Orgelspielen
Hallo zusammen,
das Thema Borgentreich verzwirnt sich ja ganz schön und es sind einige Sachen drin, die ich nicht so stehen lassen möchte. Erst einmal habe ich den Stich gefunden, den mit dem Degen tragenden Organisten.
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und da möchte ich gleich mal anknüpfen: Es wurde zum einen gesagt, dass im Barock hauptsächlich keine Literatur in der Liturgie gespielte wurde. Aber waren denn alle die Orgel spielen konnten gleichzeitig auch Kirchenorganisten? Bei dem Herren auf dem obigen Bild kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass dieser ein Kirchenorganist war. Es könnte doch vielmehr sein, dass sich Gruppen von Intellektuellen, Studenten, Adeligen oder Komponisten des öfteren an der Orgel getroffen haben um zu spielen. Ich stütze mich hierbei auf die Anekdote von Leopold Mozart, der in einem Brief schrieb: "das Neueste ist, dass um uns zu unterhalten, wir auf die Orgel gegangen sind...", schien nichts Ungewöhnliches gewesen zu sein, wenn durchreisende oder ansässige Künstler oder Studenten die jeweilige Orgel gespielt haben, was hätten sie auch sonst tagsüber anfangen sollen. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass man sich bei solchen Treffen Literatur vorgespielt hat um nachher zu diskutieren, zu interpretieren oder einfach nur zur Gaudi. Eben so wie man zuhause Literatur in den musikalischen Gesellschaften gespielt hat. Dann die Behauptung, dass all die Orgelmusik damals zur Ehre Gottes geschrieben wurde und somit quasi Kirchenmusik im liturgischen Sinne ist. Das mag zum Teil im protestantischen Norden zutreffen, aber nicht im bairischen Raum oder in Schwaben. Selbst die Klosterkomponisten wie Königsperger, Metsch, Schnitzer, Kolb und viele weitere schrieben größten Teils weltliche Orgelmusik (sogar Opern wurden im Kloster aufgeführt). Auch die liturgische Form des Versettls wurde scheinbar zweckentfremdet, nur so erkläre ich mir den Titel "Versetti concertate" eines Komponisten, dessen Name mir jetzt nicht einfällt. Auch die groß angelegten Präluden und Fugen des Klosterkomponisten Konigsperger schließen nicht auf einen liturgischen Gebrauch. Am deutlichsten wird das im "Fingerstreit", eine Toccata mit dissonaten Trugschlüssen. Königsperger wurde auch vom Verlag immer wieder gebeten, seine vergriffenen Sachen neu auflegen zu dürfen. Dieser verneinte dann immer, weil er solche Freude daran hatte immer wieder neue Orgelstücke im neusten Gusto anfertigen zu dürfen und dann zu veröffentlichen. Da sind wir beim dritten Punkt mit dem ich nicht einverstanden bin; der Organist hat gefälligst zur Ehre Gottes zu spielen und zum Wohlgefallen der Anderen. Für mich als Agnostiker fällt es sehr schwer zu glauben, dass etwas unbegreifliches und unbeschreibliches wie Gott, Viel von meinem kümmerlichen Orgelspiel hat, ebensowenig die Kirchenbesucher, die für Musik nichts übrig haben (so ist das in Niederbayern, auch der Gemeindegesang ist entlang der Donau und der Isar durchweg sehr schlecht). Ich spiele eigentlich nur für mich, weil es mir Spaß macht Orgel zu spielen. Und so denke ich war es auch bei Königsperger, er hat nicht für die Liturgie komponiert (da hat er improvisiert ;-)), er hat auch nicht des Geldes wegen komponiert (sonst hätte er ja seine alten Sachen genausogut neu auflegen können), nein er hat komponiert weil es im Spaß gemacht hat und weil jeder Mensch ein egoistisches Mitteilungsbedürfnis hat (auch ein Mönch). Und wem wollte er sich mitteilen, in seinen zahlreich veröffentlichten, ausladenden und nicht gerade leichten Kompositionen? dem Kirchenorganisten bestimmt nicht, sondern denen die Orgel spielen, weil sie Spaß dran haben (edit; das soll nicht heißen, dass die Schnittmenge der beiden Gruppen leer ist) . So und jetzt stimmt mir zu, oder macht mich fertig.
Grüße
Franz