Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

prinzipalschlumpf, Freitag, 01. März 2013, 12:01 (vor 4990 Tagen)

Hallo zusammen ,

die Diskussion über die Orgel , der Antoniterkirche , habe ich mit Interesse verfolgt . Da man , in diesem Zusammenhang , auch Hans Klotz erwähnt hat bringe ich hier mal ein paar Infos , Bilder und Disposition , welche original ( Ausnahme - Spieltisch wurde überarbeitet ) erhalten ist und wo Dispositon/Mensuren von Hans Klotz stammen !

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1.Man.
Rückpositiv ( C-a3 ) :
Quintadena 8"
Gedackt 8"
Prinzipal 4"
Rohrflöte 4"
Terz 3 1/5"
Oktave 2"
Quintflöte 1 1/3"
Septime 2/7"
Scharff 3fach 2/3"
Krummhorn 8"

2.Man.
Hauptwerk ( C-a3 ) :
Holzpommer 16"
Prinzipal 8"
Rohrflöte 8"
Oktave 4"
Spitzflöte 4"
Nasard 2 2/3"
Waldflöte 2"
Terz 1 3/5"
Sifflet 1" 8/9"
Mixtur 4fach 2"
Scharffzimbel 4fach 1/2"
Trompete 8"
Trichterregal 4"

3.Man.
Schwellwerk ( C-a3 ) :
liebl.Gedackt 8"
Salizional 8"
Prinzipal 4"
Rohrtraverse 4"
Oktave 2"
Rauschende Zimbel 4fach 4/7"
Hintersatz 5fach 1"
Dulzian 16"
Trompete 8"
Rankett 8"

Pedal ( C-f1 ) :
Untersatz 16"
Offenbaß 8"
Kammerbaß 8"
Nasard 5 1/3"
Choralbaß 4"
Nachthorn 2"
Rauschpfeife 4fach 2 2/3"
Posaune 16"
Trompete 8"
Kornett 4"

Normalkoppeln
Mechanische Spieltraktur
Elektrische Registertraktur mit Setzeranlage

Gruß Prinzipalschlumpf

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

doppelfloete_h @, Hannover, Freitag, 01. März 2013, 12:34 (vor 4990 Tagen) @ prinzipalschlumpf

Das liest sich auch echt noch "klotziger" als bei der Antoniter-Orgel! :) Würde mich ja mal sehr reizen, so ein Instrument von der klanglichen Seite aus kennenzulernen. Auf dem Papier kommt so eine große Terz ohne 16' ja ein wenig eigenartig daher...

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Freitag, 01. März 2013, 14:44 (vor 4989 Tagen) @ doppelfloete_h

Liest sich aber hochinteressant. Ich hab ja ohnehin ein Herz für Terz, auch im Großformat.

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

doppelfloete_h @, Hannover, Freitag, 01. März 2013, 16:11 (vor 4989 Tagen) @ Poupoulcorouse

Hatten hier in der Vorgängerorgel mal eine. Allerdings auch mit 16'-Basis drunter. Aber auch kein 5 1/3'.

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Friedrich @, Freitag, 01. März 2013, 16:59 (vor 4989 Tagen) @ prinzipalschlumpf

Wer hat denn gebaut und wer renoviert (das sieht alles so frisch gefegt aus, und das Setzerschirmchen ist bestimmt nicht aus der »Das-Buch-von-der-Orgel«-Zeit)? Die Registerschalter scheinen die Klaisschen L-Taster nachzuahmen, aber sie sind es eben nicht. Ist das auch ein Peter?

Die Disposition steht im BvdO, und als jugendlicher Orgelfan musste man einfach glauben, dass die Großterz im RP irgendwas Schönes tut. Die Septime repetiert. Was es mit dem Sifflet/None-Register auf sich hat, weiß ich nicht mehr aus dem Kopf. Jedenfalls finde ich heute, dass die Disposition ein schönes Beispiel für eine mittelgroße Orgel ist, die nicht einfach bestimmten Dispositionsgewohnheiten folgt, trotzdem so gut wie alles Nötige bereithält und auch noch Raum für Besonderheiten bietet. Das Pedal mit Subbass und Nasat (und natürlich Mixtur!) finde ich vorbildlich. Da wäre interessant, zu erfahren, wie die Intonation gelungen ist.

Gibt es Aufnahmen?

