Pierre Pincemaille spielte im Dom zu Münster

tournemire, Sonntag, 02. Juni 2013, 22:34 (vor 4834 Tagen)

... ein schöner Abend im frisch renovierten Dom zu Münster. Und in der Zeitung steht auch was drüber... siehe hier

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

www.Orgeljournal.de, Freitag, 07. Juni 2013, 18:21 (vor 4830 Tagen) @ tournemire
bearbeitet von www.Orgeljournal.de, Freitag, 07. Juni 2013, 19:25

Zu diesem Abend nur eine Anmerkung am Rande:

Es hat mich sehr nachdenklich gestimmt, dass während des Konzertes meiner Wahrnehmung zufolge recht viele der nicht so zahlreichen Zuhörer den Dom - zu gefühlt unpassenden Zeitpunkten - verließen. Die Flüchtenden sahen mir gleichwohl nicht nach Banausen aus, es waren eher Best-Ager der Münsteraner Szene.

Auf der Metaebene: Wen sprechen wir mit derlei Musik noch an? Hochkarätig war sie allemal. PP schätze ich sehr. (Vielleicht war die Impro an diesem Abend ein bisserl epigonal, die Tempowahl insgesamt zu gehetzt und hervorgerufen durch die wahrlich hypertrophe Akustik die jeweilige Pausenlänge - insbesondere bei Vierne - erschrocken lang.)

Ein Weltklasse-Organist erscheint, spielt und nur noch sehr sehr wenige hören zu ... Mon Dieu, und das in einer Stadt des plakativen (restkatholischen?) Bildungsbürgertums ...

Matthias

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www.Orgeljournal.de
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Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

hinterSatz ⌂ @, Köln, Samstag, 08. Juni 2013, 03:01 (vor 4829 Tagen) @ www.Orgeljournal.de

Ist das dann Weltklasse, wenn einer auf einem mutmaßlich guten Instrument in einem mutmaßlich interessanten Raum es nicht versteht, ein kleines und interessiertes Publikum so zu begeistern, dass dieses die 1 1/2 oder 1 3/4 Stunden auch da bleibt ?

--
"Die Orgel ist des Teufels Dudelsack, womit er den Ernst der Betrachtungen in Schlummer wiegt." - Huldreych Zwingli
http://ahlbornforum.comxa.com/de/concert.htm

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

doppelfloete_h @, Hannover, Samstag, 08. Juni 2013, 07:41 (vor 4829 Tagen) @ hinterSatz

"Weltklasse" ist für mich ein rein journalistischer Begriff und natürlich nicht objektiv - wie auch. Über die "optimale" Länge eines (Orgel-)Konzertprogramms kann man auch trefflich streiten. Mit einer runden Stunde kommt man meist "gut" weg - ansonsten ist es unter Garantie keine Münsteraner "Krankheit" oder gar PP an sich geschuldet, wenn aus einem (Orgel-)Konzert Leute früher verschwinden. Das haben wir hier, unabhängig von "Name" und "Klasse" des Interpreten und des Instruments auch - wobei es mir in den letzten Monaten doch immer weniger auffällt, erfreulicherweise. Aber wer weiß, vielleicht stumpft man ja auch ab... ;)
Ich bin auch schonmal während der Impro eines nicht ganz unbedeutenden Kollegen aus Paris "geflüchtet" - nach 1Std und 20 Minuten, allerdings um den letzten Zug von HH nach H zu erwischen. Manchmal sinds eben auch ganz profane Bedürfnisse...

