Ist diese Orgel.
Was sagt ihr zu diesem Instrument? Prospekt, Gestaltung, Dispo etc.
Danke für eure Beiträge
Ives
Laut und Deutlich
doppelfloete_h
, Hannover, Mittwoch, 05. Dezember 2012, 15:26 (vor 5084 Tagen) @ IvesDKerne
Sieht aus, als hätte man die Kirche modernisiert und die Orgel vergessen... Wobei ich damit nichts gegen die Dispo oder den eventuellen Klang sagen kann :)
Laut und Deutlich
IvesDKerne
, Mittwoch, 05. Dezember 2012, 15:28 (vor 5084 Tagen) @ doppelfloete_h
Die Kirche ist ein Neubau (1960er Jahre) und eines der ersten Sakralbauten des Architekten Böhm, der auch den Nevigeser Mariendom entworfen hat.
Laut und Deutlich
untersatz32
, Amriswil, Mittwoch, 05. Dezember 2012, 16:34 (vor 5084 Tagen) @ IvesDKerne
Tjaaaa, wenn die Grundstimmen 8 und 4 tragend intoniert sind, KANN sowas gutgehen, MUSS aba nich...
Farben hat es ja für diese Grösse genug.
Es hat halt die typisch-neobarocke Vertauschung der 2' Flöte ins HW-Plenum, dafür nicht im Kornett (wo sie dann eigentlich fehlt), dafür den Principal 2' als "Klangkrone" im Nebenwerk, wo es aber möglich ist, dass, wenn er zu prominent ist, er sich mit dem Kornettaufbau (hier Tertian) beisst und nicht einfügt...
Kann aber auch genau umgekehrt klingen ;-)
Gruss
Thomas
--
Thomas Haubrich
Laut und Deutlich
Orlos, Mittwoch, 05. Dezember 2012, 22:17 (vor 5084 Tagen) @ IvesDKerne
Witzig, wir haben hier eine ganz ähnliche Walcker-Orgel von 1974, ebenfalls in einer Kirche aus den 1960er Jahren (1966): Wiesbaden, Mariae Heimsuchung.
![[image]](images/uploaded/2012120521575550bfc3638fb91.jpg)
Disposition:
I Hauptwerk C-g3
Offenflöte 8' im Prospekt
Salizional 8'
Prinzipal 4'
Feldflöte 2'
Mixtur 4fach
II Oberwerk
Grobgedeckt 8' Messing/Naturguß
Nachthorn 4'
Prinzipal 2' im Prospekt
Quinte 1 1/3'
Scharff 3fach
Pedal C-f1
Subbaß 16' C-H Holz-, Rest Messingpfeifen
Choralbaß 4' Messingpfeifen
Trompete 8' C-H Kupfer-, Rest Naturgußbecher
Koppeln (als Tritte)
II-I, I-P, II-P
Schleifladen, mechanische Spieltraktur, mechanische Registertraktur
Die Orgel klingt sehr schrill und spitz. Die Offenflöte ist einfach ein Praestant und mischt sich überhaupt nicht mit der 2'-Flöte. Das Salizional ist extrem leise und streicht kaum, haucht nur. Wegen der schrägen Decke ist das Oberwerk sehr präsent und in der Kirche kaum zu ertragen.
Putzig finde ich die Pedaldisposition. Die Trompete ist recht eng (klingt eher wie eine Schalmey) und eignet sich wunderbar für Solostellen, bringt aber im Tutti fast nichts. Übrigens gibt es eine gemeinsame Lade HW-Pedal, aber nur die Trompete steht direkt auf der Lade, 16' und 4' sind mit langen Kondukten irgendwie in den dreieckigen Bereich hinter der Orgel untergebracht. Aber: die Pedalklaviatur ist fortschrittlich radial!
Das schönste Register ist die 4'-Flöte im Oberwerk.
Die rein mechanische Traktur besteht aus Stahlseilen und fühlt sich sehr "teigig" an, nicht gerade "Barockfeeling". Die Registerzüge waren ursprünglich (wie die Klaviaturen) aus Kunststoff (!), mussten aber nach dessen Zersetzung ersetzt werden.
Alles in allem eine Orgel, die keinerlei Ansprüchen gerecht wird.
Wenn man aber die Traktur und die Intonation überarbeiten würde, ließe sich etwas draus machen. Leider ist die Zukunft der (mittlerweile viel zu großen) Kirche ungewiss, die übrigens im Stadtbild sehr prominent wirkt: Photo-Link und im Inneren eine eindrucksvolle österliche Atmosphäre erzeugt, weil sie den Blick förmlich nach oben reißen lässt.
