Völklingen St. Eligius
Hallo zusammen,
nachdem ich nun mal ein wenig Zeit gefunden habe, möchte ich auch dem Forum über die Renovierung "meiner" Orgel in St. Eligius, Völklingen berichten. Ich hatte das Instrument ja schon mal im alten Forum vorgestellt, tue es aber hier gerne wieder.
Das Instrument wurde vermutlich 1925 von der Firma Stahlhuth, Aachen für eine Ausstellung in Luxemburg gebaut. Als sie dort nicht mehr gebraucht wurde, kam sie nach St. Eligius, wo sie 1927 durch die Erbauerfirma aufgestellt wurde. Das dreimanualige Instrument hatte 44 Register und pneumatische Kegelladen. Typisch für dieses spätromantische Orgelwerk ist die dynamische Abstufung der drei Manuale: Forte - Mezzoforte - Piano. Die Völklinger Orgel hat nicht nur diese Abstufung, sondern gleichzeitig eine unterschiedliche Charakteristik der Manuale, welche in ihrer Konsequenz außergewöhnlich ist:
Hauptwerk: Prinzipalchor vom 16' bis zur Mixtur,
1. Schwellwerk: Flötenchor vom 16' bis zum Cornet,
2. Schwellwerk: Streicherchor vom 16' bis zur Harmonia aetheria.
Natürliche Verschleißerscheinungen und vor allem die hohe Luftverschmutzung in der Hüttenstadt setzten dem Instrument sehr zu, so daß im Lauf der Jahrzehnte die Funktionstüchtigkeit immer mehr abgenommen hat. Die Firma Klais in Bonn unterzog das Instrument im Jahre 1982/83 einer umfassenden Renovierung. Hierbei wurden die pneumatischen Kegelladen durch mechanische Schleifladen ersetzt; die Disposition von 1925 wurde übernommen und um 8 Register erweitert. Der als technisch-musikalisches Denkmal wertvolle alte Spieltisch kann heute im Orgelbaumuseum in Borgentreich (Nordrhein-Westfalen) besichtigt werden.
Disposition
I. Manual (Hauptwerk)
Praestant 16'
Bordun 16'
Principal 8'
Fugara 8'
Dolce 8'
Flaut major 8'
Gedackt 8'
Octave 4'
Octavflöte 4'
Superoctave 2' (1983)
Quinte 2 2/3'
Terz 1 3/5'
Mixtur 5-6f
Trompete 8'
II-I
III-I
II-I Super
II-I Sub
III-I Super
III-I Sub
II. Manual (1. Schwellwerk)
Liebl. Gedackt 16'
Geigenprincipal 8'
Gamba 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Konzertflöte 8'
Fugara 4'
Traversflöte 4'
Piccolo 2'
Cornet 3-4f
Scharff 5f (1983)
Tuba mirabilis 8'
Oboe 8'
Clairon 4' (1983)
Tremulant
III-II
III-II Super
III-II Sub
III. Manual (2.Schwellwerk):
Salicional 16'
Violine 8'
Aeoline 8'
Unda maris 8'
Starktongedackt 8'
Quintatön 8'
Gemshorn 4'
Rohrflöte 4'
Flageolet 2'
Larigot 1 1/3' (1983)
Harmonia aetheria 3f
Cymbel 4f (1983)
Clarinette 8'
Vox humana 8'
Celesta
Celesta gedämpft
Tremulant
III-III Super
Pedal
Untersatz 32' (2012)
Principal 16'
Subbass 16'
Salicet 16' (1983)
Octave 8'
Cello 8'
Superoctave 4'
Hohlflöte 4' (1983)
Hintersatz 4f (1983)
Posaune 16'
Trompete 8'
I-P
II-P
III-P
I-P Super
32 Setzerkombinationen, Tutti, Crescendowalze
Von August bis Oktober 2012 wurde das Instrument wiederum von der Firma Klais generalüberholt. Im Wesentlichen ging es dabei um folgende Arbeiten:
Reinigung und Überarbeitung aller Bestandteile (Pfeifen, Laden, Windanlage, Spieltisch, Traktur) ; Erweiterung um einen Untersatz 32', komplett 30 Töne, sowie Einbau eines neuen, leistungsstärkeren Gebläses; Versetzen von 20 Pfeifen ( 8 Principal 16', je 6 Subbass 16' und Bordun 16'), die bisher liegend im Orgelgehäuse untergebracht waren auf die zusätzliche Lade des 32' hinter die Orgel; dadurch konnte ein neuer, ebenerdiger Zugang in die Orgel geschaffen werden, der bisher nicht möglich war, sondern umständlich über das Dach des Orgelgehäuses geführt hat.
Dank der regelmäßigen Wartung war die Orgel nicht wirklich in einem schlechten Zustand, aber 30 Jahre Staubeinwirkung haben den Klang der Orgel natürlich zugedeckt. Sie klingt nun wieder frisch und klar, außerdem wurden auf meinen Wunsch hin zwei Register in der Luatstärke etwas zurückgenommen, nämlich Larigot 1 1/3', der etwas hervorstechend war und Salicional 8', der sich nun besser in das Klangkonzept einfügt: Der Streicherchor hat nicht nur einen lauten und einen leisen 8'-Vertreter in jedem Werk, sondern auch ein dynamische Abstufung von laut nach leise: Fugara 8' (I), Gamba 8' (II), Violine 8' (III), Dolce 8' (I), Salicional 8' (II), Aeoline 8' (III). Der Untersatz gibt nun der Orgel das nötige Fundament, das ihr bisher in Anbetracht der vielen 16'-Stimmen und Suboktavkoppeln gefehlt hat. Er ist so intoniert, dass er den Klang nicht nur bei vollem Werk trägt, sondern auch schon im pp einsetzbar ist. Er wächst dann sozusagen mit seinen Aufgaben, was ganz fantastische Klangkombinationen ermöglicht. Interessant ist vor allem die klangliche Vielseitigkeit dieser Orgel. Nicht nur die naheliegende deutsch-romantische Literatur, sondern auch alle anderen Stile lassen sich auf diesem Instrument nicht nur gut, sondern überzeugend darstellen, insbesondere auch die französische Musik aller Jahrhunderte, wenn man das beim ersten Blick auf die Disposition auch nicht vermuten mag.
Erfreulicherweise zeigen die Gemeindemitglieder ein reges Interesse an ihrem Instrument, etliche Gottesdienst- und Konzertbesucher haben mich schon darauf angesprochen, wie gut die Orgel jetzt klingt. Für die Renovierungsarbeiten hat sich ein Team aus ehrenamtlichen Helfern eingefunden, die drei Monate lang in Schichtarbeit beim Ausräumen, Reinigen usw. mit angepackt haben, so dass nur ein einziger Orgelbauer vor Ort sein musste. Lediglich für spezielle Arbeiten wie Elektronik, Schreinerarbeiten etc. wurde er von Kollegen unterstützt. Das Projekt Orgelrenovierung konnte somit wahrhaft bei den Leuten verwurzelt werden, die Orgel ist nun auch wirklich ihre Orgel geworden. Am 28. Oktober fand die Wiederindienststellung der Orgel in Gottesdienst und Konzert statt. Wer einmal in der Gegend ist, ist herzlich zu einem Besuch eingeladen.
Hier schon mal ein Bild, ein paar weitere werde ich gelegentlich noch nachliefern.
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Herzliche Grüße Andreas