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

Karsten, Samstag, 08. Juni 2013, 07:57 (vor 4829 Tagen) @ doppelfloete_h

"Weltklasse" ist für mich ein rein journalistischer Begriff und natürlich nicht objektiv - wie auch. Über die "optimale" Länge eines (Orgel-)Konzertprogramms kann man auch trefflich streiten. Mit einer runden Stunde kommt man meist "gut" weg - ansonsten ist es unter Garantie keine Münsteraner "Krankheit" oder gar PP an sich geschuldet, wenn aus einem (Orgel-)Konzert Leute früher verschwinden. Das haben wir hier, unabhängig von "Name" und "Klasse" des Interpreten und des Instruments auch - wobei es mir in den letzten Monaten doch immer weniger auffällt, erfreulicherweise. Aber wer weiß, vielleicht stumpft man ja auch ab... ;)
Ich bin auch schonmal während der Impro eines nicht ganz unbedeutenden Kollegen aus Paris "geflüchtet" - nach 1Std und 20 Minuten, allerdings um den letzten Zug von HH nach H zu erwischen. Manchmal sinds eben auch ganz profane Bedürfnisse...

Es gibt da durchaus andere Vorstellungen von Programmlängen. Eine Stunde Orgelkonzerte scheinen der Durchschnitt zu sein, was im Vergleich zu sonstigen "Klassikkonzerten" eher wenig ist (die können durchaus anderthalb bis zwei Stunden Programm haben, meist mit Pause). Aber dies scheint den "widrigen" Umständen für den Besucher geschuldet zu sein: mehr oder weniger bequeme Sitzgelegenheit, im Winter eingeschränkt temperierte Umgebung etc.

Ich fand es interessant, dass bei den Konzertprogrammen der BBC Proms in der Royal ALbert Hall die ungefähre Dauer der Programmpunkte mit abgedruckt wird. So können Konzertbesucher abschätzen, wenn sie eine U-Bahn oder Zug erreichen müssen, wann sie ohne die übrigen Konzertbesucher unnötig zu stören, ihre Plätze verlassen können.
Das wäre vielleicht auch eine Idee für Orgelkonzerte?

Bei dem Orgelkonzert von Cameron Carpenter in der Heidelberger Stadthalle haben auch einige gestandene Orgelkonzertgänger bei weitem nicht mit solch einem "langen" Konzert mit Pause gerechnet... Immerhin bekam man etwas für sein Geld geboten.

Gruß
Karsten

Konzertflucht einmal anders!

Ophicleide, Samstag, 08. Juni 2013, 08:48 (vor 4829 Tagen) @ Karsten

Krystian Zimerman hat unlängst das Gegenbeispiel zur hier diskutierten Konzertflucht gezeigt:

Konzertflucht einmal anders

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.


Gruß
Ophicleide

Konzertflucht einmal anders!

JSBach @, Aachen, Samstag, 08. Juni 2013, 09:15 (vor 4829 Tagen) @ Ophicleide

vor Rund einem Monat gabs in Aachen die H-Moll-Messe, die St. Foillan Kirche war voll besetzt + einige Stehende. Nach der Hälfte gabs eine kurze Pause, danach waren geühlte 33% der Leute gegangen....

wobei dazu zu sagen ist, dass das Konzert ers um 20 Uhr anfing und deshalb bis fast 23 Uhr ging

es ist also kein Orgeltypischens Phänomen.....

Bottlegs (war: Konzertflucht einmal anders!)

Friedrich @, Samstag, 08. Juni 2013, 09:41 (vor 4829 Tagen) @ Ophicleide

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.

Ob YouTube oder nicht: Der Versuch, ein Konzert-Bootleg mitzuschneiden, ist ein Unverschämtheit.

Ich muss zugeben, dass ich selber eines besitze; den Mitschnitt des Konzerts eines inzwischen verstorbenen Orgelspielers, den ich schon immer für gut gehalten hatte, von dem ich aber dank des illegalen Mitschnitts weiß, dass er ein ganz Großer war. Und ich bin dankbar dafür. Keine seiner Aufnahmen hat mir das in dem Maß eröffnet. So stecke ich in dem ethischen Dilemma, dass ich nie einen unerlaubten Mitschnitt versuchen würde, aber von einem profitiere, der weniger Bedenken hatte.