Laut und Deutlich
P.Kampf, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 08:54 (vor 5084 Tagen) @ Orlos
In Walckers fehlkonstruierten Trakturreigen kann ich mich mit meinem Dienstinstrument auch einreihen. Der Spieltisch steht frei direkt hinter dem RP.
Die Horizontaltraktur ist zwar aus Holz, allerdings sind die Tonventile einfach Alu-T-Profile, die auf Länge geschnitten wurden. Zu allem Überfluss setzt die Traktur nicht an einem Ende an, sondern in der Mitte und zieht das Ventil parallel auf. In Kombination mit der Entfernung zum Instrument macht es das ziemlich unpräzise und auch schon so ziemlich schwer, gekoppelt darf man da wirklich nicht so zierlich sein.
Es gab auch schon mal Überlegungen, die Traktur so umzubauen, dass die Ventile wieder "richtig" aufgehen, aber leider ist an der Stelle, wo dann die Abstrakten in die Windlade müssten, ein Stahlträger...
Klanglich hat sie aber durchaus ihre Stärken, sowohl deutsche als auch französische Barockmusik gehen ganz gut, ich würde auch bei einem Umbau nicht viel an ihr umdisponieren lassen wollen, nur die SW-Zungen passen nicht so recht zueinander.
Spannend ist die "Hohlflöte" im SW, in der großen Oktave gedackt, dann 2 Oktaven normal offen und der Rest überblasend.
Laut und Deutlich
Orlos, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 09:11 (vor 5084 Tagen) @ P.Kampf
Oh, die Disposition liest sich aber sehr fortschrittlilch, das hätte ich erst 25 Jahre später so erwartet.
Laut und Deutlich
Poupoulcorouse
, Mülheim am Rhein, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 09:26 (vor 5084 Tagen) @ Orlos
Ich kann daran, außer der Gambe und der Schwebung vielleicht, nichts besonderes finden. Aber das war damals im katholischen Bereich ja auch nicht sooo selten.
Laut und Deutlich
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 09:39 (vor 5084 Tagen) @ Poupoulcorouse
Was ist an einem Radial-Pedal fortschrittlich? Das möchte ich nicht geschenkt haben.
--
Gruß vom Niederrhein
Laut und Deutlich
untersatz32
, Amriswil, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 12:00 (vor 5083 Tagen) @ Tabernakelwanze
Ich nehm's gerne ;-)
Grüsse TH
--
Thomas Haubrich
Radialpedal
Aeolinchen, Freitag, 07. Dezember 2012, 07:18 (vor 5083 Tagen) @ Tabernakelwanze
Was ist an einem Radial-Pedal fortschrittlich? Das möchte ich nicht geschenkt haben.
Was ist an einem Radialpedal so schlimm? Ich habe viele Jahre auf einem gespielt und fand es super. Der einzige Nachteil: Wenn man sonst nur auf Parallelpedal spielt, braucht man eine kurze Umgewöhnungszeit.
Radialpedal
jori
, Freitag, 07. Dezember 2012, 08:44 (vor 5083 Tagen) @ Aeolinchen
Was ist an einem Radial-Pedal fortschrittlich? Das möchte ich nicht geschenkt haben.
Was ist an einem Radialpedal so schlimm? Ich habe viele Jahre auf einem gespielt und fand es super. Der einzige Nachteil: Wenn man sonst nur auf Parallelpedal spielt, braucht man eine kurze Umgewöhnungszeit.
Auch ich habe schon auf einem Radialpedal gespielt und kam schnell damit zurecht.
Schwieriger wird es, ein Pedal vorzufinden wo cis unter cis verbaut wurde. Da tritt man schon schnell mal einen halben Ton daneben.
Gruß
jori
...pedal
Aeolinchen, Freitag, 07. Dezember 2012, 09:11 (vor 5083 Tagen) @ jori
Schwieriger wird es, ein Pedal vorzufinden wo cis unter cis verbaut wurde. Da tritt man schon schnell mal einen halben Ton daneben.
... oder sogar einen ganzen!
...pedal
untersatz32
, Amriswil, Freitag, 07. Dezember 2012, 09:48 (vor 5083 Tagen) @ Aeolinchen
Bei uns war das so mit dem total verschobenen Pedal. Ich hab das mal ganz, ganz schnell von OB Gaida an die gewohnte/genormte Variante anpassen lassen, und bummsfallera - spielt sich wieder wunderbar.
Vorher immer einen ganzen Ton daneben, auch bei den vielen Gastorganisten...
Aber Radialpedal kommt wohl auch noch...
Gruss
TH
--
Thomas Haubrich
...pedal
Xrot, Freitag, 07. Dezember 2012, 10:45 (vor 5082 Tagen) @ untersatz32
diese cis/cis Lage vom Pedal ist hier in der Schweiz aber extrem häufig anzutreffen, selbst bei ganz neuen Instrumenten – ich persönlich mag es nicht so gerne. . .
