Was war denn da los?

JSBach @, Aachen, Freitag, 29. März 2013, 12:56 (vor 4902 Tagen)

Habe gestern eine CD von Maurice Clerc an der CC-Orgel in St. Sernin, Toulouse gehört mit u.A. Francks erstem Choral, und in der letzten Minute hörte ich das hier bei Sekunde 10-12 etwa:

https://dl.dropbox.com/u/17035505/Cesar%20Franck%20-%20Trois%20Chorals-%20Premier%20Cho...

Was war da los? Plötzlicher Winddruckabfall? Warum lässt man sowas in der CD?

Was war denn da los?

stein @, Samstag, 30. März 2013, 08:56 (vor 4901 Tagen) @ JSBach

Ich vermute, dass er an dieser Stelle einen Einführungstritt zu langsam getreten hat, dass macht dann auch einmal solche Effekte. Man kann sie während dem Spiel betätigen, sollte das Procedere aber zügig durchführen.
CC war zu seiner Zeit sicherlich in Windstabilität der Vorreiter in Europa.
Heute sind alle seine Instrumente mit elektr. Gebläse ausgestattet. Spannend erscheint mir daher auch die Untersuchung seiner Instrumente bezüglich der Effizienz seiner mechanischen Schöpfanlagen. Bei einem Instrument mit 26 Registern offenen 16 Füssen, volle Becherlänge, Barker für G.O., hat er lediglich eine Schöpfanlage für eine Person vorgesehen. Selbst im Tuttispiel hört man keine tretsynchrone Winddruckschwankungen. Lediglich beim Hinzuziehen der Subkoppel beginnt das Phänomen. Bei eingeschaltetem Motor ist es weg.
gruss stein

Was war denn da los?

Friedrich @, Samstag, 30. März 2013, 17:39 (vor 4900 Tagen) @ stein
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 30. März 2013, 17:44

CC war zu seiner Zeit sicherlich in Windstabilität der Vorreiter in Europa.
Heute sind alle seine Instrumente mit elektr. Gebläse ausgestattet. Spannend erscheint mir daher auch die Untersuchung seiner Instrumente bezüglich der Effizienz seiner mechanischen Schöpfanlagen. Bei einem Instrument mit 26 Registern offenen 16 Füssen, volle Becherlänge, Barker für G.O., hat er lediglich eine Schöpfanlage für eine Person vorgesehen. Selbst im Tuttispiel hört man keine tretsynchrone Winddruckschwankungen.

Als ich René Verwers Buch über Caen gelesen habe, musste ich mich durch die Zeichnungen der Windanlage arbeiten. Erst fand ich das lästig, dann habe ich gestaunt: So ein ausgeklügeltes System von Regulierungsbälgen und Kanälen verschiedener Weite, labyrinthisch, aber höchst sinnvoll. Die réservoirs sitzen überall, wo es mal knapp werden kann. Die genaue Zahl habe ich nicht mehr im Kopf, es waren aber Dutzende – und das bei einer eher mittelgroßen Orgel. Ich glaube, da gibt es noch eine Schöpfanlage für zwei Kalkanten; heute ersetzt durch ein Hochdruck- und ein Normaldruckgebläse.

Ich vermute, dass er an dieser Stelle einen Einführungstritt zu langsam getreten hat, dass macht dann auch einmal solche Effekte. Man kann sie während dem Spiel betätigen, sollte das Procedere aber zügig durchführen.

Ich dachte auch schon, dass Clerc beim Absetzen mit dem linken Fuß möglicherweise mit rechts die Octaves graves GO getreten hat (um die Sequenz zu steigern) und dabei die Copula GO mit erwischt und ausgelöst hat, die gleich daneben liegt. Das könnte erklären, warum der GO komplett weg ist und erst nach dem Wiederanschlag (und Alarmtritt auf die Copula) wieder klingt. Nur dass die Pedalzungen wegbleiben – die Pedal-Fonds hört man dagegen wunderbar –, wäre damit nicht erklärt.