Gruß,
Friedrich

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Friedrich @, Freitag, 01. März 2013, 17:09 (vor 4989 Tagen) @ Friedrich

Ach, und noch was …

Das scheint mir eine sehr sinnvolle, weil den Gegebenheiten angepasste Raumanlage zu sein. Wenn mich nicht alles täuscht, stehen RP und HW rechts über und hinter dem Spieltisch, das macht knackige Trakturen; hinter dem Chorplatz dagegen Schwellwerk und Pedal (mit dem von Klotz nachdrücklich geforderten weiten offenen 8'), also die wichtigsten Werke zur Chorbegleitung. Jetzt noch eine Oboe, und jeder anglikanische High-Church-Chorleiter würde vor Freude gleich »I was glad« anstimmen (OK, bisschen tricksen für den Tuba-Ersatz – HW 8843Trp sollte reichen, III an I für die Plenumantwort, und dann kommt schon der Tritt auf den Sequenzer).

Nachgedacht hat was gebracht, würde ich sagen.

Gruß,
Friedrich

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Karl-Bernhardin Kropf, Samstag, 02. März 2013, 13:21 (vor 4989 Tagen) @ Friedrich

Ach, und noch was …

Das scheint mir eine sehr sinnvolle, weil den Gegebenheiten angepasste Raumanlage zu sein. Wenn mich nicht alles täuscht, stehen RP und HW rechts über und hinter dem Spieltisch, das macht knackige Trakturen; hinter dem Chorplatz dagegen Schwellwerk und Pedal (mit dem von Klotz nachdrücklich geforderten weiten offenen 8'), also die wichtigsten Werke zur Chorbegleitung. Jetzt noch eine Oboe, und jeder anglikanische High-Church-Chorleiter würde vor Freude gleich »I was glad« anstimmen (OK, bisschen tricksen für den Tuba-Ersatz – HW 8843Trp sollte reichen, III an I für die Plenumantwort, und dann kommt schon der Tritt auf den Sequenzer).

Nachgedacht hat was gebracht, würde ich sagen.

Gruß,
Friedrich

Na, bei dieser "I was glad"-Version hat die Orgel (01:26) aber doch noch deutlich mehr "Haltestellen" als die Duisburger (die "Haltestellen" habe ich gerade in einer aus dem Englischen automatisch übersetzten Harmonium-ebay-Anzeige gefunden...).

Aber Friedrich hat recht, wenn man aufs SW blickt, da kann man vermutlich relativ gut Chor begleiten. Was mich gleich daran zweifeln lässt, dass die Trompete 8' im SW auf Klotz zurückgeht?? Und wie klingen die Zungen wirklich? Da haben wir doch alle unsere guten und schlechten "Hörbilder" im Kopf....

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Samstag, 02. März 2013, 15:47 (vor 4988 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Trompeten in Haupt- und Schwellwerk sind im Gegenteil eigentlich typisch für Klotz, ab einer gewissen Größe - das Beispiel Antoniterkirche Köln hatten wir ja gerade.

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Friedrich @, Samstag, 02. März 2013, 20:05 (vor 4988 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 02. März 2013, 20:23

Trompeten in Haupt- und Schwellwerk sind im Gegenteil eigentlich typisch für Klotz, ab einer gewissen Größe - das Beispiel Antoniterkirche Köln hatten wir ja gerade.

Seine Musterdisposition im BvdO, die zu dem beigelegten Orgelquerschnitt (mit eingezeichneten Seilzugtrakturen) gehörte, lautete:

I. Rückpositiv
Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Zimbel III, Krummhorn 8'

II. HW
Bordun 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Spitzflöte 4', Nachthorn III 2 2/3' (= Cornet III), Mixtur IV 2', Rauschzimbel III (IV?), Trompete 8'

III. SW
Holzflöte 8', Viola di Gamba 8', Prinzipal 4', Scharf VI 1 1/3', Dulzian 16', Trompete 8'

Pedal
Subbass 16', Offenbass 8', Choralbass 4', Rauschpfeife IV 2 2/3', Posaune 8'

Heute denke ich immer noch: Nicht übel für eine Minimaldisposition, da steckt eine Menge Reflexion dahinter – und genaue Kenntnis aller europäischen Orgelbautraditionen, die englische eingeschlossen.