Aber ein wenig geniere ich mich immer noch. Wenn jeder von uns so ein guilty pleasure zugibt, kommt dabei eine ganze Masse an Bootleggereien raus, und wir sind beim »Wenn jeder das täte«. Ich habe es nie getan und werde es auch nie tun, halte mich deswegen aber nicht für gerechter als einen, der es tat. Ich will nur künftige Gewissensbisse und das damit verbundene Wachsen der moralischen Hornhaut verhindern.

Gruß,
Friedrich

Bootlegs (war: Konzertflucht einmal anders!)

hinterSatz ⌂ @, Köln, Samstag, 08. Juni 2013, 13:08 (vor 4829 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von hinterSatz, Samstag, 08. Juni 2013, 13:18

Es ist eine im Rockbereich häufige Praxis, Konzerte mitzuschneiden und zu tauschen. Im Übrigen auch schon viel, viel älter als youtube. Ich kannte mal jemand, der besaß bis auf 5 Konzerte Mitschnitte von allen Konzerten der Band Led Zeppelin. Das Material, damals noch auf Cassette aufgenommen, wurde weiterkopiert und getauscht, nicht um Geld zu verdienen, sondern aus Interesse an der Musik. Ich habe selbst ein oder zwei der wohl besten Aufnahmen aus dieser Sammlung oft gehört und kann sagen, dass die das, was man "offiziell" käuflich erwerben konnte, bei Weitem übertraf, schon wegen der Authentizität, und das bei durchaus hörbarer Tonqualität, selbstverständlich gab es auch abgrundtief schlechte Aufnahmen. Dieser "Taper" ist bei einer bekannten Band auch mal eine ganze Tour mitgefahren, von den Bands werden solche Leute zum Teil durchaus geduldet.
Das soetwas hier im Organistenkreis so durchaus verpönt ist, und das bei den heutzutage hervorragenden und einfachen technischen Möglichkeiten, kann ich nicht verstehen. Wem schadet man damit ? Bei "W.Orgues" Thread über die Wiener Orgeln, da möchte man die Instrumente doch auch mal hören ! Fotografieren und Aufnehmen gleichzeitig und dann das ganze Material noch zeitnah aufbereiten, geht natürlich auch nicht...
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich gehe nicht auf Konzerte und nehme sie auf. Das liegt zum Einen am Schichtdienst, zum Anderen daran, dass ich sie nicht aufnehmen darf, weil dann wahrscheinlich irgend ein Herr Wichtig kommt und meinen Recorder haben will nebst den bösen Seitenblicken der anderen Konzertbesucher.

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http://ahlbornforum.comxa.com/de/concert.htm

Bootlegs (war: Konzertflucht einmal anders!)

Friedrich @, Samstag, 08. Juni 2013, 14:19 (vor 4829 Tagen) @ hinterSatz

Wo einer wie Krystian Zimerman auftritt, steht ganz sicher eine Notiz im Programm, dass der Mitschnitt des Konzerts verboten ist. Dafür sorgt schon mindestens seine Agentur, die im Namen des Künstlers handelt. Deswegen ist es schlicht dreist, sich über den ausdrücklichen Wunsch des Künstlers hinwegzusetzen, dessen Kunst man angeblich so sehr schätzt. Ein Klavierabend ist nun mal kein Gig.

Gruß,
Friedrich

Bootlegs (war: Konzertflucht einmal anders!)

hinterSatz ⌂ @, Köln, Samstag, 08. Juni 2013, 14:39 (vor 4829 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von hinterSatz, Samstag, 08. Juni 2013, 14:43

Das muß man akzeptieren. Bei Orgelkonzerten wird ein solches Verhalten dann anscheinend von vorne herein vorausgesetzt, bei den Orgelkonzerten in Bonn Beuel gibt es soweit ich weiß auch so einen Hinweis. Viel schrecklicher als jemanden mit Flash-Recorder finde ich allerdings die Videoübertragungen, m.E. für einen Kirchenraum ein schlichtes Greuel.
Aufnehmen darf man nicht, von der Videoleinwand muss man sich beflackern lassen, Eintritt kosteten die Konzerte dann natürlich auch. Eigentlich fahre ich doch wegen der Musik in ein Konzert, und die könnte man heutzutage auch als Live-Mitschnitt auf CD-R nach dem Konzert verkaufen.

