pastoral letter on sacred music" in Google eingeben.

M

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Friedrich @, Samstag, 08. Juni 2013, 21:47 (vor 4829 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 08. Juni 2013, 23:34

One often gets the impression that, as long as the written text of the music or
song speaks about God, then it qualifies as “sacred music.” Given what has
been articulated here, this is clearly not the case. As an example, the Gloria of
the Mass set to a Polka beat or in the style of rock music is not sacred music.
Why not? Because such styles of music, as delightful as they might be for the
dance hall or a concert, do not possess all three of the intrinsic qualities of
sanctity, artistic goodness (beauty) and universality proper to sacred music.

Seite 5

Verzeihung, Herr Bischof,

aber das ist doch die reine Kulissenschieberei. Die “intrinsic qualities” sind Vorurteile, mit all den schönen Eigenschaften dieser Spezies, darunter die schönste: Geschichtsvergessenheit. Erinnert mich stark an das Gerede von der “Wahrheit”, die der Herr Professor Ratzinger gern vor sich her trug, ohne zu sagen, was das denn nun bitte sei – und auch dann hätte man sie ihm immer noch glauben müssen.

Sanctity? Einzug der Götter in Walhall vielleicht? Artistic goodness, Klammer auf beauty Klammer zu – kommt “Yesterday” ganz sicher zu. “Universality” – häh? Ist heute VIELLEICHT die *Melodie* »Freude, schöner Götterfunken«, aber auch nur dort, wo es Fernsehen gibt. »Universell« ist auch ein Muezzinruf, freilich nicht so universell wie ein Säuglingsschrei.

Über Gott und die Menschen erzählt das hier sicher mehr als eine so hirnfreie Einlassung.

Als ob Polkas das Problem wären.

Mann.

Stoßseufzt
Friedrich

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Samstag, 08. Juni 2013, 23:06 (vor 4828 Tagen) @ Friedrich

Jaja ... "true art". Die Zeiten, in denen katholische Bischöfe festlegen wollten, was "wahre Kunst" ist, sind offenbar immernoch nicht vorbei.

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 09. Juni 2013, 09:13 (vor 4828 Tagen) @ Poupoulcorouse

Ich denke, dahingehend ist der gute Prälat schon eine aussterbende Spezies und sollte daher unter Artenschutz gestellt werden. Diese Versuche, abstrakt zu definieren, was sakrale Kunst von weltlicher Unterscheidet waren (nicht nur in der Musik) früher gang und gäbe. Bloß: das funktioniert nicht. Mit solchen Definitionen produziert man allenfalls leere Worthülsen zur beliebigen Füllung. Im Gegenteil: die sakrale Kunst war immer untrennbar mit der "weltlichen" Kunst verbunden. Das überschneidet sich doch ständig: Gotik war nicht nur Kirchenbau, sondern auch profaner Repräsentationsstil, ebenso Renaissance, Barock usw. Polyphonie gabs nicht nur für Messtexte und ich denke, die Singweise der Gregorianik fiel auch nicht vom Himmel. Vermutlich wurde so auch zu weltlichen Texten gesungen und man sang dann eben die Gradualien auf die selbe Weise, weil man eben zu der Zeit so sang. Lediglich der Überlieferungsstrom ist im sakralen Bereich stabiler, weil es da immer irgendwelche "konservativen" Nischen gibt, wo sich "in der Welt" Abgelegtes länger hält. Dies vielleicht deshalb, weil theologisch der Begriff der "Traditio" immer wichtig war und von daher das Alte tendenziell als würdiger galt.
Ich war in meiner Jugend ziemlich enttäuscht, als ich irgendwann erfuhr, daß auch das so "heilige" Weihnachtsoratorium nur zweite Wahl ist und die Pauken und Trompeten zuerst nicht dem lieben Jesulein galten, sondern Repräsentationsmusik auf ein sächsisches Töchterlein war. Vielleicht sollte man dem guten Bischof überhaupt mal eine Liste sehr üblicher ALTER Kirchenliedmelodien mit den ebenso dazu einst gesungenen weltlichen Gassenhauertexten überreichen. Wenn ich mich recht erinnere, ist's John Dowland, der einen ausgesprochen erotischen Text zur Melodie "oh Haupt voll Blut und Wunden" in seiner Liedleinsammlung hat.

