Winddruck-Schwankungen
Dass es den "stabilen Wind" noch nicht wirklich lange gibt, ist klar. Bei in dieser Hinsicht entweder erhaltenen oder rekonstruierten barocken Orgeln kann man ja bei vollgriffigen Akkorden oft einen Effekt hören, der sich wie ein Auftakt anhört: Der Akkord klingt sehr kurz, bricht dann fast bis auf Nichts zusammen und steht dann wieder.
Denselben Effekt habe ich aber auch bei erheblich neueren Orgeln gehört, beispielsweise bei der Schweriner Ladegast-Orgel. Auch dort geht die Orgel bei vollgriffigen Akkorden kurrzeitig in die Knie, wobei es aber eben nie zu einem gleitenden Ton kommt, sondern immer zu einer Art Staccato-Effekt.
Meine Frage jetzt: Es ist ja wohl anzunehmen, dass Ladegast durchaus in der Lage war, den Windverbrauch seiner Orgeln korrekt zu veranschlagen. Könnte es also eventuell sein, dass diese Winddruckschwankungen gar beabsichtigt waren als Charakteristikum? Hervorgerufen werden sie ja - würde ich mal vermuten - nicht durch eine prinzipiell zu knappe Windversorgung, sondern dadurch, dass im Windkasten der Windlade kurzzeitig der Winddruck kollabiert, also der Zustrom zur Windlade nicht groß genug ist.
Fabian
Winddruck-Schwankungen
Windschwankungen können nicht pauschal an der Windanlage liegen.
Zu kleine Ventilschlitze, zu kleine Kanzellen (besonders in den ersten beiden Oktaven), zu kleine Fundament und Stockbohrungen sind meist die Ursachen.
Grüße
Winddruck-Schwankungen
Sind ausgerechnet Ladegast solche Grundsatzfehler zuzutrauen? Schwerin war ja weder sein Erstlingswerk noch seine erste Großorgel. Er wird also gewusst haben, was er wie und warum tut. Oder doch nicht?
Fabian
Winddruck-Schwankungen
Sind ausgerechnet Ladegast solche Grundsatzfehler zuzutrauen? Schwerin war ja weder sein Erstlingswerk noch seine erste Großorgel. Er wird also gewusst haben, was er wie und warum tut. Oder doch nicht?
In Schwerin könnte es daran liegen, dass beim Neubau der Dom-Westfront 1889–93 das Gebläse verlegt wurde und die Windleitungen vom Gebläse zur Orgel nun viel länger sind als 1871; wenn der Überdruck in der Windlade einmal abgebaut ist, dauert es länger, bis wieder genügend Wind nachgeströmt ist. So reime ich mir das zumindest zurecht. Orgelwind ist, zumal bei solchen Riesenorgeln, eine so verwickelte Angelegenheit, dass ich mir da keine Ferndiagnose zutraue.
Ich habe mal Gernot Schmidt, den früheren Restaurierungsleiter von Schuke, danach gefragt, aber er sagte dazu nichts weiter, als dass man eben mit der Orgel und nicht gegen sie spielen müsse. Er wollte wohl niemandem einen Fehler unterstellen.
Die Schwankungen in Schwerin halte ich für einen solchen, sie sind bei dieser Klangcharakteristik und der erwarteten Spielweise doch unschön und unerwünscht.
Gruß,
Friedrich
Winddruck-Schwankungen
Für Deine These spräche etwas, das ich mal gehört oder gelesen habe, so genau weiß ich's nicht mehr: Und zwar, dass es faktisch nicht möglich sei, die Schweriner Orgel im Tutti zu spielen, weil sie sonst absäuft. Ein für eine hochromantische Orgel doch eher befremdliches Faktum. Gibt es das bei irgend einer der anderen großen Ladegast-Orgeln, dass die nicht tuttifähig wäre?
Fabian
Winddruck-Schwankungen
Für Deine These spräche etwas, das ich mal gehört oder gelesen habe, so genau weiß ich's nicht mehr: Und zwar, dass es faktisch nicht möglich sei, die Schweriner Orgel im Tutti zu spielen, weil sie sonst absäuft. Ein für eine hochromantische Orgel doch eher befremdliches Faktum. Gibt es das bei irgend einer der anderen großen Ladegast-Orgeln, dass die nicht tuttifähig wäre?
Vergleichbar ist da nur Merseburg. In den Aufnahmen, die ich habe, meiden alle Spieler dort scharfe Artikulation im Tutti. Die Orgel klingt im Tutti nicht so, als ob sie noch Mauern einreißen könnte, und leichte Schwankungen hört man. Die sind aber mit den Sprüngen in Schwerin nicht vergleichbar.
Eine andere Frage ist, was Tutti bedeutet. Auch bei einer Ladegast-Orgel kann man das ja registrieren.
Es lohnt sich, zum Vergleich mal den Aufwand an Magazinen und Ausgleichsbälgen zu betrachten, den Cavaillé-Coll so trieb, und zwar schon bei Orgeln mittlerer Größe wie Caen. Deren Windsystem bildet Robert Davy sehr schön in seinem Buch ab. Unter anderem diese Windsysteme machten CCs Orgeln so teuer. Aber bei diesem Klangstil sind sie offenkundig notwendig. Möglicherweise war das Ladegast nicht so klar wie Cavaillé-Coll.
Gruß,
Friedrich
Winddruck-Schwankungen
Es lohnt sich, zum Vergleich mal den Aufwand an Magazinen und Ausgleichsbälgen zu betrachten, den Cavaillé-Coll so trieb, und zwar schon bei Orgeln mittlerer Größe wie Caen. Deren Windsystem bildet Robert Davy sehr schön in seinem Buch ab. Unter anderem diese Windsysteme machten CCs Orgeln so teuer. Aber bei diesem Klangstil sind sie offenkundig notwendig. Möglicherweise war das Ladegast nicht so klar wie Cavaillé-Coll.
CC hat den Organisten eine Orgel gegeben. Für diese haben sie dann in der Folge komponiert. Das klingt dann auch immer so schön authentisch.
Bei den deutschen romantischen Orgeln habe ich da nicht immer so den gleichen Eindruck. Einige Komponisten haben sich m.E. kompositorisch etwas von diesen Instrumenten entfernt. Darin liegt vermutlich einer der Gründe, wieso es noch keine Reger Einspielung auf Instrumenten dieser Zeit gibt. Viele Versuche sind gescheitert oder nicht dehr zufriedenstellend.
Bei Widor, Vierne, Franck hat man die Qual der Wahl - Roth, Oosten, Vliet, Filsell Labric .... sicherlich habe ich viele vergessen
gruss stein
Winddruck-Schwankungen
Wenn die Kanäle entsprechend dimensioniert sind, spielt die Länge der Kanäle keine Rolle. Die Ursache kann schon am Gebläse und dem Vorventil zum Hauptbalg liegen.
Winddruck-Schwankungen
Frage 1: Ist ein Tutti ("alles drin") denn wirklich erstrebenswert?
Nein! Was sollen da die Windfresser und "Verstimmer" denn dabei? Man spart sich höchstens die Abregistrierarbeit zum fff hin. Gerade Orgeln mit viel (äqualen) Farbstimmen sollten entsprechend behandelt werden. Eine kompakt disponierte CC bringt diese Probleme viel weniger mit sich.
Ja, ich weiß, eine Walze macht ja auch "alles rein". Alle Walzen eigentlich?
Frage 2: Kann die Druckschwankung in Schwerin auch mit der Barkermaschine zu tun haben, die ja kurzzeitig auch eine gewisse Menge Wind zieht? Oder ist der schon sehr früh ganz separat geführt?