Langsam wäre es spannend, zu erfahren, was wirklich passiert ist. Kurios ist doch z. B. auch, dass das Positif, das man beim GO-Versagen kurz durchhört, einen Stimmungssprung nach oben zu tun scheint. Plötzlich scheint also ein Windüberschuss zu herrschen, zumindest im Vergleich zur Situation vorher. Kann natürlich sein, dass der Ausfall des GO das bewirkt. Das wiederum ließe darauf schließen, dass das Positif am selben Reservoir hängt wie der GO, wohl das « réservoir basse pression » (der GO hätte dann auch eines « haute pression » für den Diskant, der Récit steht wahrscheinlich durchweg auf « haute pression », wie in Caen).

Aber warum zum Henker setzen die Pedalzungen aus …? q:-)

Gruß,
Friedrich

Davy statt Verwer (war: Was war denn da los?)

Friedrich @, Sonntag, 31. März 2013, 07:31 (vor 4900 Tagen) @ Friedrich

Als ich René Verwers Buch über Caen gelesen habe …

Das kann ich zum Glück selber noch korrigieren: Das Buch mit den fantastischen Zeichnungen ist von Robert Davy (deutsch bei Glatter-Götz erschienen). Verwer hat den Lade-Band über Rouen geschrieben.

Gruß,
Friedrich

Was war denn da los?

Karsten, Sonntag, 31. März 2013, 11:17 (vor 4900 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Karsten, Sonntag, 31. März 2013, 11:46

Ich dachte auch schon, dass Clerc beim Absetzen mit dem linken Fuß möglicherweise mit rechts die Octaves graves GO getreten hat (um die Sequenz zu steigern) und dabei die Copula GO mit erwischt und ausgelöst hat, die gleich daneben liegt. Das könnte erklären, warum der GO komplett weg ist und erst nach dem Wiederanschlag (und Alarmtritt auf die Copula) wieder klingt. Nur dass die Pedalzungen wegbleiben – die Pedal-Fonds hört man dagegen wunderbar –, wäre damit nicht erklärt.

Langsam wäre es spannend, zu erfahren, was wirklich passiert ist. Kurios ist doch z. B. auch, dass das Positif, das man beim GO-Versagen kurz durchhört, einen Stimmungssprung nach oben zu tun scheint. Plötzlich scheint also ein Windüberschuss zu herrschen, zumindest im Vergleich zur Situation vorher. Kann natürlich sein, dass der Ausfall des GO das bewirkt. Das wiederum ließe darauf schließen, dass das Positif am selben Reservoir hängt wie der GO, wohl das « réservoir basse pression » (der GO hätte dann auch eines « haute pression » für den Diskant, der Récit steht wahrscheinlich durchweg auf « haute pression », wie in Caen).

Aber warum zum Henker setzen die Pedalzungen aus …? q:-)

Hallo!

Um noch ein wenig mehr zur Klärung oder Verwirrung beizutragen, folgende Infos (entnommen aus einer Monografie über die Orgel: Pierre Salies, Thierry Semenoux, Philippe Bachet: L'Orgue de l'insigne basilique Saint-Sernin de Toulouse. Orgues méridionales, Toulouse 1979 (Sonderausgabe von Orgues méridionales; 198 S., ill., 25 cm. + 8 Faltblätter).)

In St. Sernin, Toulouse sind die Zungen auf zwei komplett eigenen Laden aufgestellt. Diese liegen sehr tief (wegen der 32'-Bombarde mit voller Becherlänge) auf Sturz, rechts und links in C- und Cis-Seite aufgeteilt. Der Appel Anches Pedale wirkt nicht über ein Sperrventil, sondern (ähnlich wie die GO sur machine) über einen Koppelhebel, der die Traktur zu diesen Zungen-Windladen über Wippen in den Pedalbarker ein- bzw. aushängt. Unter sämtlichen Pedalladen finden sich Reservoires. Die Grundstimmen stehen auf höher gelegenen Laden (ebenfalls aufgeteilt in C- und Cis-Seite, nicht auf Sturz).

Was die Windkanäle und Reservoires angeht, so teilen sich "nur" die Berker des Récit und Pedal ein Reservoire. Ansonsten hat jede Windlade und Barkermaschine jeweils "ihr" Reservoire (GO und Pedale jeweils zwei) pro Seite.

Gruß
Karsten

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