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

willscher, Sonntag, 09. Juni 2013, 09:54 (vor 4828 Tagen) @ Hausorgler

Vielleicht sollte man dem guten Bischof überhaupt mal eine Liste sehr üblicher ALTER Kirchenliedmelodien mit den ebenso dazu einst gesungenen weltlichen Gassenhauertexten überreichen. Wenn ich mich recht erinnere, ist's John Dowland, der einen ausgesprochen erotischen Text zur Melodie "oh Haupt voll Blut und Wunden" in seiner Liedleinsammlung hat.

O yeah,
und das beliebte NGL "Laßt uns miteinander" ist ein böhmisch-mährisches SAUFLIED.

Schönen Sonntag

Andreas

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 09. Juni 2013, 10:15 (vor 4828 Tagen) @ willscher

Aus dem Hirtenbrief: "The Church recognizes an objective difference between sacred music and secular music." Boah, ey, was die alles können! Ich habe auch Theologie studiert, aber das haben sie uns nicht beigebracht. Das ist sicher ein Geheimwissen, das man erst beim Aufbaustudium zum Bischof erhält. Und den Komponisten verraten sie's wohl auch nicht, oder?

fragt lachend der
Hausorgler,
welcher gleich "dahin sein Strassen" nach Innsbruck fährt, um im Kreis der Freunde eine "wunderbare Speise" zu sich zu nehmen, um es dann wieder zu "lassen" nach Vorarlberg, "wo ich (aber nicht) im Elend bin".

PS: Vielleicht sollte man mal eine Textsammlung der gassenhauerischen Varianten heutiger Kirchenlieder anlegen. Das fänd ich ganz lustig.

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 09. Juni 2013, 12:41 (vor 4828 Tagen) @ Hausorgler

Bei diesem Bischof passt wohl am besten: "Grober Klotz, wir hobeln dich" ;)

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

orgelquaeler, Südwestdeutschland, Montag, 10. Juni 2013, 05:49 (vor 4827 Tagen) @ Poupoulcorouse

Bei diesem Bischof passt wohl am besten: "Grober Klotz, wir hobeln dich" ;)

Pfui, ist im Walzertakt...

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Florian-L, Montag, 10. Juni 2013, 19:06 (vor 4827 Tagen) @ willscher

O yeah,
und das beliebte NGL "Laßt uns miteinander" ist ein böhmisch-mährisches SAUFLIED.

Du meinst, wenn man ordentlich "einen sitzen" hat, beginnt einem das sogar zu gefallen? ;-)

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

Andreas Scotty Böttcher ⌂ @, Dresden, Sonntag, 09. Juni 2013, 16:14 (vor 4828 Tagen) @ Hausorgler

Wenn ich mich recht erinnere, ist's John Dowland, der einen ausgesprochen erotischen Text zur Melodie "oh Haupt voll Blut und Wunden" in seiner Liedleinsammlung hat.

Der Ursprung dieser Melodie stammt meines Wissens aus Hans Leo Haßlers "Lustgarten neuer teutscher Gesänge" (oder wie auch immer das damals geschrieben wurde) von 1601 und begann mit den Textversen:

"Mein G'müth ist mir verwirret.
Das macht ein' Jungfrau zart."

Wenn Ihr mich fagt: sehr sympathisch in dieser Form :-)

Herzlich grüßt
Scotty.

--
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

IvesDKerne @, Sonntag, 09. Juni 2013, 16:59 (vor 4828 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher

und von lasso gibt es eine messe über eine chanson von sermisy. ich esse kein schweinefleisch heißt es dort, weil Schweine sch...... fressen. der text ist auf cpdl zu finden.

Hirtenbrief zur Kirchenmusik von Erzbischof Alexander Sample

NoliMeTangere, Montag, 10. Juni 2013, 06:44 (vor 4827 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher

Wenn ich mich recht erinnere, ist's John Dowland, der einen ausgesprochen erotischen Text zur Melodie "oh Haupt voll Blut und Wunden" in seiner Liedleinsammlung hat.


Der Ursprung dieser Melodie stammt meines Wissens aus Hans Leo Haßlers "Lustgarten neuer teutscher Gesänge" (oder wie auch immer das damals geschrieben wurde) von 1601 und begann mit den Textversen:

"Mein G'müth ist mir verwirret.
Das macht ein' Jungfrau zart."

Das bezieht sich selbstverständlich auf die jungfräuliche Geburt und die Unfähigkeit des Verfassers, dies intellektuell zu begreifen.

Dogmatische Grüße,
Thorsten

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