Unfassbar
Man möge mir diesen kurzen Ausflug in die Jugendsprache verzeihen, aber: WHAT THE F***?
Unfassbar
weiß man, woher die Pfeifen sind?
Unfassbar
Is doch eh alles stumm...
Wobei man an Miele-Waschmaschinen sieht, dass es sich oft lohnt, den alten Kram nochmal zu reparieren. Aber wenn's was schickes Neues dafür gibt? Vielleicht ein Elektronium?? Mit einem Fußpedal und wo man ja auch Tonarten einstellen kann und vielleicht auch etwas Rhythmus...?
Unfassbar
Aus Deiner Lagerräumung? :D :D
Unfassbar
sofort das Landesdenkmalamt NRW drauf hetzen: Gefahr des Untergangs von Kulturgut von hohem Wert und von öffentlichem Intersse.
Unfassbar
:-D
Unfassbar
sofort das Landesdenkmalamt NRW drauf hetzen: Gefahr des Untergangs von Kulturgut von hohem Wert und von öffentlichem Intersse.
sehe ich auch so. das ist doch die disposition einer mehr oder minder kompletten orgel? die kann man doch nicht so einfach mal eben verhökern? und kann es denn sein, daß das gehäuse dazu nicht mehr existiert? normalerweise ist es schließlich umgekehrt, gehäuse original, pfeifen zum n.ten mal neu...
(allerdings, wieso NRW? stumm saß doch in sulzbach im hunsrück, also dürfte die orgel eher aus rheinland-pfalz kommen?)
Unfassbar
(allerdings, wieso NRW? stumm saß doch in sulzbach im hunsrück, also dürfte die orgel eher aus rheinland-pfalz kommen?)
... und die Gebrüder Weil in Neuwied (ebenfalls RLP), allerdings befindet sich der Pfeifenbestand vielleicht schon bei dem Gebrauchtorgelhandel (NRW)?
Unfassbar
... und die Gebrüder Weil in Neuwied (ebenfalls RLP), allerdings befindet sich der Pfeifenbestand vielleicht schon bei dem Gebrauchtorgelhandel (NRW)?
Galt Weil nicht als 'inoffizieller Nachfolger' von den Stumms, da Weil dort gelernt hatte? Und aus Weil bzw. Stumm ging dann später Oberlinger hervor?
Viele Grüße,
- Karl-Josef
Unfassbar
Zumal, was da, laut Angabe, für Schätzchen dabei sind:
Ein Krummhorn 8' von Stumm/1758, bei dem nur eine Pfeife fehlt.
Unfassbar
Einen heißen Kandidaten für die Herkunft gibt es auch:
http://ip51cc4e92.adsl-surfen.hetnet.nl/scripts/wwwopac.exe?database=orgbase2&%250=...
Unfassbar
Galt Weil nicht als 'inoffizieller Nachfolger' von den Stumms, da Weil dort gelernt hatte? Und aus Weil bzw. Stumm ging dann später Oberlinger hervor?
Nach Fischer/Thömmes war Joh. Christian Weil zwar gelernter Clavierbauer, im Orgelbau aber Autodidakt. Oberlinger gilt als (offizieller) Nachfolger von Weil, da Oberlinger nach dem Ende von Weils Betrieb 1888 dessen Werkstatt übernahm. Oberlinger hat zudem nach dem Ende der siebten Stumm-Generation 1906 den Erben Teile aus deren Werkzeugbestand aufgekauft.
Mir scheint das mit den offiziellen und inoffiziellen Nachfolgern, die angeblich die Tradition fortführen, häufig zweifelhaft. Oft muss doch nur der gute alte Name herhalten und werden die Orgeln doch nach ganz anderen Prinzipien gebaut.
Gruß, Walter
Unfassbar
Einen heißen Kandidaten für die Herkunft gibt es auch:
http://ip51cc4e92.adsl-surfen.hetnet.nl/scripts/wwwopac.exe?database=orgbase2&%250=...
Ein richtiger Krimi hier!
Jörg R. Becker (Quelle) ist doch auch hier im Forum?
Unfassbar
Nach der Disposition und dem Jahr 1758 zu urteilen, würde ich sagen: Bingo!
Unfassbar
Die Tatsache, daß da Umbau durch Weil 1944 (!) steht, deutet auch darauf hin, daß 1841 passen kann und das einfach nur ein Abschreibfehler war.
Was jetzt mal wirklich interessant ist: Wie haben es die Pfeifen überlebt, seitdem Kemper sie rausgeworfen hat?
Man hört ja immer, daß Kemper seinen Müll ungern teilen wollte ;-)
Unfassbar
Wie war das mit Oberlinger als Werkstattnachfolgefirma?
Steht nicht in besagter Kirche sein einigen Jahren von Oberlinger eine Orgel?
Hier:
http://www.pfarrei-vallendar.de/
oder da (nach unten scrollen):
http://www.oberlinger.eu/website%20oberlinger%20gmbh/orgel2c.html
Unfassbar
Die Stumm-Orgel wurde allerdings von Kemper (hier bitte Kreischen und Wolfsgeheul einblenden) ersetzt.
Unfassbar
Einen heißen Kandidaten für die Herkunft gibt es auch:
http://ip51cc4e92.adsl-surfen.hetnet.nl/scripts/wwwopac.exe?database=orgbase2&%250=...
Ein richtiger Krimi hier!
Jörg R. Becker (Quelle) ist doch auch hier im Forum?
Jep.
Ich habe in meinem Datensatz folgende Anmerkung eingetragen:
"Zustand aus einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1839. Die Orgel wurde 1944 durch den Orgelbauer Weil umgebaut, 1955 durch Kemper erweitert und schließlich 1971 - wiederum durch Kemper - durch eine neue Orgel ersetzt. 1998 erbauten die Gebrüder Oberlinger wiederum ein neues Instrument. Mitgeteilt sind die Dispositionen von 1944 und 1971 sowie die des Oberlinger-Instruments."
Das "1944" bei dem Umbau Weil kann natürlich ein Tippfehler sein, zum einen weil es nicht - wie hier dargelegt - zu den Lebensdaten passt, zum anderen, weil ein Umbau so tief im Krieg eher ungewöhnlich ist und schließlich weil bereits 1955 eine weitere Maßnahme erfolgte (was zwar nicht unbedingt ungewöhnlich sein muss, aber zumindest auffällig ist).