Rückpositiv, zwei 4'-Prinzipale, Cromorne und Cornet auf I bzw. II, drei Zungenplena (plus Pedal), vier Prinzipalplena, fünf Flötenbauarten (Metallgedackt, Holzgedackt, Rohr-, Spitz-, Offene Flöte), Streicher, ein Schwellwerk mit »Full-Swell«-Fähigkeit – das ist doch deutlich mehr, als man gemeinhin von 25 Registern erwarten darf. Wenn dann noch ein guter Intonateur dran ist, wäre das doch nicht schlecht. Wurde aber, soweit ich weiß, nie so umgesetzt – oder weiß jemand da etwas anderes?

Allerdings finde ich, dass der Dulzian eine etwas schwere Bürde trägt als einzige 16'-Zunge, die sowohl dem Schwellwerk Gewicht geben soll als auch den lingualen 16' im Pedal vertreten können muss und doch eigentlich, gegenüber dem Krummhorn, die zartere Variante der zylindrisch-vollbecherigen Bauweise ist. Eine 8'-Posaune neben zwei weiteren Trompeten lässt schon auf einen nicht ganz so kleinen Raum schließen. Vielleicht würde man da heute eher einen Basson mit gekröpften Bechern voller Länge wählen. Damit würde die Orgel allerdings einen deutlich romantischeren Drall bekommen, und das Rückpositiv rückte auf einen etwas verlorenen Posten.

Nee, das war schon gut überlegt. Da darf man doch den einen oder anderen Hut ziehen.

Gruß,
Friedrich

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

doppelfloete_h @, Hannover, Samstag, 02. März 2013, 20:10 (vor 4988 Tagen) @ Friedrich

So isses. Da konnte man sich früher schon einige Scheiben abschneiden! Wobei ich mich frage, ob und wie man vielleicht (wieder) auf die Idee kommen könnte, bestimmte "Klötze" - wie z.B. das Glasglockenspiel (2'+3/4') - in heutige Neubauten zu integrieren...

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Samstag, 02. März 2013, 22:59 (vor 4988 Tagen) @ Friedrich

Trompeten in Haupt- und Schwellwerk sind im Gegenteil eigentlich typisch für Klotz, ab einer gewissen Größe - das Beispiel Antoniterkirche Köln hatten wir ja gerade.


Seine Musterdisposition im BvdO, die zu dem beigelegten Orgelquerschnitt (mit eingezeichneten Seilzugtrakturen) gehörte, lautete:

I. Rückpositiv
Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Zimbel III, Krummhorn 8'

II. HW
Bordun 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Spitzflöte 4', Nachthorn III 2 2/3' (= Cornet III), Mixtur IV 2', Rauschzimbel III (IV?), Trompete 8'

III. SW
Holzflöte 8', Viola di Gamba 8', Prinzipal 4', Scharf VI 1 1/3', Dulzian 16', Trompete 8'

Pedal
Subbass 16', Offenbass 8', Choralbass 4', Rauschpfeife IV 2 2/3', Posaune 8'

Heute denke ich immer noch: Nicht übel für eine Minimaldisposition, da steckt eine Menge Reflexion dahinter – und genaue Kenntnis aller europäischen Orgelbautraditionen, die englische eingeschlossen.


Nee, das war schon gut überlegt. Da darf man doch den einen oder anderen Hut ziehen.

Gruß,
Friedrich

Stimmt.

Leider dann eher selten SOOO konsequent umgesetzt, denn dann wurden halt meist statt der wichtigen Gamba im SW irgenein Rohrflötenquintpommer gebaut, die SW-Trompete zur Rohrschalmey degradiert, der Kornett im HW mit Nonen versehen und die HW-Mixturen höher gelegt, im RP dann Regal statt Krummhorn etc:
alles Dinge, die in der Gesamtheit die guten Ueberlegungen, die hinter solch einem, mir vom Prinzip her auch sympathischen Konzept, wieder ad absurdum führen. Leider!

Mit der o.g. Orgel könnte man viel, sehr viel machen, sofern sie gut intoniert wäre.

Gruss

Thomas

--
Thomas Haubrich

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 04. März 2013, 08:00 (vor 4987 Tagen) @ Friedrich

Trompeten in Haupt- und Schwellwerk sind im Gegenteil eigentlich typisch für Klotz, ab einer gewissen Größe - das Beispiel Antoniterkirche Köln hatten wir ja gerade.

