Was war denn da los?

Friedrich @, Samstag, 30. März 2013, 17:39 (vor 4901 Tagen) @ stein
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 30. März 2013, 17:44

CC war zu seiner Zeit sicherlich in Windstabilität der Vorreiter in Europa.
Heute sind alle seine Instrumente mit elektr. Gebläse ausgestattet. Spannend erscheint mir daher auch die Untersuchung seiner Instrumente bezüglich der Effizienz seiner mechanischen Schöpfanlagen. Bei einem Instrument mit 26 Registern offenen 16 Füssen, volle Becherlänge, Barker für G.O., hat er lediglich eine Schöpfanlage für eine Person vorgesehen. Selbst im Tuttispiel hört man keine tretsynchrone Winddruckschwankungen.

Als ich René Verwers Buch über Caen gelesen habe, musste ich mich durch die Zeichnungen der Windanlage arbeiten. Erst fand ich das lästig, dann habe ich gestaunt: So ein ausgeklügeltes System von Regulierungsbälgen und Kanälen verschiedener Weite, labyrinthisch, aber höchst sinnvoll. Die réservoirs sitzen überall, wo es mal knapp werden kann. Die genaue Zahl habe ich nicht mehr im Kopf, es waren aber Dutzende – und das bei einer eher mittelgroßen Orgel. Ich glaube, da gibt es noch eine Schöpfanlage für zwei Kalkanten; heute ersetzt durch ein Hochdruck- und ein Normaldruckgebläse.

Ich vermute, dass er an dieser Stelle einen Einführungstritt zu langsam getreten hat, dass macht dann auch einmal solche Effekte. Man kann sie während dem Spiel betätigen, sollte das Procedere aber zügig durchführen.

Ich dachte auch schon, dass Clerc beim Absetzen mit dem linken Fuß möglicherweise mit rechts die Octaves graves GO getreten hat (um die Sequenz zu steigern) und dabei die Copula GO mit erwischt und ausgelöst hat, die gleich daneben liegt. Das könnte erklären, warum der GO komplett weg ist und erst nach dem Wiederanschlag (und Alarmtritt auf die Copula) wieder klingt. Nur dass die Pedalzungen wegbleiben – die Pedal-Fonds hört man dagegen wunderbar –, wäre damit nicht erklärt.

Langsam wäre es spannend, zu erfahren, was wirklich passiert ist. Kurios ist doch z. B. auch, dass das Positif, das man beim GO-Versagen kurz durchhört, einen Stimmungssprung nach oben zu tun scheint. Plötzlich scheint also ein Windüberschuss zu herrschen, zumindest im Vergleich zur Situation vorher. Kann natürlich sein, dass der Ausfall des GO das bewirkt. Das wiederum ließe darauf schließen, dass das Positif am selben Reservoir hängt wie der GO, wohl das « réservoir basse pression » (der GO hätte dann auch eines « haute pression » für den Diskant, der Récit steht wahrscheinlich durchweg auf « haute pression », wie in Caen).

Aber warum zum Henker setzen die Pedalzungen aus …? q:-)

Gruß,
Friedrich


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