Leider kann ich das momentan nicht nachschauen, da mein gesamter AO-Bestand momentan aufgrund eines Wasserschadens im Arbeitszimmer in einem Container ausgelagert ist. Die Sachen kommen morgen wieder zurück, aber ich denke, es wird einige Tage dauern, bis alles wieder so zugänglich ist, dass ich es nachschauen kann. Aber der Jahrgang 2002 (Ars Organi 4/2002, S. 229 ist meine Quelle für diese Darstellung) liegt ja noch nicht soweit zurück, vielleicht gibt es den ja bei anderen Mitschreibern "greifbar"...
LG
Jörg
Unfassbar
Einen heißen Kandidaten für die Herkunft gibt es auch:
http://ip51cc4e92.adsl-surfen.hetnet.nl/scripts/wwwopac.exe?database=orgbase2&%250=...
das nenne ich detektivarbeit! wie hast du das denn gemacht? ziemlich gute übereinstimmung, wenn auch nicht komplett (wo kommt etwa der bordun 16' her?) -- daß "1944" falsch für "1841" steht, könnte gut sein.
also kemper mal wieder, wenn die spur die richtige ist. so oder so -- waren die denn in vallendar komplett wahnsinnig?
kemper 1971 wurde dort ja 1998 zugunsten von oberlinger schon wieder abgeschafft. einen barocken prospekt scheint man in vallendar nicht übrig zu haben. aber der wird doch nicht zu brennholz verarbeitet worden sein? kann man die teile nicht vielleicht sogar wieder zusammenführen?
mal im ernst, juristen an die front: ist es wirklich möglich, weitgehend komplett erhaltenes pfeifenwerk einer barocken orgel einfach so zu verkloppen (und dann zu einem so niedrigen preis!!)? meine vermutung ist fast: ja, denn offenbar stand das instrument beim abbruch 1971 nicht unter denkmalschutz. kann dennoch ein solcher freier verkauf irgendwie gestoppt werden?
Unfassbar
Der Bordun kommt aus dem 1844er Umbau. Daher auch der hohe Weil-Anteil im Baß. Man kann sich den Rest recht gut zusammenrekonstruieren.
Unfassbar
Ich meine, soll mans verkaufen. Aber es muss eben sichergestellt werden, daß es denkmalgerecht wieder zusammengesetzt wird.
Unfassbar
Ich meine, soll mans verkaufen. Aber es muss eben sichergestellt werden, daß es denkmalgerecht wieder zusammengesetzt wird.
ja! nur wie?
Unfassbar
Naja, die restlichen Teile auf 1758 ergänzen, passende Traktur, passendes Gehäuse.
Irgendne Gemeinde kann sich dann freuen.
Unfassbar
wir können im forum ja mal zusammenlegen...
Unfassbar
*lach*
Wenn ich 'ne passende Wohnung hätte, dann würde ich sie nehmen ;-)
Leider reicht mein Studentenbudget nur knapp für 2 Zimmer + Küche und Bad.
Unfassbar
Ich stelle mal die Geschichte aus der Festschrift zur Einweihung der Oberlingerin stichpunktartig dar (Artikel vom damaligen Organisten Steinebach):
- 1758 Weihe der Stumm-Orgel in der Schlosskapelle Ehrenbreitstein
- 1786 Umsetzung in die frühere kath. Kirche Vallendar
- 1841 Einweihung der heutigen (riesigen) Pfarrkirche -> Orgel erweist sich als zu klein...
- 1841 Umbau durch Neuwieder Firma Weil, Erweiterung von 20 auf 27 Register
- 1955 Umbau durch Kemper, Hinzufügung RP, Neubau aller Windladen, Pedalerweiterung bis f', elektrische Trakturen
- 1964 Abriss Westempore und Orgel
- 1971 Neubau durch Kemper an der Nordwand, in zwei getrennten Gehäusen (Hauptwerk, Schwellwer, Kronwerk, Pedal, 39 Register) unter Verwendung der meisten alten Pfeifen
- 1992 Katalogisierung der Orgelpfeifen durch Dr. Rodeland (Oberlinger)
Befund: 15 Register der Stummorgel zum größten Teil erhalten. 1955 und 1971 Umstellung und starke Umarbeitung des Pfeifenwerkes durch Kemper, Farbanstrich, sehr grobe Kernstiche, Register verloren Obertönigkeit; neu eingebaute Kemper-Register unpassend, weiter mensuriert. Rekonstruktion der Stummorgel wurde verworfen, da für einen wesentlich kleineren Raum gebaut, und weil viele Pfeifen von Weil stammten, die in einer Stumm-Rekonstruktion keinen Platz hätten...
Es gibt kein Register, wo nicht umgearbeitet worden ist: "Füße neu - Fußspitze Weil - Bärte aus neuerer Zeit - neue Überbärte - angelängt - abgeschnitten - neue Stimmschlitze - Körper und Fuß aus verschiedenen Stummpfeifen zusammengelötet - Rundnaht dilletantisch nachgelötet - mit Pattex angestrichen - Körper spiralförmig zerschnitten und unfachmännisch wieder verlötet - Becher abgeschnitten / verkürzt"
- 1994 Verkauf sämtlicher Kemper-Pfeifen (zur Mitfinanzierung des Neubaus)
- In der ursprünglichen Planung zur neuen Orgel war wohl beabsichtigt, ein Werk mit Stummschen Pfeifen zu besetzen, davon wurde Abstand genommen, da diese Orgel für einen viel kleineren Raum konzipiert, daher zu enge Mensuren, und um den historischen Bestand (!) nicht auseinanderzureißen
- Entschluss zum Neubau aller Pfeifen für die neue Orgel (nach Argumentation OSV Still). Steinebach schreibt:
"Die Stummpfeifen selbst bleiben der Pfarrgemeinde erhalten, indem sie in einem Schaukasten auf Rasterbrettern stehend an einem würdigen Ort innerhalb der Kirche ausgestellt werden. Die Seele unserer alten Orgel, das Pfeifenmaterial, kann später einmal für den Bau einer eigenständigen Chororgel verwendet werden."
Der Artikel äußert sich aber nicht darüber, wie man in der riesigen Kirche eine überzeugende Chororgel mit den wohl zu eng mensurierten Registern hätte erstellen wollen... diese Planung ist wohl nun aufgegeben worden.
Übrigens ist das Wappen des letzten Kurfürsten von Trier (Clemens Wenzeslaus) von der alten Stumm-Orgel ganz oben am Prospekt der Oberlinger-Orgel angebracht!
Bleibt zu hoffen, dass der alte Pfeifenbestand irgendwo als Ganzes in einer neuen Orgel / Rekonstruktion Verwendung findet.
Viele Grüße
Martin
Unfassbar
wir können im forum ja mal zusammenlegen ...
Nää, das Forumsbudget ist noch etwas angespannt von dieser Unternehmung.
