Rollen- vs. Kastenbärte

schnitgers.anderer.erbe, Sonntag, 24. April 2011, 08:02 (vor 5610 Tagen) @ Fabian Brackhane

Wenn man sich einmal grundsätzlich fragt, was mache ich denn mit de Bart, beantwortet sich manches von deinen Fragen vielleicht von selbst. Mit dem Bart mache ich ja nichts anderes, als das "zu weit nach innen" ragende Windband wieder ein Stück nach außen zu ziehen und damit die Pfeife nicht überblasen zu lassen. Prinzipiell könnte ich auch alle sehr engen Pfeifen ohne Ansprachehilfe intonieren, dann würden sie aber nur sehr leise funktionieren. Möchte ich mehr Klang, muss ich mehr Energie (in Form von mehr Wind) ins System geben und das verkraften die Streicher von ihren Dimensionen (Durchmesser, Aufschnitthöhe) her von "Natur" aus nicht. Entwicklungsmäßig älter ist der Kastenbart, der aber natürlich bauartbedingt seine Grenzen hat, aber das wurde ja schon thematisiert. Entscheidend für "Intonationserfolg" bei Streichern, ist der Abstand der Ansprachehilfe, sowie die Höhe in Bezug auf die Kernspalte. Wer mal mit Kastenbärten (auch bei Quintaden, gleiches Prinzip) gearbeitet hat weiß, dass es immer wieder Töne gibt, die in der Form Ärger machen, dass sie entweder den nach unten geschlossenen Kasten nicht vertragen, oder aber dieser leicht geöffnet werden muss (z.b. bei den kleineren Pfeifen am Übergang zu einfachen Seitenbärten). Daher ist es dann wohl irgendwann zur Nutzung von Rollbärten gekommen. Wer mal die Möglichkeit hat ganz frühe Streicher (ganz extrem bei Trost meinetwegen - Streicher mit -18HT ohne Rollen!, oder auch in Süddeutschland Gabler, Holzhey und Co.), die durch spätere Eingriffe nicht vollkommen verdorben wurden zu hören, wird merken, dass diese zwar einen wunderbaren glasklaren Ton haben, aber immer etwas fragil in Ansprache und Ton sind. Bei Rollbärten ist man natürlich immer auf der sicheren Seite, wobei viele (und vor allem die inzwischen wieder glorifizierten "Fabrikorgelbauer") leider auf sehr dicke Rollen setzen, was die Intonation leichter, den Ton aber (nach meiner Meinung) schlechter macht. Für mich persönlich ist Rollendurchmesser = 2/3 Aufschnitthöhe die absolut obere Grenze (ein Faustwert, der fast immer funktioniert). Je kleiner die Rolle desto heller und klarer der Ton und um so mehr Möglichkeit mit der Klangfarbe zu spielen habe ich.

So und jetzt muss ich hier abbrechen, da ich um 10.30 auf der Orgelbank sitzen sollte.
Schönen Ostersonntag euch allen!


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