Ahrend-Orgel in Gütersloh - kennt jemand?

Exposition, Montag, 20. Mai 2013, 10:38 (vor 4852 Tagen) @ stein

Ja, ich hab mir auch überlegt, ob ich diese Antwort borniert finden soll. ;-)

Ich jedenfalls kenne diese Ahrend-Orgel, die Stahlhut aber übrigens auch. Beides sind herausragende Instrumente, die Gütersloher für mich aber noch mehr.

Man vergegenwärtige sich, dass dieses Instrument aus den 60ern ist und vergleiche mit Zeitgenossen. In nächster Nachbarschaft haben wir hier Steinmeyer III/58, 1956, Ott II/24, 1954 und eben besagt Metzler und Ahrend aus dieser Zeit.

Die Steinmeyer schneidet am schlechtesten ab, was vermutlich mit an einer missglückten Restaurierung der 90er liegt, in der die Winddrücke erhöht wurden. Die Orgel knallt nun förmlich in diesem nicht allzu großen Raum. Geblieben ist aber eine stumpfe Intonation mit einem Dispositionskonzept, welches wohl die Missverständnisse und Idiologien der Orgelbewegung hier besonders verdeutlicht. Technisch ist diese Orgel allerdings gar nicht schlecht! Die Ott-Orgel schneidet besser ab, obwohl die technisch recht bedenklich ist. Die Traktur kann man gar nicht mehr wohlwollend beschreiben, die Pfeifen sind instabil gebaut, der Propekt ist scheußlich (finde ich). Aber der Klang ist "nett", irgendwie frisch, farbig, und ja: auch bezaubernd.

Nur wenige Jahre später liefter Metzler hie seine erste Orgel für Deutschland ab. Ein Meisterwerk. Volle Prinzipale und richtig gute Zungen. Leider noch mit Ladenbälgen, also recht hartem Wind, weswegen ich die Ahrend Orgel, nur zwei Jahre jünger noch besser finde.

Die Ahrend-Orgel aber ist eine Pracht. Wunderschön singende Prinzipale, sehr farbig, entspannt. Die Zungen sind eine ganz neue Welt. Die Traktur hilft einem vom ersten Ton an, präzise, artikulierfreundlich, und: toller Wind, der dem Instrument besonders Leben verleiht.
Sicherlich hört man dieser Orgel an, dass sie aus der Neo Zeit kommt, aber das darf man ja auch... oder?


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