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Konzertflucht einmal anders!

Florian-L, Samstag, 08. Juni 2013, 16:09 (vor 4829 Tagen) @ Ophicleide

Krystian Zimerman hat unlängst das Gegenbeispiel zur hier diskutierten Konzertflucht gezeigt:

Konzertflucht einmal anders

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.

Valentina Lisitsa etwa wurde mit diesem Video über YouTube erst bekannt.

Gruß, Florian

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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Konzertflucht einmal anders!

3rd_astronaut, Samstag, 08. Juni 2013, 16:53 (vor 4829 Tagen) @ Ophicleide

Krystian Zimerman hat unlängst das Gegenbeispiel zur hier diskutierten Konzertflucht gezeigt:

Konzertflucht einmal anders

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.

finde ich nicht konsequent, sondern albern. es hätte wohl gereicht, zwischen stücken die aufnahme unterbinden zu lassen, und nicht das supersensibelchen zu geben. und das hier
Er habe schon viele Plattenprojekte und Kontakte verloren, weil man ihm sagte: "Entschuldigung, das ist schon auf YouTube", sagte er nach seiner Rückkehr wenige Minuten später zur Erklärung.
erscheint mir an den haaren herbeigezogen zu sein. ich kenne zimerman von einspielungen von chopin, debussy, rachmaninoff u.ä., also allesamt gängiges repertoire, das in jedem fall schon zigfach auf YT ist.

Konzertflucht einmal anders!

Karsten, Samstag, 08. Juni 2013, 17:13 (vor 4829 Tagen) @ 3rd_astronaut

Krystian Zimerman hat unlängst das Gegenbeispiel zur hier diskutierten Konzertflucht gezeigt:

Konzertflucht einmal anders

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.

finde ich nicht konsequent, sondern albern. es hätte wohl gereicht, zwischen stücken die aufnahme unterbinden zu lassen, und nicht das supersensibelchen zu geben. und das hier
Er habe schon viele Plattenprojekte und Kontakte verloren, weil man ihm sagte: "Entschuldigung, das ist schon auf YouTube", sagte er nach seiner Rückkehr wenige Minuten später zur Erklärung.
erscheint mir an den haaren herbeigezogen zu sein. ich kenne zimerman von einspielungen von chopin, debussy, rachmaninoff u.ä., also allesamt gängiges repertoire, das in jedem fall schon zigfach auf YT ist.

Albern finde ich die Reaktion nicht. Die Begründung mit youtube ist auch meiner Meinung nach nicht stimmig, aber einer solche Begründung hätte es auch nicht bedürft. Wie schon erwähnt wurde: ungenehmigte Live-Aufnahmen sind verboten. Punkt.

Es ist anmaßend, Künstler solchen Formats als "Supersensibelchen" negativ abzustempeln. Die wenigsten von uns hier sind dermaßen intensiv mit Musik verbunden wie diese Künstler von weltrang. Das Klischee des sensiblen, fragilen Künstlers kommt ja nicht irgendwo her, sondern hat einen wahren Kern. Und gerade dieser Kern ist es, der in so manchen Fällen interpretatorische Sternstunden hervorrief, die mit etwas Glück mit Wissen und Wollen des Künstlers auf Tonträger festgehalten wurden. Und gerade Zimerman ist, was Aufnahmen angeht, ein wirklicher Perfektionist, was sich schon anhand der wenigen Aufnahmen, die er gemacht hat, zeigt. Auch wenn es "Standardrepertoire" ist, das dutzendfach in den Klassikkatalogen und youtube zu finden ist, er hat "was zu sagen".