Warnt sparsam
Friedrich
Unfassbar
Ich stelle mal die Geschichte aus der Festschrift zur Einweihung der Oberlingerin stichpunktartig dar (Artikel vom damaligen Organisten Steinebach):
vielen dank für diese informationen!
...
- 1955 Umbau durch Kemper, Hinzufügung RP, Neubau aller Windladen, Pedalerweiterung bis f', elektrische Trakturen
- 1964 Abriss Westempore und Orgel
- 1971 Neubau durch Kemper an der Nordwand, in zwei getrennten Gehäusen (Hauptwerk, Schwellwer, Kronwerk, Pedal, 39 Register) unter Verwendung der meisten alten Pfeifen
- 1992 Katalogisierung der Orgelpfeifen durch Dr. Rodeland (Oberlinger)
Befund: 15 Register der Stummorgel zum größten Teil erhalten. 1955 und 1971 Umstellung und starke Umarbeitung des Pfeifenwerkes durch Kemper, Farbanstrich, sehr grobe Kernstiche, Register verloren Obertönigkeit; neu eingebaute Kemper-Register unpassend, weiter mensuriert. Rekonstruktion der Stummorgel wurde verworfen, da für einen wesentlich kleineren Raum gebaut, und weil viele Pfeifen von Weil stammten, die in einer Stumm-Rekonstruktion keinen Platz hätten...
Es gibt kein Register, wo nicht umgearbeitet worden ist: "Füße neu - Fußspitze Weil - Bärte aus neuerer Zeit - neue Überbärte - angelängt - abgeschnitten - neue Stimmschlitze - Körper und Fuß aus verschiedenen Stummpfeifen zusammengelötet - Rundnaht dilletantisch nachgelötet - mit Pattex angestrichen - Körper spiralförmig zerschnitten und unfachmännisch wieder verlötet - Becher abgeschnitten / verkürzt"
es sträuben sich einem die haare! wie war denn soetwas wie diese firma kemper nur möglich? andererseits: die orgelzuständigen der gemeinde müssen ja auch komplette barbaren gewesen sein, um soetwas zuzulassen!
- In der ursprünglichen Planung zur neuen Orgel war wohl beabsichtigt, ein Werk mit Stummschen Pfeifen zu besetzen, davon wurde Abstand genommen, da für einen kleineren Raum konzipiert, zu enge Mensuren, und um den historischen Bestand (!) nicht auseinanderzureißen
- Entschluss zum Neubau aller Pfeifen für die neue Orgel (nach Argumentation OSV Still). Steinebach schreibt:
"Die Stummpfeifen selbst bleiben der Pfarrgemeinde erhalten, indem sie in einem Schaukasten auf Rasterbrettern stehend an einem würdigen Ort innerhalb der Kirche ausgestellt werden. Die Seele unserer alten Orgel, das Pfeifenmaterial, kann später einmal für den Bau einer eigenständigen Chororgel verwendet werden."
ja und diesen schaukasten gab es wirklich mal? und der ist jetzt weg??
Der Artikel äußert sich aber nicht darüber, wie man in der riesigen Kirche eine überzeugende Chororgel mit den wohl zu eng mensurierten Registern hätte erstellen wollen... diese Planung ist wohl nun aufgegeben worden.
wieso dürfen denn chororgelregister nicht etwas enger mensuriert sein? in seiner schloßkapelle auf ehrenbreitstein wird der kurfürst ja wohl auch nicht mit dem hörrohr am ohr gesessen sein?
der wahre grund ist ja wohl vielmehr, daß angesichts des beschriebenen zustands der pfeifen eine aufwändige restaurierung derselben nötig wäre. vermutlich ist genug altsubstanz da, die zumindest als vorbild dienen könnte (es ist immer wieder verblüffend, was restauratoren alles hinkriegen), nur müßte man es natürlich bezahlen (wollen).
Übrigens ist das Wappen des letzten Kurfürsten von Trier (Clemens Wenzeslaus) von der alten Stumm-Orgel ganz oben am Prospekt der Oberlinger-Orgel angebracht!
äh...großartige idee... *ironiemodus*
bloß...wo ist denn der rest des prospekts abgeblieben?
Bleibt zu hoffen, dass der Bestand irgendwo als Ganzes in einer neuen Orgel / Rekonstruktion Verwendung findet.
es klingt immer noch nicht danach, als ob man in vallendar der verantwortung für sein historisches erbe gewachsen wäre. wer stellt den übrigens eigentlich diese pfeifen -- immerhin doch "die seele der alten orgel"... -- zum verkauf, wenn nicht die gemeinde dort? soll davon jetzt die erste reinigung der oberlinger-orgel bezahlt werden oder sowas?? seelenverkäufer...!
wer, wenn nicht die "historischen" eigentümer, würde sich denn die mühe einer komplizierten wiederherstellung dieser pfeifen machen wollen und die kosten dafür übernehmen? auch diesen umstand reflektiert doch sicherlich der niedrige preis. ich bin da wenig optimistisch -- gut möglich, daß hier der letzte rest der alten orgel gerade verloren gegeben wird.
Unfassbar
ja und diesen schaukasten gab es wirklich mal? und der ist jetzt weg??
Ja, ich glaube ihn mal vor Jahren in der Kirche gesehen zu haben. Oder war es nur ein Photo desselben?
Unfassbar
- 1841 Einweihung der heutigen (riesigen) Pfarrkirche -> Orgel erweist sich als zu klein...
Wobei ich hier aus eigener Erfahrung ergänzen kann: ja, die Kirche ist wirklich ein riesiger Hallenbau (d. h. der Klang verbreitet sich gleichmäßig im gesamten Raum, es gibt da praktisch keine akustische Trennung zwischen den Seitenschiffen, Vierung und Chorraum), angeblich handelt es sich vom Raum her um die größte Pfarrkirche im Bistum Trier.
Unfassbar
... ausgestattet mit dem häßlichsten Oberschlingel-Prospekt im Bistum Trier ;-)
Obwohl das natürlich Geschmackssache ist.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
... ausgestattet mit dem häßlichsten Oberschlingel-Prospekt im Bistum Trier ;-)
Obwohl das natürlich Geschmackssache ist.
Dabei stammt der Entwurf von der Architektin Maria Schwarz, der Witwe des bekannten Architekten Ruolf Schwarz, (die u. a. auch die Prospektentwürfe von St. Andreas und St. Marien im Kapitol, Köln,St. Vitalis in Köln-Müngersdorf, sowie der Paulskirche in Frankfurt erstellt hat), in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Architekten Gert Schaaf und Wolfgang Oberlinger. Wie groß der Anteil jeweils an der merkwürdigen Gestaltung mit dem Pseudo-Rückpositiv, das als einziges Register eine "Brüstungsflöte" enthält, läßt sich nur vermuten. (Viele Köche....)
