Die Schweiklberger Orgelnacht

Regerman @, Mittwoch, 29. Mai 2013, 09:07 (vor 4840 Tagen) @ OrgelDiehl

Die 8. Orgelnacht hat eine Vorgeschichte:
Vorgeschichte 8. Vollmond-Orgelnacht

Die unkritische Laudatio sei hier relativiert.

Selber aktiver, gelernter Musiker, war ich seit vier Jahren regelmäßiger Besucher der Veranstaltung, sie und die superbe Klais-Orgel waren mir bisher eine Reise wert. Auf das neue Konzept war ich gespannt. Insgesamt hat es mich leider enttäuscht.

Das Schmankerl früherer Orgelabende, die Überraschung zu Mitternacht z.B. mit Tänzern oder einem Glocken-Konzert war ein Highlight, das ich nirgendwo sonst erlebt habe. Es wurde wegoperiert, die Lichtinstallationen in der Kirche beschnitten.
Die Auswahl herausragender, auch unbekannter Organisten wurde dem Mainstream geopfert: Der Domorganist aus dem nahen Passau und in Persona Leiter des neuen Veranstalters Music Art Management (fehlen ihm Auftrittsmöglichkeiten?), befreundete Kollegen und Domorganisten.
Das Programm wies einen eklatanten Mangel an gewichtiger Musik auf (unbeschadet der Improvisationen) - Guggenmos mit seinem souveränen Spiel setzte als Letzter im Reigen einen Gegenpol. Eine allzu leichtgewichtige Zugaben-Sammlung servierte zu Beginn Winklhofer. In Erinnerung blieb nach seinen einführenden Kommentaren, dass er über deren Autoren zu wenig recherchiert hatte. Offenbar war auch wenig Zeit zum Üben, denkt man an die unüberhörbaren falschen Töne, die verschleppten Tempi wie bei Elgar. Solche Musik müsste mit Spass und souveräner Virtuosität serviert werden - Cameron Carpenter zeigt, wie das geht.
„Orgel mal zwei“ bietet sich in Schweiklberg an, das kam bisher zu kurz. Schönberger und Ruckdeschel setzen die Chance unbefriedigend um. Das Zusammenspiel klapperte rhythmisch zu oft, immer wieder gab es Verschleppungen beim Warten auf den Kollegen. Vier klassische Sonaten für zwei Orgeln von mäßig begabten Autoren waren zuviel des Guten, die Improvisationen zu langatmig-ausufernd und zu tonal-konventionell. 25 Minuten überzogen, ein Ärgernis.
Die Sache rettete Otto Maria Krämer mit seinen Improvisationen über Filmmusik. Das waren gekonnte Stilkopien, geistreiche Arbeit mit Zitaten, das hatte auch einen klaren formalen Rahmen und bot immer wieder witzige Überraschungen, und das auf hohem Niveau.
A propos: Kein Wort des Dankes an die Initiatorin der Reihe und Veranstalterin der sieben vorausgegangenen Konzertabende, deren Konzept und Qualität offenbar doch ein recht großes Paar Schuhe hinterlassen hat! Nicht nur ich war davon befremdet.

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beste Grüße
Regerman


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