Man muss auch nicht die Pop- und Rockszene bemühen. Auch in der Klassikszene gibt es einen großen Markt an Piratenaufnahmen, ganz besonders in der Gesangsszene. Und so manche Piratenaufnahme zählt in solchen Insiderkreisen als gesuchtes Sammlerstück. Die Sänger sind natürlich alles andere als angetan davon, werden diese dann auch anhand solcher nicht autorisierten Mitschnitte negativ beurteilt.

Letztlich bleibt das von Friedrich erwähnte Dilemma. Wie er damit bzw. mit solchen Mitschnitten umgeht, muss jeder für sich selsbt entscheiden.

Gruß
Karsten

Konzertflucht einmal anders!

3rd_astronaut, Samstag, 08. Juni 2013, 21:02 (vor 4828 Tagen) @ Karsten

Krystian Zimerman hat unlängst das Gegenbeispiel zur hier diskutierten Konzertflucht gezeigt:

Konzertflucht einmal anders

eigentlich sehr konsequent reagiert, wobei ich youtube nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer "Vernichtung der Musik" sehen würde.

finde ich nicht konsequent, sondern albern. es hätte wohl gereicht, zwischen stücken die aufnahme unterbinden zu lassen, und nicht das supersensibelchen zu geben. und das hier
Er habe schon viele Plattenprojekte und Kontakte verloren, weil man ihm sagte: "Entschuldigung, das ist schon auf YouTube", sagte er nach seiner Rückkehr wenige Minuten später zur Erklärung.
erscheint mir an den haaren herbeigezogen zu sein. ich kenne zimerman von einspielungen von chopin, debussy, rachmaninoff u.ä., also allesamt gängiges repertoire, das in jedem fall schon zigfach auf YT ist.


Albern finde ich die Reaktion nicht. Die Begründung mit youtube ist auch meiner Meinung nach nicht stimmig, aber einer solche Begründung hätte es auch nicht bedürft. Wie schon erwähnt wurde: ungenehmigte Live-Aufnahmen sind verboten. Punkt.

Es ist anmaßend, Künstler solchen Formats als "Supersensibelchen" negativ abzustempeln. Die wenigsten von uns hier sind dermaßen intensiv mit Musik verbunden wie diese Künstler von weltrang. Das Klischee des sensiblen, fragilen Künstlers kommt ja nicht irgendwo her, sondern hat einen wahren Kern. Und gerade dieser Kern ist es, der in so manchen Fällen interpretatorische Sternstunden hervorrief, die mit etwas Glück mit Wissen und Wollen des Künstlers auf Tonträger festgehalten wurden. Und gerade Zimerman ist, was Aufnahmen angeht, ein wirklicher Perfektionist, was sich schon anhand der wenigen Aufnahmen, die er gemacht hat, zeigt. Auch wenn es "Standardrepertoire" ist, das dutzendfach in den Klassikkatalogen und youtube zu finden ist, er hat "was zu sagen".

Natürlich hat er was zu sagen, das wollte ich mit "Standardrepertoire" nicht abstreitig machen. Ich hatte Zimermans Begründung übrigens vermutlich auch falsch verstanden: Er meinte sicherlich, dass illegale Aufnahmen von *ihm* mit gängigem Repertoire auf youtube legale Recordings verhindert haben. Ich dachte zunächst, er meint, dass Ersteinspielungen vereitelt wurden.

Ich bleibe aber dabei: Wegen einer illegalen Aufnahme oder wegen politischer Statements (das war 2009) ein Konzert abzubrechen, ist unverschämt ggü. den anderen Besuchern. Ich gehe davon aus, dass der Aufnehmer nicht um den Flügel marschiert ist mit gezücktem Mikro und Zimerman völlig aus dem Konzept gebracht hat.

Konzertflucht einmal anders!

Friedrich @, Samstag, 08. Juni 2013, 21:27 (vor 4828 Tagen) @ 3rd_astronaut

Ich bleibe aber dabei: Wegen einer illegalen Aufnahme oder wegen politischer Statements (das war 2009) ein Konzert abzubrechen, ist unverschämt ggü. den anderen Besuchern.

