organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Mittwoch, 30. Januar 2013, 12:23 (vor 5016 Tagen)

Liebes Forum,

da der Eintrag zur "Digitalen Konzertorgel in Graz" aufgrund der am Montag auch vorgestellten modularen Pfeifenorgel dafür micht mehr so recht passen will, mache ich kurzerhand ein neues Thema auf.

Unter dem Titel "organ@MUMUTH" hat die Kunstuni Graz am Montag ihre zwei neuen transportablen Orgeln vorgestellt (Bilder und ORF-Clip s. Beiträge in der o. g. Diskussion zur Digitalen Konzertorgel).

Nachdem ich's nun live gehört habe, hat sich auch das Rätsel um das Abendprogramm gelöst.
Gunther Rost stellte die Mocnik-orgel mit der Französischen Ouverture von Bach vor, außerdem wurde sie noch von einer (wie man sagen muss äußerst virtuosen) Studentin in einem Stück von Petr Eben für zwei Orgeln gespielt.
An der Rodgers-Orgel gab es 2x Liszt (den "Orpheus" in der Guillou-Bearbeitung und - das war DER Knaller, sag ich Euch! - den "Mephistowalzer Nr. 1" in einer eigenen Bearbeitung von Rost).
Ein Student spielte noch die Arabesquen von Naji Hakim (auch ganz perfekt und scheinbar mühelos - wie machen die das??) - von orientalischem Bauchtanz bis hin zum virtosen Entertainer alles drin - und eine Studentin hat zwei Schumann-Pedalflügel-Sätze gespielt. Wie ich fand wirklich sensationell fein von der Innigkeit und vom Timing her.

Alles in allem - obwohl ich echt auch kritisch war - muss ich sagen: ein beeindruckender Abend.
Der Moderator, ein Prof von der KUG, hat zwischendrin bei einem Glaserl Wein ein charmantes Gespräch mit Rost auf der Bühne geführt, das Ganze war unterhaltsam und nicht zu technisch - wenn man natürlich was über die orgeln und im Detail zum Programm erfahren wollte, war das nicht der Rahmen.
Dafür gab's aber ein ausführliches (und ziemlich "un-orgel-mäßig aufgemachtes) Programmheft zum Mitnehmen - da findet man dann noch einiges.

Also, klanglich ist das sicher eine der besten Digitalorgeln, die man so finden kann - da haben sie sich nicht lumpen lassen in graz.
Wieviel davon jetzt die MUMUTH-Raumakustik beigetragen hat, und wieviel Rodgers-intern ist, weiß ich nicht. ich hab die Orgel noch nicht woanders gehört.

Die Pfefenorgel ist aber auch beeindruckend - kann wohl auf verschiedenen Stimmtonhöhen spielen (d. h. sie haben ein H und ein cis zusätzlich eingebaut, und man kann die Reihe um 1/2 Ton verschieben), und klingt sehr fein, wie ich fand.
Auch und gerade im Wechsel und Zusammenspiel mit der Rodgers - was mich echt gewundert hat. Eigentlich war dieser Eben auf die Weise fast am interessantesten - manchmal war's schwer zu unterscheiden, welche orgel gerade spielt!

Naja, und MEIN persönlicher Favorit war dann wirklich der "Rausschmeißer" am Schlus. Man hatte es ja schon bei den Tänzen der Ouvertüre gemerkt, dass Rost nicht gerade "Alltagsorganist" ist udn sehr schmissig spielt. bei Liszt konnte er dann wirklich nochmal alles geben - und das war dann schon atemberaubend. Nicht nur unglaublich virtuos (gut, das weiß man ja inzwischen), sondern wirklich packend, zwischenrein verhalten-sinnlich und einfach zum Atem-anhalten.
Das würd ich mir ja schon auf CD kaufen (sogar wenn's ne Rodgers-Orgel ist ;-).....
Ich fand's jedenfalls zu diesem ungewöhlichen Anlass passend, und viele im Publikum haben sicher mal die Ohren gespitzt, was man auf der Orgel so alle machen kann. Und da's nunmal kein Kirchenraum war, zeizte das offenbar, das Programm ziemlich extrem zu gestalten.

War sonst jemand im Konzert?

fragt sich
Wolf.

organ@MUMUTH in Graz

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Mittwoch, 30. Januar 2013, 13:50 (vor 5016 Tagen) @ orgelwolf

Vielen Dank für den Bericht! Ich war nicht da, Graz ist ja nicht gerade um die Ecke, wenn man es vom Niederrhein aus betrachtet...

--
Gruß vom Niederrhein

organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Mittwoch, 30. Januar 2013, 14:19 (vor 5016 Tagen) @ Tabernakelwanze

Vielen Dank für den Bericht!