In der Festschrift steht übrigens klipp und klar: "Bei der Kirchenrenovierung 1962/66 wurden sowohl Empore (die wohl noch von 1841 stammte) als auch Orgel entfernt und verbrannt.". Wirklich unfassbar.
Zum Glück befindet sich in der Klosterkirche im benachbarten Bendorf-Sayn die von Klais vor einigen Jahren restaurierte Stumm-Orgel von 1778.
Gruß Tastenhalter
Unfassbar-Prospekt Vallendar
... ausgestattet mit dem häßlichsten Oberschlingel-Prospekt im Bistum Trier ;-)
Obwohl das natürlich Geschmackssache ist.
Dabei stammt der Entwurf von der Architektin Maria Schwarz, der Witwe des bekannten Architekten Ruolf Schwarz, (die u. a. auch die Prospektentwürfe von St. Andreas und St. Marien im Kapitol, Köln,St. Vitalis in Köln-Müngersdorf, sowie der Paulskirche in Frankfurt erstellt hat), in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Architekten Gert Schaaf und Wolfgang Oberlinger. Wie groß der Anteil jeweils an der merkwürdigen Gestaltung mit dem Pseudo-Rückpositiv, das als einziges Register eine "Brüstungsflöte" enthält, läßt sich nur vermuten. (Viele Köche....)In der Festschrift steht übrigens klipp und klar: "Bei der Kirchenrenovierung 1962/66 wurden sowohl Empore (die wohl noch von 1841 stammte) als auch Orgel entfernt und verbrannt.". Wirklich unfassbar.
dieses vallendar wird mir immer unsympathischer. ich fand auf den bildern ohnehin, daß die kirche ziemlich komisch aussieht, nicht unbedingt einnehmend. offenbar herrscht dort ein böser geist. deswegen ist wahrscheinlich auch die gestaltung des neuen prospekts schiefgegangen. allerdings finde ich, das ist nicht mal ANNÄHERND strafe genug.
Vallendar - Sayn
In der Festschrift steht übrigens klipp und klar: "Bei der Kirchenrenovierung 1962/66 wurden sowohl Empore (die wohl noch von 1841 stammte) als auch Orgel entfernt und verbrannt.". Wirklich unfassbar.
Andere Zeiten...
In Trier ist z.B. Anfang der 70er eine Späth-Orgel mit 36 Registern, davon 18 im Schwellwerk, inkl. 3 vollbecheriger Schwellwerkzungen, der Ideologie ("Erneuerungsbetrebungen, die vom II. Vatikanum ausgingen") zum Opfer gefallen...
Zum Glück befindet sich in der Klosterkirche im benachbarten Bendorf-Sayn die von Klais vor einigen Jahren restaurierte Stumm-Orgel von 1778...
... die ordentlich "Schmackes" hat.
Meine erste Begegnung mit einer Stumm-Orgel bzw. einer mehr oder weniger erhaltenen Barockorgel.
Da ich vorher fast nur Orgeln der 50er- bis 70er-Jahre (alles dabei, von zu mild intoniert über wohlklingend bis schreiend) gespielt hatte, war das ein ziemliches Aha-Erlebnis.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
dieses vallendar wird mir immer unsympathischer. ich fand auf den bildern ohnehin, daß die kirche ziemlich komisch aussieht, nicht unbedingt einnehmend. offenbar herrscht dort ein böser geist. deswegen ist wahrscheinlich auch die gestaltung des neuen prospekts schiefgegangen. allerdings finde ich, das ist nicht mal ANNÄHERND strafe genug.
Die Oberlinger-Orgel ist zumindest klanglich auf jeden Fall ein schönes Instrument!
Vallendar - Sayn
Wobei man sagen muss, daß es schon 'ne Differenz dazwischen gibt, ein Gehäuse von 1758 zu verbrennen ... oder eine Orgel von 1925 zu ersetzen. Beides schlimm, aber das spielt schon in 'ner anderen Liga.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Tjaja, Oberlinger hat ja schon immer gerne mit dem Bösen paktiert ;-)
http://ip51cc4e92.adsl-surfen.hetnet.nl/scripts/wwwopac.exe?database=orgbase2&%250=...
Zwei Jahre vorher hat er Kirchen auf den Bahamas verorgelt, vielleicht konnte man da ja Verbindungen knüpfen ;-)
Vallendar - Sayn
Wobei man sagen muss, daß es schon 'ne Differenz dazwischen gibt, ein Gehäuse von 1758 zu verbrennen ... oder eine Orgel von 1925 zu ersetzen. Beides schlimm, aber das spielt schon in 'ner anderen Liga.
Vollkommen d'accord, aber das "Ersetzen" bestand in Trier aus einem kleinen, sparsam disponierten (nichtsdestotrotz ganz nett intonierten) Neobarock-Örgelchen im Altarraum, kein Vergleich zu der Späth, die wohl das Problem hatte, auf einer Empore zu stehen...
Unfassbar-Prospekt Vallendar
ich fand auf den bildern ohnehin, daß die kirche ziemlich komisch aussieht, nicht unbedingt einnehmend. offenbar herrscht dort ein böser geist.
Architekt war der hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Claudius_von_Lassaulx
Dessen Bauten werden hier in der Gegend hochgeschätzt und stehen praktisch alle unter Denkmalschutz.
Und was die Kirche angeht: es dürfte kaum einen Ort geben, der mehr kirchlich dominiert ist (im Vergleich zur Größe). Zuerst einmal gibt es eine theologische Hochschule am Ort:
http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophisch-Theologische_Hochschule_Vallendar
und ein großer Teil des Ortes ist der 'Hauptsitz der Schönstattbewegung':
http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nstattbewegung
Und wenn ich mich richtig erinnere: das, was da im Glaskasten ausgestellt wurde, war wirklich nur ein 'Pfeifensammelsurium'. Ich glaube, man muss sich damit abfinden, dass es halt auch 'Orgelsituationen' gibt, die so vermurkelt sind, dass ein Instrument unrettbar verloren ist. Eine Restaurierung hätte unter hohem Aufwand vielleicht eine Orgel ergeben, aber das Ergebnis als Stumm-Orgel zu bezeichnen, wäre eine Täuschung der Zuhörer.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Und wenn ich mich richtig erinnere: das, was da im Glaskasten ausgestellt wurde, war wirklich nur ein 'Pfeifensammelsurium'. Ich glaube, man muss sich damit abfinden, dass es halt auch 'Orgelsituationen' gibt, die so vermurkelt sind, dass ein Instrument unrettbar verloren ist. Eine Restaurierung hätte unter hohem Aufwand vielleicht eine Orgel ergeben, aber das Ergebnis als Stumm-Orgel zu bezeichnen, wäre eine Täuschung der Zuhörer.
