20 Jahre Sonntagsorgel in St. Andreas, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 02. Mai 2011, 10:31 (vor 5605 Tagen)

Hallo Forum,

Triduum musicale - 20 Jahre Sonntagsorgel in St. Andreas, D-Altstadt: Der Initiator dieser Konzertreihe und langjähriger Organist an St. Andreas, Frank Volke , gestaltet im Mai drei Konzerte aus Anlaß dieses Jubilaeums. Das Programm ist hier als pdf-Datei herunterladbar.

Im ersten Konzert am 01.05. hatte Volke den Trompeter Tomislav Hurcak mitgebracht. Eröffnet wurde mit dem Konzert für Trompete und Orgel D-Dur von Guiseppe Torelli. So recht wollte da keine Freude aufkommen. Man vermißte Frische, Leichtigkeit und Präzision - längst nicht jeder Ton traf die vorgesehene Note. Das merkte sicher auch Hurcak, der mit Forcierung dagegenzuhalten versuchte. Ein Teufelskreis. Sehr schön allerdings der trompetenfreie Mittelsatz, ein Adagio mit Presto-Einlage.

Mit Bach, Fantasie und Fuge g-moll BWV 542 trat man dann in ganz andere Sphären: Die Fantasie wurde eine fast dramatische, spannend erzählte Geschichte (absteigende Chromatik!). In der Fuge sprudelte das Kaffeewasser. Es setzte ganz zwanglos ein Bach-Swing ein, dessen Ende - trotz der beachtlichen Länge des Stücks - man heftig bedauerte. Eine wirklich erstklassige, überzeugende Darstellung. Chapeau.

In drei Choralvorspielen von Bach übernahm Hurcak nun den cf. Die Tonlage in “Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren” schien mir ein wenig zu tief für eine Trompete; es klang fast nach Horn. Die Auskopplung des cf aus dem Orgelstück bringt zwar einen Klangfarbengewinn, zugleich aber auch Abstimmungsprobleme.

In der ersten Sonate von Mendelssohn war Volke dann wieder allein. Schwer und gewichtig war der erste Satz. Nicht zu süß das Adagio - Volke hatte hier irgendetwas schnarrendes untergemischt. Gebremst das Rezitativ des Andante: Der Oboe antwortete eine gedämpfte Zungenbatterie - sehr apart! Insgesamt sehr schön.

Am Ende Purcell, Konzert für Trompete und Orgel D-Dur. Und hier geschah, was ich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte: Hurcak spielte frei und ungezwungen auf, keck und mit Witz, bestes Zusammenspiel, kurz - so erwartet man solche Sahnestückchen. Sehr schön auch der Mittelsatz ohne Trompete, ein Adagio in Form eines Schreittanzes (kurz, lang, lang).

Dankbarer, anhaltender Beifall der weit über 100 Hörer - gut besetzte Kirche.

Nächsten Sonntag, 08.05., ist keine Sonntagsorgel, weil Marathonläufer den Zugang zur Innenstadt erschweren.
Heute Abend, 19:30h, St. Lambertus, Nicolas Kynaston.
Mittwoch 18:30h, Auferstehungskirche, Johannes Geffert

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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