Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche
Hallo Forum,
Weiß jemand, ob man der Familie Bönig inzwischen zur Geburt des zweiten Kindes gratulieren kann? Die kündigte sich nämlich nicht ganz plangemäß am Abend des 17.05. an, so daß Bönig sein Konzert am 18.05. in der Auferstehungskirche ganz kurzfristig absagen mußte: Ideo venire non possum.
Thorsten Göbel legte eine Nachtschicht ein und präsentierte alles andere als ein “Ersatz”-programm. Zu Beginn gab es von Hans Uwe Hielscher (*1945)Variationen über “Frère Jacques” für große Orgel op. 9 (1982). Es wäre ein Leichtes gewesen, diese einfache Weise zu Tode zu reiten. Klug aber vermeidet Hielscher diese Gefahr. Das Thema kommt immer wieder geschickt versteckt daher, so daß es nicht aufdringlich wird. Gleichzeitig gibt es eine veritable Orgeldemonstration: Göbel hatte neben den Tempo- und Taktbezeichnungen auch die Registrierungen im Programmzettel vermerkt. So war das Ganze im besten Sinne kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich zugleich.
An zweiter Stelle stand die “Cat-Suite” für Orgel (2005) von Denis Bédard (*1950). Der gedenkt darin seiner Katze, die immerhin 21 Jahre gelebt hatte. Aber nicht ohne Humor: Das “Prrrelude”, eine Art Guilmantscher Trauermarsch in A-B-A-Form, erinnerte an ein Schmusetier. Scherzohaft danach “Cats at Play”. Ruhig mit Oboe aus dem fast geschlossenen SW eine “Catmap”. Und zum Schluß - alles war halt sehr französisch angehaucht - eine “Toc-cat-ta”. Musikalisch nichts revolutionäres, nichts modernes, ziemlich konventionelles; aber doch sehr dekorativ. Für Katzenhalter unter den Organisten gewiß ein Repertoire-Muß.
“In Truitina” hieß der kurze ruhige Satz aus Orffs Carmina burana, der als Zwischenspiel vor der großen Symphonie diente. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint. Denn die Komposition von Robert Hebble (1934) weiß mit Ernsthaftigkeit für sich einzunehmen: Symphonie of Light (Riverside Church, New York, 1986). Vier Sätze (I Maestoso, II Playfully, III Lento, IV Allegro brillante) haben Bibelzitate vorangestellt. Es beginnt mit Joh. 5, 35 (Er war ein brennendes Licht...), geht über Psalm 148,3 (Lobet ihn, Sonne und Mond...) zu Jesajah 9,2 (Das Volk, das im Finstern wandelt...) und Jesajah 60,1 (Mache dich auf, werde licht...). Im zweiten Satz wird über ruhigen, streichenden Akkorden immer wieder aus der Melodie “Wie schön leuchtet der Morgenstern” zitiert. Das Lento ist eine großartige Darstellung der Finsternis mit Helligkeitsausbruch (beim Text denkt man sofort an den Messias und die suchende Baßarie “The Poeple that walked in darkness...”). Und auch der Schlußsatz ist kein Blender. Brillant ja, aber kein billiger Jubel. Göbel hatte das Ganze bestens durchdacht und gekonnt dargestellt.
Es gab andauernden, heftigen Beifall der knapp 100 Hörer. Zugabe “Reie” aus Carmina burana. Mit Glockenspiel. Schöön.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
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- Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche - Clemens Schäfer, 18.05.2011, 20:07
- Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche - tiratutti, 19.05.2011, 08:03
- Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche - Clemens Schäfer, 19.05.2011, 09:58
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