OT: Bischofsweihe in Regensburg

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Montag, 28. Januar 2013, 12:06 (vor 5029 Tagen) @ Orlos

"... der ... die Aufklärung überwinden und die Kirche im Geist des Evangeliums erneuern half,..."

So einen Satz finde ich zutiefst ärgerlich - und dumm. Natürlich gab es unter den Aufklärern auch kirchenfeindliche Kräfte - aber nicht nur. Nicht wenige Aufklärer waren hochgebildete Geistliche. Wessenberg in Konstanz sei nur pars pro toto genannt. Und sie haben Hervorragendes geleistet, um die Kirche in eine neue Zeit zu führen. Was war die Reichskirche vor der Aufklärung? Viele Bischofstühle waren Sekundogenituren des Hochadels, die Inhaber zuweilen nicht einmal geweiht, die Bischöfe mehr Fürsten denn Geistliche und von daher den Gläubigen durch das Standessystem des alten Reiches mit seinem Spätabsolutismus ziemlich entrückt. Sakralien wurden an Weihbischöfe delegiert, weil der erwähle, aber nicht geweihte (Fürst-)Bischof daran kein Interesse hatte. Ein Bischof Dalberg war Kanzler des Reiches, dazu Inhaber mehrerer Diözesen. Welchen Bezug hat so eine Person zu den Diözesanen?
Die Kirche wäre an diesem Wust irgendwann erstickt. Es ist der Aufklärung zu verdanken, daß die Kirche irgendwann wieder ihr eigentliches Geschäft entdeckte und vom Staatskirchenbalast befreit wurde.
Ohne die Aufklärung wäre der geradezu boomartige Neuaufbruch im 19. Jhdt. nie möglich gewesen.
Natürlich war der Prozeß schmerzhaft. Aber vielleicht wäre man an dem einen oder anderen Örtchen ganz gerne wieder ein wenig hermelinverbrämtes Fürstchen. Es soll ja irgendwo schon die erste Bischofsresidenz mit einem bauhausbarocken Designergärtchen entstehen. Zwar Kante statt Schnörkel - aber immerhin ordentlich geplant und zurechtgestutzt.


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