Die allermeisten Pfeifen sind nach dem Festschrift-Artikel ja wohl irgendwie malträtiert, aber 15 Stumm-Register mehr oder weniger komplett erhalten. Gekonnt hätte man vielleicht schon...
Die Frage ist m.E. eher, ob man in dieser Kirche eine Stumm-Orgel "für ein Dorf" als Chor-Orgel gewollt hätte oder die aufwendige Rekonstruktion auf sich genommen hätte, um dann eine Orgel zu bekommen, die klanglich in der riesigen Halle nicht so überzeugen kann.
Gibt es so etwas anderswo - ein eher kammermusikalisch intoniertes / ursprünglich für einen kleinen Raum gebautes Instrument, das nach Translozierung in einem großen Gebäude wirklich überzeugend klingt? Vielleicht funktioniert so etwas bei CC, aber sonst?
Viele Grüße,
Martin
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Architekt war der hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Claudius_von_Lassaulx
Dessen Bauten werden hier in der Gegend hochgeschätzt und stehen praktisch alle unter Denkmalschutz.
Und was die Kirche angeht: es dürfte kaum einen Ort geben, der mehr kirchlich dominiert ist (im Vergleich zur Größe).
hm, zwei dinge sind für mich klar
1) wie die wikipedia-seite zeigt, hat auch herr von lassaulx als architekt besseres geschaffen als diese kirche. die ist irgendwie einfach nur (sehr) groß und dafür doch zu simpel, während seine großmaßstäbliche schlichtheit an anderen seiner bauten durchaus charmant wirkt
2) starke kirchliche präsenz schützt vor bösen geistern offenbar nicht! man könnte sogar auf den gedanken kommen, daß...
...aber ich sag mal nichts!
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Ich glaube man kann auch objektiv sagen: die Stumm-Orgel war für diesen kathedralartigen Raum schlichtweg erheblich unterdimensioniert. Weshalb man dann ja auch den Umbau in die Wege geleitet hat. Und ja, bisher kenne ich auch nur Orgeln von Cavaille-Coll, die mit so wenigen Registern ggf. in der Lage wären, diesen Riesenraum zu füllen. Aber das wäre dann ja ein völlig anderes Klang- und Intonationskonzept.
Evtl. als Vergleich: wie sieht es denn mit der Seifert-Chororgel im Speyerer Dom aus? Allerdings ist diese auch schon recht groß disponiert.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
In der Kirche der Hochschule der Pallottiner steht übrigens eine Orgel von Kemper.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
In der Kirche der Hochschule der Pallottiner steht übrigens eine Orgel von Kemper.
O ja, kenne ich. Da hatten wir C-Kurs-Schwerpunktwochenenden. In einer nicht allzu großen Kirche drei Positive übereinander geschichtet, bis hin zur None und zum Mofa 32' alles vorhanden. Eine schöne runde Flöte 8' im HW - sicher Altbestand :-)
Martin
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Dabei stammt der Entwurf von der Architektin Maria Schwarz, der Witwe des bekannten Architekten Rudolf Schwarz, (die u. a. auch die Prospektentwürfe von St. Andreas und St. Marien im Kapitol, Köln,St. Vitalis in Köln-Müngersdorf, sowie der Paulskirche in Frankfurt erstellt hat), in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Architekten Gert Schaaf und Wolfgang Oberlinger.
Der Vallendarer Prospekt ist ein schlagendes Beispiel dafür, dass Kreis und Halbkreis sehr unhandliche, schwer zu integrierende Architekturelemente sind, selbst in den Händen von Profis. Da stimmt einfach nix, so sehr sich die Gestalter auch gemüht haben.
Gruß,
Friedrich
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Und nebenan eine rel. grosse Orgel von Hugo Mayer in einer wunderschönen dusteren Betonblockkirche.
Unfassbar
"denkmalgerecht" ist nicht unbedingt das, was wir Orgelfans meistens darunter verstehen (wollen). Eigentlich würde es heißen: alles so konservieren wie es ist, bestenfalls spielbar machen. Die überaus aufwendigen Orgelrestaurierungen und -rekonstruktionen, deren Ergebnisse in unser aller Ohren klingen, werden zwar unter den Augen und unter Beratung der Denkmalpflege ausgeführt, sind aber strenggenommen gar nicht deren erstes Anliegen.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
tatsächlich finde auch ich die meisten Prospekte, die dominante Kreisbögen enthalten, problematisch. Das Exemplar in Vallendar halte ich trotzdem für ein durchaus gelungenes Beispiel. Über die postmoderne Gestaltungssprache kann man sicher streiten, aber ich finde, es ist beinahe alles souverän und überzeugend aufeinander abgestimmt. Die Großform des Bogens leitet sich aus der Architektur ab, die "Füllung" des Prospektes mit dem Mittelfeld unter konzentrischem Bogen und den flankierenden 16´-Pfeifen an gewohnter Stelle tut der Vertikalen gut, und das Schwellwerk ist mit Farbe und davorliegender, etwas nach Jugenstil anmutender Speichen-Struktur gut eingebunden, ohne als Loch zu wirken. Durch die pfeifenlose Fläche hat sogar die barocke Wappenkartusche genug Wirkungsraum. Ich finde, man sieht diesem Prospekt deutlich an, dass hier tatsächlich Profis am Werk waren, der Aussage "da stimmt einfach nix" möchte ich klar widersprechen, obwohl Friedrichs Ansichten häufig mit den meinen auf einer Wellenlänge liegen! Ein wenig zweifelhaft finde ich lediglich die Brüstungsflöte sowie die gespiegelten kleinen Pfeifchen auf Höhe der Hauptwerkslade. Man sollte das Objekt mal in situ betrachten...
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Und nebenan eine rel. grosse Orgel von Hugo Mayer in einer wunderschönen dusteren Betonblockkirche.
Ja, der Kirchenbunker des Freiherrn von Branca auf dem Berg über der Stadt:
Unfassbar
Bedeutet dies nicht - provokant gesagt - auch, dass Cavaille-Coll die Clicquot-Orgel in St. Sulpice 'verhunzt' hat und man diese wieder auf den Clicquot-Zustand zurückführen müsste?
