Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Zu diesem Thema überrascht mich ein Aspekt:
Aristide Cavaillé-Coll hat das heutzutage international recht weit verbreitete Spieltisch-Design mit halbrund terrassenförmig angeordneten Registerzügen nicht mehr als dreimal gebaut: 1862 in Saint-Sulpice in Paris, 1868 in Notre-Dame in Paris und 1898 im Château d'Ilbarritz. Es handelte sich hierbei um 4- bis 5-manualige Instrumente; zeitlebens hat er keine einzige seiner zahlreichen 2- oder 3-manualigen Orgeln mit derartigen "consoles en amphithéâtre" ausgestattet, sondern entweder mit Registerzügen über den Klaviaturen (bei einem Manual oder bei kleineren 2-manualigen Orgeln) oder in parallelen Terrassen links und rechts der Manuale (bei größeren 2-, 3- oder 4-manualigen Instrumenten), sofern er nicht einen Spielschrank mit vertikal angeordneten Registerzügen auf der linken und rechten Seite baute.
Kann man also wirklich so unbefangen von einem sogenannten "Cavaillé-Coll-Stil" sprechen, der zwar zu CC's Lebzeiten einzigartig war, aber eigentlich eine der wenigen Ausnahmen von der Regel seiner (vielleicht typischen) Spieltisch-Bauweise darstellte?
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Hatte E.F. Walcker nicht so ähnlich auch ein paar Spieltisch gebaut? – ich glaube mindestens ein Instrument in St. Petersburg?
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Richtig, ich glaube, DER (E.F.W.) fing damit (runde Registerstaffeleien) überhaupt erst an.
War es nicht die Paulskirche in Frankfurt, sowie eine in St. Petersburg oder Olay?
Grüsse
TH
ERGAENZUNG:
Es war tatsächlich die Petrikirche in St. Petersburg. Frankfurt hatte einen Spielschrank.
--
Thomas Haubrich
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Hatte E.F. Walcker nicht so ähnlich auch ein paar Spieltisch gebaut? – ich glaube mindestens ein Instrument in St. Petersburg?
Das ist interessant! Es dürfte sich um Opus 37 (63 Register, auf 3 Manuale/2 Pedalklaviaturen verteilt) von Eberhard Friedrich Walcker handeln, das 1839 für die St. Petri-Kirche in St. Petersburg gebaut worden war.
Das ist dann allerdings auch ein klarer Hinweis, dass dieses Spieltisch-Design schon mehr als 20 Jahre vor Cavaillé-Coll durch Eberhard Friedrich Walcker in die Praxis umgesetzt wurde. Bei Cavaillé-Coll dürften sicherlich auch die erheblichen Mehrkosten ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass er nur dreimal eine "console en amphithéâtre" gebaut hatte.
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Ich denke, das amphithéâtre war nur eine "Notlösung" da seine normalen Spieltische bei 5 Manualen und/oder hoher Anzahl Register an die Grenzen der Bedienbarkeit stießen
Und selbstverständlich waren damit deutlich Zusatzkosten verbunden, vorallem da der Spieltisch (zumindest in St. Sulpice und in Notre Dame) freistehen und daher einigermaßen kompakt sein musste, im gegensatz zu einem Spielschrank
Gibts es eigentlich irgendwo Fotos/Videos oder ähnliches, wie es in dem Spieltisch von St. Sulpice aussieht? Die Mechanik würde mich sehr interessieren ...
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Das ist interessant! Es dürfte sich um Opus 37 (63 Register, auf 3 Manuale/2 Pedalklaviaturen verteilt) von Eberhard Friedrich Walcker handeln, das 1839 für die St. Petri-Kirche in St. Petersburg gebaut worden war.
das zu sehende Spieltischbild sieht für mich wie eine Skizze, nicht wie eine reale Abbildung aus. Nicht real ist der Platz, der hinter dem Notenpult für die Tastenlänge des 3. Manuals zur Verfügung steht sowie der Platz links und rechts oben bei den Zügen. Einer ist gezogen und bei dem zu sehenden Gang würde er reingestoßen rechts aus dem Spieltisch rausschauen. Nichtsdestotrotz: ein Spieltisch mit gerundeten Terassen, ohne Zweifel.
Grüße von tiratutti
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
Das ist dann allerdings auch ein klarer Hinweis, dass dieses Spieltisch-Design schon mehr als 20 Jahre vor Cavaillé-Coll durch Eberhard Friedrich Walcker in die Praxis umgesetzt wurde.
Man beachte auch die Balanciertritte, die bei Walcker demnach ebenfalls lange vor Cavaillé-Coll eingeführt wurden.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Spieltische im Cavaillé-Coll-Stil
gab es nicht doch noch ein viertes Exemplar in Sheffield?