Nicolas Kynaston in St. Lambertus, D-Altstadt, 02.05.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 03. Mai 2011, 09:46 (vor 5604 Tagen)

Hallo Forum,

Nicolas Kynaston ist einer der wenigen, die in St. Lambertus den mechanischen Spieltisch im Turm benutzen. Sicher geht es ihm dabei ums Spielgefühl, eine gute Portion Bescheidenheit und ein wenig Publikumsscheu dürften aber auch dabei sein, säße er doch am Zentralspieltisch im Chor sozusagen auf dem Präsentierteller. Das sei Kynastons Sache nun gar nicht, wußte man mir zu erzählen.

Und, weiß Gott, das hat er auch nicht nötig. Auch unter Verzicht auf die Chororgel - die steht nur am Zentralspieltisch zur Verfügung - bewies er höchstes Einfühlungsvermögen, perfektes Timing, immensen Klangsinn....Über Technik müssen wir nicht sprechen.

Kynaston eröffnete mit Bach F-Dur BWV 540. Schlank lag der Orgelpunkt zu Beginn, schwerelos die Pedalsoli. Das Ganze hatte zügige Fahrt und frischen Klang. Auch hier stellte sich eine Art Swing ein - man atmete mit.

Ganz wunderbar vermochte Kynaston dann das Echospiel zwischen RP (Flöten, Prinzipale) und SW (Streicher) zu kultivieren; wir sind in Saint-Saens Fantaisie II in Des-Dur op. 101. Man kam aus dem Staunen nicht heraus. Koketter Abschluß jenes glucksende Glockenspiel aufwärts am Ende.

Streng wie ein Trauermarsch danach die umschließenden Adagii bei Mozarts Fantasie F-Dur KV 594; zusammen mit dem mittigen Allegro eine Kurzgeschichte mit Tiefgang.

Schneidend die Fantaisie I von Alain. Hier hatte man zeitweilig den Eindruck, in einer Werk- und Maschinenhalle zu sitzen und dem Produktions- und Arbeitsprozeß zu lauschen. Das war phantastisch gemacht. Wunderbar auch die zweite Fantaisie.

Ursprünglich für Klavier komponiert und von Kynaston selbst für Orgel eingerichtet, erklang “Funerailles” von Liszt. Nochmals konnte er hier eine Klangdemonstration bieten, zugleich aber auch die Modernität Liszts ins Bewußtsein rücken. Atemberaubend der ruhige Schluß.

Jongens Toccata in Des-Dur war dann eher ein Kehraus, musikalisch war das Vorige nicht mehr zu übertreffen. Ein großartiges Konzert. Dankbarer, heftiger und anhaltender Beifall der ca. 120 Hörer. Zugabe Alain, Postlude pour l’office des Complies - Musik von Ewigkeitswert. Noch lange diskutierten die Hörer begeistert in kleinen Gruppen in der Kirche.

Unter den Besuchern war übrigens auch Prof. Geffert, der seinen Lehrer hören wollte und die Einführung ins Programm übernahm. Geffert selbst ist dann morgen, 18:30h, in der Auferstehungskirche zu hören, u.a. mit ihm gewidmeter Musik von Andreas Willscher.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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