Klavierunterricht als Voraussetzung für Orgelspiel

Martin78 @, Freitag, 31. Mai 2013, 08:31 (vor 4837 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Martin78, Freitag, 31. Mai 2013, 13:24

Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten.


Nun ja, es hat sicherlich nicht jeder Orgelschüler das Bestreben, derart anspruchsvolle Stücke spielen zu wollen.

Gruß, Florian

Genau!

Natürlich ist eine gute Klaviertechnik ab einem gewissen Schwierigkeitsniveau der Stücke unverzichtbar. Aber es kommt immer darauf an, welche Ansprüche man hat.

Ich machte meine ersten organistischen Gehversuche (davor hatte ich - mit zeitlichem Abstand - schon ein paar Jahre Klavierunterricht gehabt) in einem Gruppenunterricht, der alle zwei Wochen samstags stattfand und damals auf die C-Ausbildung vorbereiten sollte. Später wurde in unserem Bistum die D-Ausbildung bzw. -Prüfung eingeführt.

Innerhalb zweieinhalb Stunden standen für alle Gehörbildung, danach Einzelunterricht an Klavier und Orgel auf dem Programm (4 bis 6 Leute, schätze ich mal).
Der Gehörbildungsunterricht war sehr gut und hat mir viel gebracht.
Danach haben viele Leute so viel Zeit am Klavier verbracht, dass für Orgel nachher nicht mehr viel Zeit blieb, was ich schade fand. Ich wollte Orgel lernen! Das Problem war, dass vom absoluten Klavieranfänger bis zum fortgeschrittenen Schüler ziemlich große Unterschiede herrschten.
Die Allzweckwaffe des Lehrers war C. L. Hanons "Klaviervirtuose". Daraus musste jeder zuerst Etüden spielen. Es war schon skurill: Da gab es dann Leute, die wirklich knifflige Geläufigkeitsübungen transponiert fehlerfrei und sauber durch vier, fünf Oktaven hinauf, hinunter und in Gegenbewegung jodelten und danach als Klavierliteratur den "Holzschuhtanz" aus der Klavierschule darboten :-) Anschließend ging es dann mit J.K.F. Fischers Präludien aus der Kallerschule auf die Orgelbank, wo dann meistens gar keine Zeit mehr blieb.
Ich habe immer versucht, mehr auf der Orgel zu machen. Es gab ja z.B. Bachs kleine g-Moll-Fuge in der Kallerschule, bis dorthin bin ich damals immerhin vorgedrungen.

Natürlich habe ich auch brav meinen Hanon geübt, aber für mich war das im Kurs zuviel Klavier, vor allem im Hinblick auf den eigentlichen Sinn: Praktiker, d.h. nebenamtlichen Organistennachwuchs ausbilden. Die spielen ja eher nicht direkt List und Reger im Gottesdienst.
Als dann die D-Ausbildung eingeführt wurde und der Regionalkantor meinen (Einzel-!)Unterricht übernahm, war das ein wirkliches Aha-Erlebnis für mich.

Viele Grüße
Martin


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