Klar, immer wieder gern :-)

organ@MUMUTH in Graz

Florian-L, Mittwoch, 30. Januar 2013, 15:09 (vor 5016 Tagen) @ orgelwolf

War sonst jemand im Konzert?

Hallo Wolf,

ja, ich war auch dort.

Ich stimme absolut überein, dass die spielerische Leistung aller Interpreten auf höchstem Niveau war. Ob die "Französische Ouverture" BWV 831 in der Interpretation Gunther Rosts (etwa so, wie auch hier zu hören) einen Gewinn erfahren hat, sei dahingestellt.
In den erwähnten lockeren Plaudereien zwischen den Stücken wurde auch das Zitat Alfred Brendels bemüht, dass ein Pianist ohne Humor Organist werden solle. Dabei kam mir eine ebenfalls von Brendel stammende Aussage in den Sinn: „Mit der Absicht, es anders zu machen, sollte ein Interpret an ein Werk nicht herangehen. ... Wer die Vorschriften des Komponisten grundsätzlich in ihr Gegenteil verkehrt, um sich oder das Stück ‚interessant’ zu machen, hätte Komponist werden sollen.“

Für jedes Stück wurde ein eigenes „Nachhallprogramm“ ausgewählt, auch die Pfeifenorgel wurde mikrofoniert und, mehr oder weniger gemäßigt mit künstlichem Nachhall „angefeuchtet“, über zwei Lautsprecheranlagen (die saalinterne und die „orgeleigene“) wiedergegeben. Dies fiel besonders bei den „Mutationes“ auf, wo beide Instrumente, die bisweilen auch gleichzeitig erklangen, dementsprechend abgemischt wurden.

Kurz vor Beginn eines Stückes wurde der Nachhall aktiviert, plötzlich war jedes Geräusch aus dem Publikum auch über die Lautsprecher und entsprechend auffällig zu hören. Ein recht seltsamer Eindruck entstand, wenn dann wieder „zurückgedreht“ wurde und sich „Trockenheit“ einstellte. Der György-Ligeti-Saal im MUMUTH weist an sich eine sehr geringe Nachhallzeit auf. Die drei Techniker im Hintergrund hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun.
Das Repertoire war im Nachhinein gesehen geschickt gewählt, wenn etwas „Klassisches“ wie etwa ein "großer Bach" dabei gewesen wäre, naja...

Die Pfeifenorgel klingt wirklich vorzüglich und charakteristisch-farbig, das ging mir beim elektronischen Instrument ab, dessen Klang ich als ziemlich gleichförmig empfand. Die französischen Registernamen haben entgegen der Erwartung nichts mit einem französisch-symphonischen Klang zu tun. Aber sicherlich wurde dieses Instrument unter den gegebenen Umständen, unter Einbeziehung zweier Lautsprecheranlagen, bestmöglich präsentiert, das wäre in einem anderen Raum ohne Möglichkeit einer „Raumsimulation“ sicherlich nicht so gelungen.

Hier noch ein Medienbericht.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Donnerstag, 31. Januar 2013, 20:02 (vor 5015 Tagen) @ Florian-L

"Französische Ouverture" BWV 831 in der Interpretation Gunther Rosts (etwa so, wie auch hier zu hören)


Hier noch ein Medienbericht.

Florian, ich muss mich wiederholen: Du bist WIRKLICH am Puls der zeit :-)

Danke noch einmal für Zusatzlinks und Infos - ich find das sensationell!

Gruß,
Wolf

organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Donnerstag, 31. Januar 2013, 20:35 (vor 5015 Tagen) @ Florian-L

Jetzt hab ich auch noch was gefunden!!

http://steiermark.orf.at/radio/stories/2568532/

So geht's. (Hat mir aber eine Freundin geschickt, die wusste dass ich im Komzert war. Trotzdem: bin schon stolz, mal schneller als Florian gewesen zu sein.....)

W.

organ@MUMUTH in Graz

Florian-L, Mittwoch, 20. März 2013, 08:32 (vor 4967 Tagen) @ orgelwolf

An der Rodgers-Orgel gab es 2x Liszt (den "Orpheus" in der Guillou-Bearbeitung und - das war DER Knaller, sag ich Euch! - den "Mephistowalzer Nr. 1" in einer eigenen Bearbeitung von Rost).

Kann jetzt nachgehört werden.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Mittwoch, 20. März 2013, 14:54 (vor 4967 Tagen) @ Florian-L

Danke!!!!!!!!!

Muss ich gleich fleißig weiter mailen.
Wolf

organ@MUMUTH in Graz

orgelwolf, Montag, 25. März 2013, 06:47 (vor 4963 Tagen) @ Florian-L

Und noch was zum Nachhören (Französische Ouvertüre, Gunther Rost an der Mocnik-Orgel):
http://www.youtube.com/watch?v=fBSaJUP4R2Q

Gruß,
Wolf

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