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Es ist ja gar nicht die Disposition, die darüber entscheidet, ob der Raum klanglich gefüllt wird. Wer die kleine Orgel der Marktkirche in Halle erlebt hat, die vor einer riesigen Wand steht und sich klanglich erstaunlich gut entfaltet, merkt, dass andere Parameter wichtiger sind.
In Mainz gibt es in St. Bernhard eine kleine Cavaillé-Coll-Orgel, die mal eine Salon-Orgel war, und meines Erachtens zur Begleitung der Gemeinde nicht stark genug ist. Natürlich konnte CC mit wenigen Registern große Räume füllen, aber diese Orgeln waren dann eben gerade nicht als Salon-Orgeln konzipiert.
Andererseits kenne ich auch große Orgeln mit reichhaltiger Disposition, die den Raum nicht füllen.
Zu Vallendar:
Ich habe gerade von einem Orgelbauer erfahren, der sich die alten Stumm-Orgeln in Vallendar angeschaut hat, dass die Pfeifen extrem vermurkst sind und bei einer Restaurierung bzw. Rekonstruktion so weit wieder umgestaltet werden müssten, dass man gleich neue Pfeifen nehmen kann.
Unfassbar
So ist es.
Meine Tochter (Diplom-Restauratorin) beschaeftigt sich im Rahmen ihrer in Arbeit befindlichen Dissertation mit der Erhaltung historischen Kulturguts. Selten ist hier von "Gangbarmachung", vielmehr vom Erhalt des Originalzustandes die Rede.
Ein klassisches Beispiel fuer den Unterschied ist die zurueckliegende Forumsdiskussion ueber die Remterorgel des Magdeburger Domes.
Meine Tochter ist auch mit der Erforschung der Ursachen des "Bleifrasses" und seiner Behebung bzw. Praevention befasst, der auch an anderer Stelle eine Rolle spielt; z.B. bei der Konservierung von in Eichentruhen verwahrten Bleisiegeln.
Viele Gruesse
Nokuhn
Unfassbar-Prospekt Vallendar
ein schreckliches Ungetüm. Aber die Kirche der Pallottiner-Hochschule ist auch nicht gerade die gebaute Anmut ;-)
Vallendar ist zwar kirchenüberbelastet, aber nicht ästhetisch gesättigt...
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Zu Vallendar:
Ich habe gerade von einem Orgelbauer erfahren, der sich die alten Stumm-Orgeln in Vallendar angeschaut hat, dass die Pfeifen extrem vermurkst sind und bei einer Restaurierung bzw. Rekonstruktion so weit wieder umgestaltet werden müssten, dass man gleich neue Pfeifen nehmen kann.
Wie ich es schon vorher angedeutet hatte: es gibt halt auch Orgeln, die sind unrettbar verloren. Eine etwaige Konstruktion könnte man nicht mehr guten Gewissens als Stumm-Orgel bezeichnen.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Die Oberlinger-Orgel ist zumindest klanglich auf jeden Fall ein schönes Instrument! <<
Dem kann ich voll und ganz zustimmen! Auch eine schöne CD mit "Wassermusik" (mit Josef Still an der Orgel) ist erhältlich...
Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
Unfassbar
"denkmalgerecht" ist nicht unbedingt das, was wir Orgelfans meistens darunter verstehen (wollen). Eigentlich würde es heißen: alles so konservieren wie es ist, bestenfalls spielbar machen. Die überaus aufwendigen Orgelrestaurierungen und -rekonstruktionen, deren Ergebnisse in unser aller Ohren klingen, werden zwar unter den Augen und unter Beratung der Denkmalpflege ausgeführt, sind aber strenggenommen gar nicht deren erstes Anliegen.
Ja, Orgeln sind nun einmal auch Gebrauchsgegenstände.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Mit ein wenig gutem Willen geht das schon. ;-)
Unfassbar
Eben. Da habe ich immer mal wieder so meine Bedenken, wenn es beim Denkmalschutz so gar nimmer um die Funktionsfähigkeit geht. Die meisten Objekte des Denkmalschutzes sind eben für eine Funktion entstanden. Natürlich gab es Änderungen der Nutzung zu allen Zeiten, z.B. Gebäude. Und da wird in den meisten Fällen ein Kompromiß gefunden zwischen modernen Nutzungsanforderungen und dem Denkmalschutzanliegen. Ein Musikinstrument ist in meinen Augen, oder besser Ohren, aber ein Objekt, dessen Funktion, also Hörbarkeit, seine Existenz extrem stark begründet. Wenn man sich da denkmalpflegerisch nur noch auf die Erhaltung der Sichtbarkeit zurückzieht, finde ich das mindestens diskussionsbedürftig.
Zuweilen ist das Denkmalamt ja schon zufrieden, wenn der Prospekt erhalten bleibt. Dann darf innen rumgewerkelt werden, wie man mag. Liegt es vielleicht daran, daß in der Ausbildung der (Kunst-)Historiker und Denkmalpfleger Musik nicht besonders gewichtet wird?
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Ich finde den Umschwung im Text interessant...
im ersten Teil wird die Oberlingersche Restaurierung/Rekonstruktion gelobt, ab dem Abschnitt "Ein neuer Anlauf" ist dann aber doch irgendwie alles Mist gewesen und wird geändert :P
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Aber nein! Es war alles ganz gut und so. Nur: Das Gute ist der Feind des Besseren. Und jetzt haben wirs wunderbar besser - vorläufig halt. ;-)
Wichtig ist aber vor allem, daß eine Stumm-Orgel nicht verstummt. Das wäre dumm für Stumm.
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etwas ähnliches wäre dem hier angebotenen Pfeifenmaterial auch zu wünschen...
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Mit ein wenig gutem Willen geht das schon. ;-)
Aber es ist trotzdem keine Stumm-Orgel mehr. Nach der ersten Renovierung durch Oberlinger (unter Hinzuziehung von ausgewiesenen Stumm-Experten) ging man doch auch sicher davon aus, jetzt wieder eine 'Stumm-Orgel' zu haben. Um dann nur einige Jahre später festzustellen, dass man wieder nachbessern musste, um jetzt aber endlich eine 'Stumm-Orgel' zu haben. Aber ist das nicht nur ein schöner Schein? Wenn das Original verloren ist, ist nun mal das Klangbild für immer verloren.
Da kann man auch genausogut von einer Hauptwerk-Installation behaupten, dass man jetzt eine 'Cavaille-Coll-Orgel' hätte. Wobei der Originalklang von Hauptwerk wahrscheinlich noch besser nachgebildet wird.
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Hier wird nirgends behauptet, eine Stumm-Orgel zu haben!
