Transkription vs. Original
Im Thread zur Filmdokumentation über Dame Gillian Weir kam die Frage auf, ob man Transkriptionen kennt, die das Original erreichen (und möglicherweise übertreffen).
Mit Sicherheit kann man dies für mehrere Transkriptionen festhalten, die J. S. Bach angefertigt hatte: z. B. die Schübler-Choräle, die Concerti in G-Dur BWV 592, a-Moll BWV 593 und d-Moll BWV 596, die sechs Triosonaten und die Fuge in d-Moll BWV 539.
Meiner Meinung nach gilt dies auch für die Orgelfassung des Musikalischen Opfers von Bach, die Jean Guillou herausgegeben hat, und daraus insbesondere die Triosonate und das 6-stimmige Ricercar (und auch Helmut Walchas Orgelfassung des Ricercar a 6).
Mir gefällt auch besonders Franz Liszts "Funérailles", ein Klavierwerk, das Jeanne Demessieux hervorragend für die Orgel adaptiert hat, wie hier mit Pierre Labric zu erleben.
Unvergesslich für mich auch David Briggs' Orgelkonzert in St. Ludwig in München im Mai 2011, als er seine Orgelfassung der fünften Symphonie von Gustav Mahler auf der Beckerath-Orgel von 1960 spielte. Das Kirchenschiff war voll besetzt (*), und ich hatte den Eindruck, dass es sich bei den Zuhörern vornehmlich um Publikum handelte, das normalerweise Konzerte im Gasteig oder der Bayerischen Staatsoper besucht.
Ich kenne diese Symphonie in der "Originalfassung" recht gut, aber die Klänge, die David aus dieser neobarocken Orgel herausholte, waren atemberaubend und wirklich überraschend. Seine Übertragung hinterließ auf mich nicht den Eindruck einer Transkription, sondern vielmehr den eines Originalwerkes für die Orgel.
(*) Was man in dieser Stadt bei einem reinen Orgelkonzert nur sehr, sehr selten erlebt; in St. Bonifaz hatte Edgar Krapp vor einigen Jahren vor weniger als einem Dutzend Zuhörern gespielt.
gesamter Thread:
- Transkription vs. Original - Cor de Basset, 23.05.2013, 19:46
- Transkription vs. Original - 3rd_astronaut, 23.05.2013, 23:33