Ah, ja!

Seine Musterdisposition im BvdO, die zu dem beigelegten Orgelquerschnitt (mit eingezeichneten Seilzugtrakturen) gehörte, lautete:

I. Rückpositiv
Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Zimbel III, Krummhorn 8'

II. HW
Bordun 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Spitzflöte 4', Nachthorn III 2 2/3' (= Cornet III), Mixtur IV 2', Rauschzimbel III (IV?), Trompete 8'

III. SW
Holzflöte 8', Viola di Gamba 8', Prinzipal 4', Scharf VI 1 1/3', Dulzian 16', Trompete 8'

Pedal
Subbass 16', Offenbass 8', Choralbass 4', Rauschpfeife IV 2 2/3', Posaune 8'

Heute denke ich immer noch: Nicht übel für eine Minimaldisposition, da steckt eine Menge Reflexion dahinter – und genaue Kenntnis aller europäischen Orgelbautraditionen, die englische eingeschlossen.

Rückpositiv, zwei 4'-Prinzipale, Cromorne und Cornet auf I bzw. II, drei Zungenplena (plus Pedal), vier Prinzipalplena, fünf Flötenbauarten (Metallgedackt, Holzgedackt, Rohr-, Spitz-, Offene Flöte), Streicher, ein Schwellwerk mit »Full-Swell«-Fähigkeit – das ist doch deutlich mehr, als man gemeinhin von 25 Registern erwarten darf. Wenn dann noch ein guter Intonateur dran ist, wäre das doch nicht schlecht. Wurde aber, soweit ich weiß, nie so umgesetzt – oder weiß jemand da etwas anderes?

Allerdings finde ich, dass der Dulzian eine etwas schwere Bürde trägt als einzige 16'-Zunge, die sowohl dem Schwellwerk Gewicht geben soll als auch den lingualen 16' im Pedal vertreten können muss und doch eigentlich, gegenüber dem Krummhorn, die zartere Variante der zylindrisch-vollbecherigen Bauweise ist. Eine 8'-Posaune neben zwei weiteren Trompeten lässt schon auf einen nicht ganz so kleinen Raum schließen. Vielleicht würde man da heute eher einen Basson mit gekröpften Bechern voller Länge wählen. Damit würde die Orgel allerdings einen deutlich romantischeren Drall bekommen, und das Rückpositiv rückte auf einen etwas verlorenen Posten.

Nee, das war schon gut überlegt. Da darf man doch den einen oder anderen Hut ziehen.

Gruß,
Friedrich

Nun, Dulzian kann in der Praxis ja viel bedeuten. Der Dulzian 16' im I. Manual der Schuke(Berlin)-Unterrichtsorgel im Raum 2.22 in Lübeck klang besser als manches, was draußen als "Posaune" bezeichnet wurde. Natürlich sehr leise, aber trotzdem. Neben der herrlichen 32'-Posaune der Marcussen-Orgel im Dom zu Odense waren diese beiden Stimmen diejenigen, die mich von der im Orgelbauunterricht (oder nur am Disponententstammtisch?) ideologisierten extremen Bewertung der vollen Becherlänge abbrachten.

Aber der Würdigung von Klotzens Gedanken schließe ich mich an, sie sind mir halt, da stets außerhalb seiner Wirkungszone, nicht so präsent gewesen, und das Buch besitze ich wohl nicht....

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

prinzipalschlumpf, Freitag, 01. März 2013, 17:34 (vor 4989 Tagen) @ Friedrich

Hallo Friedrich ,

die Orgel wurde 1964 von Orgelbau Stahlhuth erbaut und 2009 von Siegfrid Merten renoviert !

Gruß Prinzipalschlumpf

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

fluteceleste @, München, Samstag, 02. März 2013, 07:49 (vor 4989 Tagen) @ prinzipalschlumpf

Hallo Prinzipalschlumpf
ich finde es immer gut, wenn jemand rausgeht, und Orgeln erkundet, und uns dann schöne Fotos mitbringt. Das macht immer Spaß zu lesen! Also in diesem Sinne: Weiter so!

Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Samstag, 02. März 2013, 22:19 (vor 4988 Tagen) @ fluteceleste

Das finde ich auch, und so wie unser Schlümpfchen kenne, kommt da noch einiges zusammen. ;-)

--
Gruß vom Niederrhein

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