Im Text wird klar geschildert, dass das Ziel war, einen Neubau in Stummscher Tradition mit dem vorhandenen Stummschen Pfeifenmaterial zu verwirklichen, keine Restaurierung
Und das ist (wenn es denn gut gemacht wird) bei weitem besser, als einen kompletten Neubau und das vorhandene historische Pfeifenmaterial ins Altmetall zu werfen.
Was Hauptwerk angeht: Mit Hauptwerk hat man keine Cavaille-Coll-Orgel, sondern nur eine Aufnahme einer solchen, und dass die nah an der echten Orgel ist, ist selbstverständlich (gute Aufnahme und Wiedergabe vorausgesetzt)
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Wenn das Original verloren ist, ist nun mal das Klangbild für immer verloren.
André Fleury sagte mir mal: "Man kann ein Kunstwerk nicht zum zweiten Mal erschaffen."
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Wenn das Original verloren ist, ist nun mal das Klangbild für immer verloren.
André Fleury sagte mir mal: "Man kann ein Kunstwerk nicht zum zweiten Mal erschaffen."
So ist das! Diese ganzen Märchenstunden mit angeblich wiederauferstandenen Orgeln sind milde ausgedrückt Augenwischerei, etwas deutlicher gesagt Etikettenschwindel.
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also sollte man in dem Fall, wo noch verändertes Originalmaterial da ist, das so belassen (dann quasi als romantische Stummorgel) oder wegschmeißen?
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bin völlig derselben Meinung. Drum hab ich ja auch den guten Willen bemüht.
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Und das ist (wenn es denn gut gemacht wird) bei weitem besser, als einen kompletten Neubau und das vorhandene historische Pfeifenmaterial ins Altmetall zu werfen.
Was Hauptwerk angeht: Mit Hauptwerk hat man keine Cavaille-Coll-Orgel, sondern nur eine Aufnahme einer solchen, und dass die nah an der echten Orgel ist, ist selbstverständlich (gute Aufnahme und Wiedergabe vorausgesetzt)
Ja klar, wegwerfen soll man sie natürlich nicht. Aber auch wenn man noch so gut erhaltene historische Pfeifen hat: Sie wurden immer wieder gestimmt, Fußlöcher setzten sich vielleicht langsam etwas zu oder wurden wieder erweitert, es setzte sich Schmutz ab, sie wurden gereinigt, vielleicht auch stärker überarbeitet. All das hat die Intonation verändert und wir wissen nicht mehr wie sie GANZ genau war.
Jede Restauration ist nur ein Versuch einer Annäherung an einen vermuteten Originalklang, den wir eben nicht mehr genau kennen.
Bei Hauptwerk haben wir immerhin die Vergleichsmöglichkeit zwischen Originalklang und der Imitation. Wir wissen also besser, wie weit Original und Imitat auseinander sind.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
also ab jetzt keine Orgeln mehr Restaurieren, sondern alles historische Pfeifenmaterial in Schaukästen stellen?
Und der Vergleich einer Orgelrestaurierung/Rekonstruktion mit Hauptwerk hinkt vorne und hinten... Hauptwerk ist nur eine Aufnahme einer Orgel, nichtmal eine Kopie, da fehlen immernoch viele im Original vorhandene Kleinigkeiten, die nicht mit gesampelt werden (können), z.b.
-Raum/Hall/Akustik
-Mischung von Registern (es werden nur Einzelpfeifen gesamplet)
usw.
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Woher will man das denn wissen?
Ohne jetzt euren Quellen auf die Füße treten zu wollen, aber: Daß man Dinge manchmal vorschnell als "unrettbar verloren" bezeichnet hat, auch ohne böse Absicht, ist ja nun nicht gerade außergewöhnlich.
Und auch ein völlig verranztes altes Haus bleibt ein Denkmal. Bei der Denkmalpflege gehts nicht immer darum, was sich "lohnt", sondern welchen ideellen Wert etwas hat. Das muss man hier hoffentlich nicht extra erklären.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Wenn man so will, ist dann jede Orgel ab der ersten Reparatur schon kein "Original" mehr.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Zu deutsch: Lasst es doch einfach und baut brav nur noch die modernen "symphonischen" Kisten, die wir alle momentan so lieb haben?
Das könnte euch so passen! ;-)
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aber nein. Die sollen ruhig klingen. Aber man muß halt auch zugeben, daß es nur eine Annäherung ist.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Zu deutsch: Lasst es doch einfach und baut brav nur noch die modernen "symphonischen" Kisten, die wir alle momentan so lieb haben?
Es gibt zwei Arten von Narren:
Der eine sagt: "Dies ist alt und deshalb gut",
der andere sagt: "Dies ist neu und deshalb besser".
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Wie oft wollen wir das denn noch durchkauen?
Die meisten Verantwortlichen solcher Projekte können hinter vorgehaltener Hand natürlich auch zugeben, daß es nur 'ne Annäherung ist.
Aber wenns darum geht, so etwas zu finanzieren, dann muss man halt Werbung machen.
Und daß die Ergebnisse klanglich trotzdem meistens wertvoller sind, als ein stilistisch "universaler" nichtssagender Neubau, das bestreiten ja auch meistens nur wenige.
Soll man solche Projekte wegen solcher Definitionsstreitigkeiten besser bleiben lassen?
Wenn man eure Defionition zugrundelegt, dann sind die Orgeln in Norden und Hamburg auch Ahrend-Orgeln und keine Schnitger-Orgeln. Dann gibt es schlechterdings keine Schnitger-Orgeln mehr.
Trotzdem werden auch die wenigsten hier bestreiten, daß die Annäherung an den Schnitger-Zustand durch Ahrend vermutlich sehr gelungen ist und als exemplarisch gelten kann. Deshalb ist es legitim, die Orgeln für den "täglichen Gebrauch" als Schnitger-Orgeln zu bezeichnen.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
das wird doch in dem obigen Text um den es gerade geht, mehr als klar dargestellt...
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Wie oft wollen wir das denn noch durchkauen?
Solange wir dazu Lust haben :-). Man darf, muß aber nicht mitkauen.
Die meisten Verantwortlichen solcher Projekte können hinter vorgehaltener Hand natürlich auch zugeben, daß es nur 'ne Annäherung ist.
Aber wenns darum geht, so etwas zu finanzieren, dann muss man halt Werbung machen.
Also rechtfertigt der Finanzbedarf das Flunkern?
Und daß die Ergebnisse klanglich trotzdem meistens wertvoller sind, als ein stilistisch "universaler" nichtssagender Neubau, das bestreiten ja auch meistens nur wenige.
Geschmacksache. Da gehen die Meinungen in den Einzelfällen ja doch oft sehr auseinander.
