Klaus Müller in der Johanneskirche, 29.04.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 30. April 2011, 11:26 (vor 5607 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Samstag, 30. April 2011, 12:25

Hallo Forum,

in der Osterwoche ein Orgelkonzert in d-moll: Klaus Müller (Reinoldikirche, Dortmund)
begründete das mit dem Befund, viele ältere Osterlieder stünden in d oder dorisch. Wie dem auch sei: Er bot ein gut durchdachtes, opulentes Programm.

Den Auftakt machte Buxtehude mit Toccata d-moll BuxWV 155. Die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Abschnitte kamen gut heraus. Ideale Musik auch für dieses Instrument. Gleiches gilt für Bachs Triosonaten Hier erklang die III. Sonate d-moll BWV 527. Auch hier fand Müller schöne Registrierungen; klar der Ablauf einer jeden Stimme.

Im zweiten Teil dann Bunk, Praeludium und Fuga d-moll op. 17 von 1907. Ein hörenswertes Stück, noch auf Mendelssohn zurückblickend, eingängiges Fugenthema mit charakteristischen Intervallsprüngen. Zum Abschluß Regers zweite Sonate d-moll op. 60. Auch dazu bietet die große Orgel genügend Mittel: Der zerklüftete erste Satz war bestens durchgestaltet, herrlich auch die Invokation, groß die Fuge. Eine eindrucksvolle Darstellung.

Zwischen den Literaturstücken hatte Müller kurze, eigene Choralimprovisationen gespielt. Mit altertümlichen Bläsern aus großer Entfernung begann “Christ lag in Todesbanden”. Die Trioform der Bachsonate nahm Müller in “Mit Freuden zart zu dieser Fahrt” auf und vor dem Reger hieß es “Wir wollen alle fröhlich sein”. So war die Verbindung zum Osterfest hergestellt.

Herzlicher, anhaltender Beifall der rund 20 Hörer - Gewitterregen zuvor dürften einige zurückgehalten haben - auch ich saß mit nassen Hosenbeinen dort.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Bei diesem Konzert nicht benutzt, stand zwischen Altarraum und erster Bankreihe ein dreimanualiger Spieltisch. Auf der Rückseite eine Messingtafel mit der Aufschrift: “Thurley-Orgel im Wandel der Zeit, gestiftet vom Förderverein des Handwerks 2009”. Über den Manualen der Name “Hoffrichter”. Etwa 90 Registerwippen über dem dritten und rechts wie links seitlich waren mit Papierzettelchen beklebt und von Hand beschriftet - die Reihen haben die Bezeichnungen Pedal, RP, HW, OW und BW. Neben einem Schwelltritt gibt es drei Pistons im Fußraum. Ein einzelnes dünnes Kabel führte in eine Bodenklappe. Auf meine Frage erfuhr ich, daß dieser Spieltisch zur Probe aufgestellt sein; Ostern sei er benutzt worden. Es könne die von-Beckerath-Orgel über Funk angespielt werden.

Damit müßte die viermanualige von-Beckerath-Orgel neben der mechanischen nun auch eine elektrische Spieltraktur haben, was mir bislang nicht bekannt war (die mechanische Registertraktur war um 2003 bei der Überarbeitung der Orgel einer elektrischen mit Setzeranlage gewichen).

Für die kirchenmusikalische Situation in der Johanneskirche wäre ein solcher Spieltisch an dieser Stelle hilfreich: Platz für Chor und Orchester gibt es an der Orgel selbst nämlich nicht. Chöre stehen samt Instrumentalisten immer im Chorraum. Und dort gab es bislang nur eine kleine Truhe. Ein schneller Wechsel des Kantors vom Dirigentenpult zur Orgelbank ist unmöglich: Dazwischen liegen mindestens drei Etagen/Treppen. Andererseits: Wenn einmal ein elektrischer Spieltisch dauerhaft vorhanden ist, dann stellt sich die interessante Frage, wo in Zukunft überwiegend gespielt werden wird...


P.P.S. Weitere Orgeltermine:
Montag, 02.05.2011, 19:30h, St. Lambertus: Nicolas Kynaston
Mittwoch, 04.05.2011, 18:30h, Auferstehungskirche, Johannes Geffert

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Klaus Müller in der Johanneskirche, 29.04.2011

orgelwilli, Samstag, 30. April 2011, 15:55 (vor 5607 Tagen) @ Clemens Schäfer

Wenn einmal ein elektrischer Spieltisch dauerhaft vorhanden ist, dann stellt sich die interessante Frage, wo in Zukunft überwiegend gespielt werden wird...
Ganz klar, es wird zu 95% unten gespielt werden!

Klaus Müller in der Johanneskirche, 29.04.2011Hallo

Frank Berger @, Wassenberg, Sonntag, 01. Mai 2011, 10:49 (vor 5606 Tagen) @ Clemens Schäfer
bearbeitet von Frank Berger, Sonntag, 01. Mai 2011, 11:28

Hallo Herr Schäfer, Danke für den - wie üblich - interessanten Bericht.
Keine Beckmesserei, aber eine kleine Korrektur: Die Registertraktur der Beckerath-Orgel war vor 2001 nicht mechanisch, sondern pneumatisch.
2001 wurde die Setzeranlage und ein MIDI-Anschluss eingebaut.
dabei wurde die Registertraktur auf elektrisch umgestellt. Die Spieltraktur blieb wie bisher mechanisch. Wenn sich das Orgelspiel per MIDI reproduzieren lässt, muss wohl eine Doppeltraktur eingebaut worden sein.

Gruß
Frank (Berger)

Klaus Müller in der Johanneskirche, 29.04.2011

doppelfloete_h @, Hannover, Montag, 02. Mai 2011, 11:46 (vor 5605 Tagen) @ orgelwilli

Wenn einmal ein elektrischer Spieltisch dauerhaft vorhanden ist, dann stellt sich die interessante Frage, wo in Zukunft überwiegend gespielt werden wird...
Ganz klar, es wird zu 95% unten gespielt werden!


Bei DER Beckerath? Na, hoffentlich nicht...

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