HIOB mit Abendroth/Boelzle in. d. Auferstehungskirche

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 01. Mai 2013, 19:23 (vor 4868 Tagen)

Hallo Forum,

HIOB ist eine ziemlich grausame Geschichte mit gutem Ende. Nach den Prüfungen durch den “Hinderer” (Buber für Satan) gibt Er (Buber für Gott) u.a. drei schöne Töchter und einen Schluß in A-Dur. Petr Eben hat die Geschichte vertont in acht Bildern. Wolfgang Abendroth spielte den Zyklus im vierten Konzert des 9. Oberkasseler Orgelfrühlings. Mit dabei Wolfram Boelzle, Schauspiel Essen, als Sprecher. Der las aus der Übersetzung von Martin Buber Auszüge aus dem Buch Hiob. Textverständlichkeit - na sagen wir, nicht auf allen Plätzen gleich gut. Das lag gewiß nicht am Sprecher, eher an dessen Abstand zum Mikrofon. Vielleicht hätte er noch besser ohne Verstärkung (von der Kanzel) gesprochen. Die nötige Stimmkraft war jedenfalls vorhanden.

Sei’s drum, die Musik war eh’ die Hauptsache. Ebens Komposition ist vielfach geerdet in Gregorianik, Choral, herkömmlichen Formen wie z.B. Passacaglia (Nr. 4). Und so kommt man mit der modernen, aber nicht atonalen Tonsprache gut zurecht. Abendroth dosierte zudem die Dynamik vorsichtig. Neben wenigen Forte-Ausbrüchen gab es vor allem viel ziselierte Feinarbeit im Piano und Pianissimo zu hören. Wunderbar, was das Instrument hier zu bieten hat.

Besonders bemerkenswert war der ganz vorsichtige Dur-Schluß der Nr. 3, die das Thema von “Wer nur den lieben Gott läßt walten” durchführt. Oder die letzte Variation der Nr. 4 an der Hörgrenze. Herrlich zwingend auch der Zieleinlauf am Ende. Insgesamt hatte Abendroth offenbar viel Arbeit in genaue Registrierung und Klangregie gesteckt. Ein tolles Werk und eine hervorragende Wiedergabe.

Am Ende gab es dankbaren, anhaltenden Beifall. Wer befürchtet hatte, daß ein bevorstehendes Fußballspiel, das sperrige Sujet, ein konzertfüllendes Werk allein und ein moderner Komponist viele vom Kommen abgehalten hätte, sah sich eines Besseren belehrt: Rund 90 Hörer waren erschienen und blieben gebannt - nur drei verließen die Kirche vorzeitig. Allerdings war der Altersdurchschnitt hoch.

Gruß Clemens Schäfer

nächstes Konzert dieser Reihe: 08.05.2013, 18:30h, Eintritt frei: Iris Rieg, Köln (Latry, Salve Regina - BWV 654 - Bizet-Lemare, aus Carmen - Franck, Choral a-moll - Dupré, Op. 40.2)

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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