Marienkirche Lübeck

Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 16. Mai 2013, 11:41 (vor 4853 Tagen)

Möge dieser Thread künftig sich in Abständen mit Interessantem füllen.....

Aaaalso: War vor einer Woche in Lübeck, wg. Buxtehude-Gesellschaft, Jahresversammlung. Zunächst hörte ich Gutes über die renovierte große Schuke der Jakobikirche - unter dem Titel "Der Neue Klang" gibt es demnächst Veranstaltungen. Die Orgel wurde von Flentrop überarbeitet. Eine neue Windanlage gibt es, einen echten 32-Fuss und eine neue elektr. Koppel, SW/RP. Das Übliche, könnte man sagen, aber die Stimmen reichten von wohlwollender Anerkennung bis Bgeisterung ("Das ist eine ganz neue Orgel!").
Vielleicht macht sich ja jemand demnächst selbst ein Bild.

Hier gehts aber eigentlich um Marien. Da hörte man zur Orgelfrage vor Ort nur, dass die Sache jedenfalls noch nicht die ganz große Fahrt aufgenommen hat. Unklar war auch die Reihenfolge, in welcher die Orgeln angegangen werden sollten.
Aber ich zitiere nun aus einem Mailing von Marienorganist Johannes Unger, das vorgestern hinausging:

"Es zeigt sich in der Gegenüberstellung der “Organisten-Musik” (Ensemble um
den Organisten) und der Orgelmusik (ausgeführt an der Kemper-Orgel), dass
die Marienkirche sich auf den Weg einer neuen Orgel begeben muss (Erste
Schritte werden bereits getan). Denn im direkten Vergleich mit dem Wohlklang
der Zinken, Posaunen, Trompeten und der Streicher kann das Instrument von E.
Kemper nicht mithalten. Das Orgel-Projekt, gemeinsam mit einem neuen
Standort für die “Organisten-Musik”, den Emporen, wird eine lohnenswerte
Aufgabe für die Zukunft sein."

Hier wird nun doch ausgesprochen, dass die berühmten Emporen eventuell wiederauferstehen könnten. Vielleicht in aktueller Ästhetik und Technik (Köln, Regensburg) als bedarfsweise durch Öffnungen im Gewölbe aufziehbare?
Denn die Denkmalpflege würde wohl kaum einer Rekonstruktion zustimmen, auch wenn nicht weit weg in Stralsund je zwei Emporen in Nikolai (nicht ganz ähnlich den Lübeckern) und vor allem zwei in Marien, inzwischen auch wieder mit eigenen Tasteninstrumenten (Kleinorgel und Regal), immer noch existieren.

Ich fände das jetzt richtig cool:
Vier Emporen sind abgeseilt auf dem Kirchenboden - kurz vor Konzertbeginn betreten die MusikerInnen die Emporen, die Türen werden verriegelt, und die langsame Auffahrt beginnt. Die Blicke des Publikums folgen. Vorsicht, nicht schaukeln, nicht an den Fresken scheuern!
Dann sind die Interpreten (räumlich) am Ziel. Es wird nachgestimmt - schon jetzt ist das Publikum von der Klangstreuung begeistert. Und dann....

(Ohrenzeugen der Vorkriegssituation bekräftigen, dass gesungener Text nur von den Emporen herunter verständlich war. Ich hatte auf dem Kirchentag jüngst selbst die Möglichkeit, in der Anglikanischen Kirche eine erstaunlich gelungene "Klangdusche" einzurichten, in dem wir den Chor auf fast voller Länge auf die beiden den gesamten Raum umspannenden Seitenemporen aufstellten. Die niedrige Decke half allerdings)

Schräg (wahrlich) wird es mit schwebenden Emporen, wenn von den, sagen wir, vier Seilen pro Empore eines mal nicht gleich schnell mitläuft und sich zunächst unbemerkt die schwebende Empore neigt, doch dann...Oh oh oh...

Dieses Forum wird die Entwicklung, vor allem natürlich eines Orgelneubaus, sicher mit größtem Interesse verfolgen!

Schön war's wieder in Lübeck, und ich bin gespannt, wann die in Marien erstmals die perfekten räumlichen Bedingungen für einen richtig guten, klassischen Evensong nutzen... Der Knabenchor und die zwei nötigen Profimusiker sind ja vorhanden.


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