Soll man solche Projekte wegen solcher Definitionsstreitigkeiten besser bleiben lassen?
Nein gar nicht. Aber Roß und Reiter nennen.
Wenn man eure Defionition zugrundelegt, dann sind die Orgeln in Norden und Hamburg auch Ahrend-Orgeln und keine Schnitger-Orgeln. Dann gibt es schlechterdings keine Schnitger-Orgeln mehr.
So ist es. Es gibt nur noch Orgeln, die einer Schnitgerorgel sehr sehr nahe kommen. Und ich finde es toll, daß es sie wenigstens in diesem Zustand noch gibt.
Trotzdem werden auch die wenigsten hier bestreiten, daß die Annäherung an den Schnitger-Zustand durch Ahrend vermutlich sehr gelungen ist und als exemplarisch gelten kann.
Eben. Vermutlich. Da müssen wir die Meinungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte abwarten. Der Stein der Weisen wurde ja schon oft gefunden. Warum soll er nicht noch einmal gefunden werden?
Deshalb ist es legitim, die Orgeln für den "täglichen Gebrauch" als Schnitger-Orgeln zu bezeichnen.
Das könnt jetzt glatt katholisch argumentiert sein ;-)
Damit keine Irritationen entstehen: Ich finde Restaurationen und die diversen Versuche der Annäherung durchaus wünschenswert. Und daß das ein ständig unvollkommenes Bemühen bleiben wird, tut dem keinen Abbruch, darf aber auch ohne vorgehaltene Hand gesagt werden und öfters gekaut werden :-)
Und vielleicht ist ja der höchste Gewinn all dieser Bemühungen gar nicht die möglichst authentische materielle Wiedergewinnung eines ganz oder in Teilen verlorenen Instrumentes, sondern das bei diesem Tun über Stumm oder Schnittger Gelernte.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
ich bezog mich da nicht auf den Text, sondern auf Deine (rhetorische) Frage.
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okay, dann haben wir etwas aneinander vorbeigeredet ;)
Unfassbar-Prospekt Vallendar
Das ist nicht "katholisch" argumentiert, sondern eher seelsorgerlich.
Wenn man den Leuten keinen musikalischen Einheitsbrei bieten möchte und sie somit völlig von der Orgelmusik entfremden will, dann muss man ihnen eben manches Vorhaben auch schmackhaft machen.
Und, daß im Orgelbau, wie in wenig anderen kulturellen Bereichen, vorne und hinten geflunkert wird, obs dabei jetzt um "Rückführungen auf den Originalzustand" oder "Unreparierbarkeit" oder "liturgische Sachzwänge" geht, wenn man auf Biegen und Brechen einen symphonischen Neubau durchsetzen will ... das wissen wir alle.
Daß man sich modifiziert mitteltönige Stimmungen in den letzten Jahren mit ein paar Tricks als irgendwie "historisch", unabhängig von Region und Schule, schönreden wollte, weil man Angst vor der reinen Mitteltönigkeit hatte, ist ja auch bekannt.
Und daß man in den 60ern mit romantischen Orgeln ähnlich verfahren ist, wissen wir auch alle.
Man hat nur manchmal das Gefühl, daß letztlich doch der individuelle Geschmack darüber entscheidet, wo man "Aua!" schreit und wo nicht.
Das ist jetzt auf keine Person speziell bezogen, aber einfach auf einen gefühlten Mainstream.
Wenn irgendwo eine aufwändige annähernde Rekonstruktion als "Reinkarnation" der Ursprungsorgel verkauft wird, weil sonst viele Interessierten nicht mehr folgen könnten, bzw. gar nicht erst darauf aufmerksam würden ... dann kommen die Wahrheitsverfechter aus allen Löchern. Siehe Halberstadt.
Aber wenn irgendwo mit diffusen Begründungen die tausendunderste symphonische Cavaille-Coll/England/Spätromantisch/Tuba schmalzificale/mit "barockem" Positiv - Großorgel aus dem Bauholz geschält werden soll, dann legt man selbst gerne mit die Axt an die Vorgängerorgel und lässt sich bereitwillig jeden Superlativ verkaufen.
Vielleicht wärs hilfreich, wenn nicht nur gefordert werden würde, daß beim Umgang mit historischen oder historisierenden Orgelbauten etwas mehr tiefgestapelt wird ... sondern wenn man auch mal zugestehen würde, daß man in der Orgelwelt selbst nicht selten flunkert und hochstapelt, wenns darum geht, den eigenen Geschmack zur Geltung zu bringen.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
da fehlen immernoch viele im Original vorhandene Kleinigkeiten, die nicht mit gesampelt werden (können), z.b.
-Raum/Hall/Akustik
-Mischung von Registern (es werden nur Einzelpfeifen gesamplet)
usw.
Das stimmt nicht. Die samples werden mit und ohne Raumauskustik gemacht.
Hör mal in das sample der C.C-Orgel in der Madeleine, Paris rein!
http://www.youtube.com/watch?v=ZyYE7uv6taY
Ich denke da gibt es genug "originale" Raumakustik.
Unfassbar-Prospekt Vallendar
natürlich werden die Samples im Raum aufgenommen... trotzdem hat man nicht den Raum der klingt bzw. in dem es klingt...
Ich meine es wäre Cavaille-Coll selbst gewesen, der gesagt hat: Das wichtigste Register einer Orgel ist der Raum!
Unfassbar-Prospekt Vallendar
So gesehen, wäre jede CD-Einspielung hinterfragbar.
Ich bin zwar kein ausgewiesener Freund von elektronischen Kathedralimitationen auf einer Dorfkirchenempore. Aber als quasi interaktives Klangarchiv einer Orgel würde ich diesen Hauptwerksachen schon eine Berechtigung zugestehen wollen.
Unfassbar
Zuweilen ist das Denkmalamt ja schon zufrieden, wenn der Prospekt erhalten bleibt. Dann darf innen rumgewerkelt werden, wie man mag. Liegt es vielleicht daran, daß in der Ausbildung der (Kunst-)Historiker und Denkmalpfleger Musik nicht besonders gewichtet wird?
Das könnte ich mir gut vorstellen. Man beachte, wie wenig Raum den Orgeln in diversen Kunstführern gewidmet wird (auch in solchen Standardwerken wie den Dehio-Handbüchern), und selbst diese Angaben sind manchmal fehlerbehaftet.
Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass in so einem "Standardwerk" das Gehäuse einer Orgel ins 18. Jahrhundert datiert wurde, obwohl es sich um eine Stilkopie aus dem späten 20. Jahrhundert handelte.
Gruß, Florian
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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-