Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel
Hallo Forum,
Barry Jordan hatte Zeit mitgebracht. Zwei Tage war er schon in Düsseldorf. Genug Zeit also, die Sauer-Orgel der Auferstehungskirche von 2004 (ja, wir haben bereits den 9. Oberkasseler Orgelfrühling!) kennenzulernen. Und das tat dem Konzert am 10.04. hörbar gut.
“Fourths Mostly” (übersetze ich das richtig mit “meistens Quarten”?) (Für Birmingham 2001) von Michael Nyman stand am Anfang. Dieser Vertreter der Minimal-Music (und Erfinder des Begriffs) hat hier ein raffiniertes Stück geschrieben, das einerseits eine Orgeldemo ermöglicht, andererseits aber das typische Merkmal diese Musikrichtung enthält: Beinahe stures Beharren auf einer Grundidee, dabei aber mehr oder weniger bemerkbare Verschiebungen im Untergrund. Dem beim Hören nachzuspüren, ist immer wieder reizvoll. Freilich muß man dafür eine Antenne entwickeln. Wer aber etwa “Mad Rush” von Glass gehört hat - vielleicht sogar mehrfach, und das gar von Apkalna -, der ist bestens gerüstet. Jordan spielte überlegen; weite Strecken gibt es Doppelpedal. Die trockene Akustik begünstigt die Durchhörbarkeit, fordert andererseits aber ein besonders präzises Spiel.
Nun folgte die zweite Orgelsonate “Eroica” op. 151 von Charles Villier Stanford. Jordan hatte schon in seinen Eingangsworten von populistischer Musik gesprochen. 1917 mit Satzbezeichungen “Rheims” oder “Verdun” komponiert, ahnt man schon, daß hier beschwörende, einigende Musik zu hören sein würde. Der Titel tut ein Übriges. Jordan spielte das Werk allerdings nie übertrieben laut oder dick. So waren die Gegensätze zwischen Trompettengeschmetter und ruhigen, andachtsvollen Teilen sehr schön herausgearbeitet. Nach dem Forte-Ausbruch im "Adagio molto, Tempo di Marcia Solenne" fand die Musik sogar in eine tröstliche, aufgehellte Stimmung.
Höhepunkt des Konzerts war aber Rhapsodie in blue von Gershwin. Was Jordan hier an Klangraffinesse zeigte - den Beginn muß ihm erst einmal jemand nachmachen! - , war schlicht atemberaubend. Gewiß kennt er jeden Notenhals mit Vornamen. Und als gelernter Klarinettist mag er eine besondere Affinität zu diesem Werk haben. Vor allem aber war es wohl stundenlanges Tüfteln; auf Nachfrage gab Jordan 87 Setzer an. Diese Mühen wurden mehr als belohnt. Es gab eine spannende Wiedergabe, die die Bögen über alle Klangfarbenwechsel hielt. Chapeau!
Gäbe es in dieser Kirche einen nennenswerten Nachhall, der Beifall der rund 140 Hörer wäre hineingefahren. Eine grandiose Eröffnung des 9.Oberkasseler Orgelfrühlings.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. Die weiteren Termine dieser Reihe:
17.04.2013, 18:30h, Hartmut Rothmeyer, Lübeck (BWV 532, Langlais op. 5.1, Scheidemann, Nosetti und Widor “Romane”)
24.04.2013, 18:30h, Stephen Tharp, New York (Wiedermann, Falcinelli, Dupré op. 7.2, Guillou op. 4, Liszt Prometheus)
01.05.2013, 18:30h, Wolfgang Abendroth, Düsseldorf, mit Wolfram Boelzle (Sprecher) (Eben Hiob)
08.05.2013, 18:30h, Iris Rieg, Köln (Latry Salve Regina, BWV 654, Bizet aus Carmen, Franck Choral a-moll, Dupré op. 40.2)
15.05.2013, 18:30h, Thorsten Göbel, Düsseldorf (Franck op. 17, Widor op. 42.2)
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
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- Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel - Clemens Schäfer, 11.04.2013, 10:28
- Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel - Martin78, 11.04.2013, 10:44
- Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel - Clemens Schäfer, 11.04.2013, 10:59
- Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel - 3rd_astronaut, 11.04.2013, 11:43
- Barry Jordan in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel - Martin78, 11.04.2013, 10:44