Unverschämt würde ich nicht sagen, eher eigenwillig bis launisch. Das weiß Zimerman aber sicher selber sehr gut. Er hat das Konzert fortgesetzt und zu Ende gespielt. Nur zu Zugaben war er nicht zu bewegen, und den anschließenden Empfang besuchte er auch nicht. Manche Medien schrieben vom »Konzertabbruch«, aber das stimmt nicht. Er hat nur unterbrochen, nicht abgebrochen.

Gruß,
Friedrich

Konzertflucht einmal anders!

3rd_astronaut, Sonntag, 09. Juni 2013, 00:22 (vor 4828 Tagen) @ Friedrich

Ich bleibe aber dabei: Wegen einer illegalen Aufnahme oder wegen politischer Statements (das war 2009) ein Konzert abzubrechen, ist unverschämt ggü. den anderen Besuchern.


Unverschämt würde ich nicht sagen, eher eigenwillig bis launisch. Das weiß Zimerman aber sicher selber sehr gut. Er hat das Konzert fortgesetzt und zu Ende gespielt. Nur zu Zugaben war er nicht zu bewegen, und den anschließenden Empfang besuchte er auch nicht. Manche Medien schrieben vom »Konzertabbruch«, aber das stimmt nicht. Er hat nur unterbrochen, nicht abgebrochen.

Ok, da hätte ich aufmerksamer lesen sollen. Eine kleine Pause soll ihm gegönnt sein, wenn ihn eine Aufnahme so mitnimmt.

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

Andreas Scotty Böttcher ⌂ @, Dresden, Sonntag, 09. Juni 2013, 16:27 (vor 4828 Tagen) @ hinterSatz

Ist das dann Weltklasse, wenn einer auf einem mutmaßlich guten Instrument in einem mutmaßlich interessanten Raum es nicht versteht, ein kleines und interessiertes Publikum so zu begeistern, dass dieses die 1 1/2 oder 1 3/4 Stunden auch da bleibt ?

Gegenfrage:
Ist Publikumswirksamkeit ein Kriterium für Weltklasse?

Mit der Musik Beethovens konnten zu seinen Lebzeiten ebenfalls viele "Musikkenner" nichts anfangen, und einige Orchester weigerten sich, seine Musik zu spielen.

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"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

JSBach @, Aachen, Sonntag, 09. Juni 2013, 18:03 (vor 4828 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher

Mit der Musik Bachs konnten zu seinen Lebzeiten ebenfalls viele "Musikkenner" nichts anfangen, und einige Orchester/Musiker konnten seine Musik nicht spielen ... ;)

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 09. Juni 2013, 18:22 (vor 4828 Tagen) @ JSBach

...und einige Orchester/Musiker konnten seine Musik nicht spielen ... ;)

echt? damals schon? ;-)

Konzertflucht? - Pierre Pincemaille spielte in Münster

hinterSatz ⌂ @, Köln, Sonntag, 09. Juni 2013, 21:55 (vor 4827 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher
bearbeitet von hinterSatz, Montag, 10. Juni 2013, 00:26

Um Deine Frage zu beantworten, ja, es ist
ein Kriterium,
und was den pekuniären Erfolg angeht,
bestimmt auch kein ganz Unwesentliches.
Nimm doch einmal jemanden wie Cameron Carpenter.
Musikalisch wäre der Mann doch m.E. besser in
der Rohrfabrik geblieben, aus der er gekommen ist.
Was er spielt, ist, soweit ich es gehört habe, hoch
beschleunigter Technikschrott. Deshalb würde ich aber
nie auf den Gedanken kommen, ihm seinen Ruf als Organist
von Weltrang abzusprechen. Und warum ? Eben weil er Erfolg hat.

--
"Die Orgel ist des Teufels Dudelsack, womit er den Ernst der Betrachtungen in Schlummer wiegt." - Huldreych Zwingli
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