Karlsruhe, St. Stephan

Contrebasson 32' @, Mittwoch, 27. März 2013, 00:35 (vor 4906 Tagen)
bearbeitet von D. Hausmann, Mittwoch, 27. März 2013, 15:51

Angeregt durch das Posting "Gutes evangelisch" von Orlos möchte ich auf ein gänzlich anders gelagertes Beispiel aus dem katholischen Raum verweisen, dass Klais jüngst auf seiner Firmenhomepage vorgestellt hat: Die Klais-Orgel der Kirche St. Stephan in Karlsruhe, die jüngst überholt und erweitert wurde.

Hier finden wir eine Schleifladenorgel mit mechanischer Traktur, die im Jahre 1959 eingeweiht wurde, und nach mehreren Erweiterungen und Umbauten inzwischen auf 74 Register verteilt auf 4 Manuale angewachsen ist. Um genau zu sein, ist sie die erste klais'sche Großorgel mit mechanischer Schleiflade!

Es finden sich also auch schon in den 50er Jahren Aufbrüche in der katholischen Kirche, auch wenn zu dieser Zeit bei Orgeln dieser Größe viele Orgelbauer noch elektrische Trakturen bauten bzw. diese auch von den Auftraggebern gewünscht waren.

Natürlich kann man jetzt versuchen katholische vs. evangelische Orgeln gegeneinander auszuspielen. Aber kommen wir damit der Sache im Kern nahe?
Faktum ist doch, dass nur dort wegweisende Orgeln entstanden, wo sowohl Kirchenmusiker, als auch Verantwortliche (Pfarrer, Presbyterium etc.), als auch Orgelbauer allesamt eine Vision hatten und an einem Strick gezogen haben. Man darf bspw. nicht vergessen, dass mechanische Spieltrakturen in den 50er Jahren vor allem noch ein Experimentierfeld waren. Und grundsätzlich bedeutete der Bau einer mechanischen Traktur oftmals auch, dass man auf Grund der Mehrkosten ggü. einer elektrischen Traktur auf Register verzichten musste bzw. auch die Orgelanlage ganz anders planen musste bzgl. des inneren Aufbaus. Hier mussten erst einmal umfassende Erfahrungswerte gesammelt und "verlorenes" Wissen wieder erworben werden.

Glücklich die Gemeinde, wo diese Experimente durch und durch gelungen sind. Es finden sich doch auch heute noch genügend Beispiele, wo die Register zwar schön intoniert sind, auch an der Verarbeitung der Orgel nichts zu bemäkeln ist, aber z.B. das Tastengewicht im gekoppelten Zustand mit Leichtigkeit die 200g überschreitet (hier kenne ich ein Beispiel, wo elektrische Koppeln nachgerüstet wurden).

Aber kommen wir zurück auf die Klaisine in St. Stephan. Mir gefällt das hier gewählte Konzept sehr gut. Scheinbar sind Auxiliarwerke (mit und ohne Einzeltonsteuerung) momentan im Trend (egal ob bspw. Orgelbau Gaida in Esch oder Mertert, Seifert in Neviges oder Peter in der Antoniterkirche). Interessant finde ich besonders, dass manche Register des Auxiliarwerks in einem Schwellkasten stehen, andere nicht. Hier wurde anscheinend vorab ausführlich an der Disposition getüftelt.

Die aktuelle Disposition inkl. einem Bild des beeindruckenden Spieltischs findet sich hier.

Mich würde übrigens interessieren, ob jemand diese Orgel in letzter Zeit gespielt oder gehört hat.

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'

PS: Zu meinem Beitrag bzgl. der Orgel der Antoniterkirche ist einerseits zu sagen, dass ich bzgl. der fehlenden Register zum Einweihungstermin leider nicht auf dem neuesten Stand war, hier war und ist Orgeltom eindeutig besser informiert als ich. Andererseits wäre ich wohl besser mit meinen Kritikpunkten konkreter geworden, bzw. hätte direkt darum bitten sollen, mich auf einem anderen Weg zu kontaktieren. Inzwischen ist mir einsichtig, dass - entgegen meiner Intention - mein Posting unvorteilhaft bis grenzwertig war. Eine Rufschädigung oder etwas ähnliches war hingegen nie von mir intendiert und als solche sollte mein Posting auch nie wahrgenommen werden.
Ich kenne die Orgel der Antoniterkiche von mehreren Konzertbesuchen und bin mir sehr wohl über deren Qualitäten bewusst, die eine Orgel an einer so prominenten Stelle zweifelsohne haben muss. Es gibt genügend Beispiele, wo Orgeln anderer Stadtpfarrkichen aus mal mehr mal weniger nachvollziehbaren Gründen abgerissen wurden, statt generalüberholt, neuintoniert und behutsam erweitert zu werden. Dass man die Peter-Orgel der Antoniterkirche stattdessen kostenintensiv überholt und erweitert hat, spricht ohne Zweifel für sie.

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