Gesualdo-Ensemble, Markus Hinz, St. Antonius, D-Oberkassel
Hallo Forum,
viertes Winterliches Orgelkonzert. St. Antonius, D-Oberkassel.
Markus Hinz eröffnete das Konzert mit “Toccata per l’Elevazione” von Girolamo Frescobaldi. Wahrhaft kein Klopfstück, wie der Name nahelegen könnte; vielmehr ein ruhiges, von keineswegs schmerzfreier Chromatik geprägtes Stück mit beglückenden Dur-Durchgängen. Sehr schön gemacht.
Dann trat das Gesualdo-Ensemble auf die Stufen zum Altarrraum. Ave Regina caelorum von Gesualdo gab einen ersten Eindruck von der hochkarätigen a-capella-Kunst dieser Formation aus gelernten Kirchenmusikern (gegr. 1986).
Nun spielte Hinz BWV 733 - Fuga super Meine Seele erhebt den Herrn (Magnificat). Ein eher selten aufgeführtes Werk mit c.f in wechselnden Lagen.
Nun folgten zwei Stücke von Benjamin Britten: A hymne to the Virgin und Deus in adiutorium meum intende. Bei ersterem traten vier Choristen hinter den Altar und bildeten sozusagen einen Fernchor. Berückend schön die Intonation, interessant die Harmonik.
Von Karg-Elert gab es danach zwei Stücke aus op. 142 (II). Valse mignonne und Romantisch. Ersterer ist eine gebrochene Spiegelung von Walzerseeligkeit und vom Charakter Ravels La Valse nicht unähnlich. Erstaunlich, was der kleinen neuen Chororgel hier an Klängen zu entlocken war. Hinz schätzt diesen Komponisten besonders; man spürte die liebevolle Befassung mit jedem Detail.
Weiter ging es mit Poulenc. Von ihm sang Gesualdo zwei Gebete des Hl. Franz von Assisi: Seignieur, je vous en prie und O mes très chers frères. Ferner noch ein Salve Regina. Wieder bestechend genau, trotz großen Nachhhalls von guter Textverständlichkeit. Lobenswert in diesem Zusammenhang die Ausgabe aller Texte in der gesungenen Sprache wie in deutscher Übersetzung an die Zuhörer.
Danach griff Hinz das Salve Regina mit der Orgel auf und spielte darüber eine Komposition von Wolfgang Seifen.
Nun wandte sich Gesualdo Verdi zu. In herrlicher Harmonik gab es O Padre nostro (ein textlich erweitertes Vater unser) und Laudi alla Vergine Maria. Wieder bestachen Intonationssicherheit und Homogenität des Ensembles. Die quattro pezzi sacri waren nicht weit.
Den Abschluß machte Hinz mit Flor Peeters: Toccata, Fuge und Hymn sur Ave maris stella. Allein hier vermißte man ein wenig eine größere Orgel, was den insgesamt überaus positiven Eindruck dieses Konzerts aber nicht zu trüben vermochte. Etwa 60 Hörer spendeten dankbar und anhaltend Beifall.
Gruß Clemens Schäfer
----
Als nach dem Konzert im Gespräch die Bezeichnung Chororgel sanft gerügt wurde - das Instrument steht zwischen Vierung und Langhaus! - , hieß es, eine Orgel im Chorraum wäre nicht genehmigungsfähig gewesen (Meissner-Anordnung). Ich gebe das mit allem Vorbehalt weiter. Gäbe es dafür theologische etc. Gründe?
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)