3 x neu, Prof. Schmeding, Neanderkirche, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 06. Mai 2013, 10:44 (vor 4863 Tagen)

Hallo Forum,

vierzig Jahre hatte Oskar Gottlieb Blarr (*1934, Prof. und KMD, von 1965-1999 Neanderkantor) in Düsseldorf Konzerte unter dem Titel “3 x neu” veranstaltet. Sie waren ein Forum für zeitgenössische Kompositionen. Jetzt schließt Blarr dieses Kapitel seines Lebensweges ab und veröffentlicht im November ein mehr als 200 Seiten starkes Buch mit einer Rückschau auf dieses sein Wirken. Am 05.05.2013 gab es in der Neanderkirche noch eine “3 x neu”- Zugabe - ein Konzert mit Prof. Martin Schmeding, der einen Reigen moderner Werke aufführte. Die Komponisten hießen George Crumb (*1929), György Ligeti (1923-2006), Gustavo Delgado Parra (*1963), Wolfgang Rihm (*1952), Jacqueline Fontyn (*1930), Manfred Niehaus (1933-2013), Jan Esra Kuhl (*1988), Oskar Gottlieb Blarr (*1934) und Hans-Joachim Hespos (*1938).

Mit Pastoral Drone von (Crumb,1982) eröffnete Schmeding das Konzert. Hart und im Fortissimo wurden die Dudelsack-Orgelpunkte gesetzt. Gleißend darüber virtuose Figuren. Die Neanderorgel zeigte ihren ganzen Biß, aber auch ihre Variabilität. Das sollte sich den ganzen Abend hindurch fortsetzen.

Sehr eindrucksvoll zwei Werke von Ligeti: Harmonies (1967) und Couplée (1969).Im ersten Stück hatte Schmeding einen achtstimmigen Klangteppich zu legen, dessen Farben weitgehend vom Registranten bestimmt wurden. Der zog die Register viertel, halb, dreiviertel auf, zu auf, zu - und regulierte so die Windzufuhr. Eine schöne Zusammenarbeit. Im zweiten Stück ein sich langsam veränderndes Weckerklingeln, ein Maschinenlauf, der sich in höchste Höhen hinaufschraubte und dann abbrach.

Etwas bodenständiger danach “Ab ortu solis ad occasum” (Parra 1997) . Zuerst wurde wohl die etwas unruhige Nacht dargestellt, dann ging die feurige Sonne auf. Schließlich lag Hitze mit bleierner Schwere im Raum, immer legato. Und so ging die Sonne auch unter. Man muß die Sonne Mexikos wohl kennen, hierzulande sieht der klimatische Tagesablauf meist anders aus.

Mit Rihm, Toccata (kurz), Fuge (interssantes Thema, filigran beginnend, Steigerung der Registrierung in den mehrfachen Themendurchläufen) - beides von 1972 und dem nachkomponierten Postludium (2012) ging es weiter.

Enluminures (2000) hieß das Stück von Fontyn. Feine Harfenglissandi über Klangflächen, später einige heftigere Ausbrücke.

Dann folgten 10 Blätter für die Orgel der Halgrimskirche von dem erst kürzlich verstorbenen Manfred Niehaus. Schmeding ließ die Miniaturen rasch aufeinander folgen, so daß ich den Faden leider verlor. Jedenfalls gut hörbare Musik mit dem Gebrauch auch weicher Orgelregister. Das Werk wurde aus Anlaß der Orgelweihe dort geschrieben und in einem Wettbewerb aufgeführt.

Nun gab sich der Registrant als Jan Esra Kuhl zu erkennen. Mit einem weiteren Helfer assistierte er Schmeding bei seiner Komposition “Kontra-Ton” (2011). Wie auch schon in einigen Werken zuvor und im Nachfolgenden avancierte der Schalter für den Windmotor zum wichtigen Bedienteil. Mitunter wurde der nur angetippt, so daß die Orgel kurz Luft schöpfen konnte, aufbrach in Cluster, dann aber wieder einbrach in Windarmut und Röcheln. Ein schon erschröckliches Hin und Her, weidlich ausgekostet von den drei Mitwirkenden.

Mit “Estampie II”, Pedal Solo “Stantes erant pedes nostri tui Hierusalem” (2011) von Blarr ging es weiter. Auch hier geschäftiges Treiben an den Registerzügen, Pedalglissandi. Verwendung von Estampie aus dem Robertsbrigde Codex.

Den Abschluß machten Hespos’ “Luftschattengelichte” für Orgel (2011). Die begannen mit dem Schlußakkord von BWV 565 und improviserten sich unterstützt durch zahlreiche Knalleffekte (gespannter Gummi gegen Holz?), Schlagzeugeinlagen (Hände, Metallstäbe gegen Orgelgehäuse und Orgelbank von Spieler und Registrant). Ein wildes Getümmel.

Schmeding hatte Großes geleistet. Überwiegend wohl unspielbare Orgelmusik. Und Kuhl hatte trefflich mitgearbeitet. Die Orgel hatte einiges auszuhalten (insbesondere des häufige Ein- und Ausschalten), bewährte sich aber wiederum als treffliches Instrument.

So gab es verdient anhaltenden Beifall der vielleicht 50 Hörer. 120 Minuten ohne Pause.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

3 x neu, Prof. Schmeding, Neanderkirche, D-Altstadt

Florian-L, Dienstag, 07. Mai 2013, 06:45 (vor 4863 Tagen) @ Clemens Schäfer

Sehr eindrucksvoll zwei Werke von Ligeti: Harmonies (1967) und Couplée (1969).

recte: Coulée

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

powered by my little forum