BWV 582 - Thema

Friedrich @, Samstag, 06. April 2013, 16:02 (vor 4893 Tagen) @ Florian-L

Dann ließe sich mit diesem Argument eventuell begründen, dass Bach bei seiner Chaconne für Violine solo das Thema nicht vorstellen lässt, weil eben der "Basscharakter" ausgeprägter ist?

Ja. Dort gibt es kein Thema, sondern eine Harmoniefolge. Deren Konturen im Verlauf der Komposition auch nach Kräften strapaziert werden.

Die Antwort auf die ursprüngliche Frage ist also: Weil es üblich ist, Stücke so zu spielen, wie sie komponiert wurden.

Und ob es wirklich so komponiert wurde, bleibt unbekannt, bis eventuell einmal das Autograph auftaucht.

Das ist ein bisschen zum Verzweifeln …

»Unbekannt«: Streng genommen ja. »Unsicher«: Keineswegs. Weil eben Quellen aus der nächsten Umgebung Bachs den Anfang eindeutig als Stimme notieren, die zu musizieren ist. Man müsste einen viel größeren argumentativen Aufwand betreiben, wenn man ein Weglassen dieses Anfangs begründen wollte, und bliebe doch im Hypothetischen stecken. Die Quellen sind gut und eindeutig.

Ich kann ja verstehen, dass es erfrischend ist, ein Stück mal anders zu denken. Man kann dadurch viel über Musik und Komposition lernen. Was man dann als kompositorische Wirklichkeit einem arglosen Publikum präsentiert, sollte man sich aber gut überlegen. Zur Aussage »So könnte es sein« gehört das »… aber es ist anders« zwingend dazu. Sonst versucht man sich als Taschenspieler und verkauft seine Zuhörer für dumm.

Gruß,
Friedrich


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