...pedal
untersatz32
, Amriswil, Freitag, 07. Dezember 2012, 12:20 (vor 5082 Tagen) @ Xrot
Gibts auch, kann man ja fast halbwegs noch verstehen, aber DAS war irgendetwas ganz Anderes - jedenfalls nix Logisches(a unter c, oder b unter cis, oder e unter cis - irgendsoein Quatsch; halt mal eben wegen anschlagendem Schweller-Poti um 3-4 cm verschoben). Seeeehr unpraktisch. Jetzt ist seit Gaida's Umbau C unter C. Punkt. Treffer, fertig, versenkt - Freude herrscht :-)
Genormte Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
...pedal
3rd_astronaut, Freitag, 07. Dezember 2012, 14:31 (vor 5082 Tagen) @ untersatz32
Genormte Grüsse
Thomas
War es nicht so, dass eigentlich *niemand* Pedale nach der BDO-Norm baut, weil die irgendwie gar nicht so sinnvoll ist??
...pedal
untersatz32
, Amriswil, Freitag, 07. Dezember 2012, 17:37 (vor 5082 Tagen) @ 3rd_astronaut
Keine Ahnung, jedenfalls war DIESES neue Pedal von vor 8 Jahren DERART völlig ausserhalb jeglicher Gewohnheiten, dass ich lieber, einfacher und virtuoser auf einem französischen-Messerrückenpedal der Barockzeit oder einem deutsch-frühromantischen Stummelpedal gespielt hätte, anstatt ständig sooooo daneben zu liegen.
Trotz Gewöhnung und trotz Dienstorgel.
Jetzt, nach dem Umbau ist's prima, auch für Gäste.
Grüsse TH
--
Thomas Haubrich
Radialpedal
3rd_astronaut, Freitag, 07. Dezember 2012, 14:24 (vor 5082 Tagen) @ jori
bearbeitet von 3rd_astronaut, Freitag, 07. Dezember 2012, 14:32
Was ist an einem Radial-Pedal fortschrittlich? Das möchte ich nicht geschenkt haben.
Was ist an einem Radialpedal so schlimm? Ich habe viele Jahre auf einem gespielt und fand es super. Der einzige Nachteil: Wenn man sonst nur auf Parallelpedal spielt, braucht man eine kurze Umgewöhnungszeit.
Auch ich habe schon auf einem Radialpedal gespielt und kam schnell damit zurecht.
Schwieriger wird es, ein Pedal vorzufinden wo cis unter cis verbaut wurde. Da tritt man schon schnell mal einen halben Ton daneben.
Guter Punkt, ich kenne hier auch nur verschobene Radialpedale. Die radiale Ausführung an sich ist sicher ergonomischer und die Umgewöhnung ist kurz, aber die Verschiebungen sind widerlich. Ich setze mich dann immer zum Pedal zentriert auf den Orgelbock. Die Manualparts verlangen bei mir zumeist keine großen Sprünge, so dass sich da die Verschiebung nicht so unangenehm bemerkbar macht wie im Pedal.
Radialpedal
jori
, Freitag, 07. Dezember 2012, 20:59 (vor 5082 Tagen) @ jori
Was ist an einem Radial-Pedal fortschrittlich? Das möchte ich nicht geschenkt haben.
Was ist an einem Radialpedal so schlimm? Ich habe viele Jahre auf einem gespielt und fand es super. Der einzige Nachteil: Wenn man sonst nur auf Parallelpedal spielt, braucht man eine kurze Umgewöhnungszeit.
Auch ich habe schon auf einem Radialpedal gespielt und kam schnell damit zurecht.
Schwieriger wird es, ein Pedal vorzufinden wo cis unter cis verbaut wurde. Da tritt man schon schnell mal einen halben Ton daneben.Gruß
jori
Die Firma Eule hat im vergangenen Jahrtausend (in den 80er Jahren) optional cis unter cis verbaut. Ich spiele selbst seitdem auf so einem ansonsten vorzüglichen "Gerät" und habe anfänglich immer Schwierigkeiten wenn ich c unter c vorfinde. Ich persönlich bin davon überzeugt, c unter c ist für den Gastorganisten die bessere Variante, da überwiegend vorhanden. Nachteil ist, das Pedal ist in der oberen Lage mit mehr Verrenkungen erreichbar. Das war sicher auch ein Grund, die cis unter cis - Lage einzuführen und zu verbreiten.
vertredene Grüße
jori
Radialpedal
FriedemannW, Lindau, Freitag, 07. Dezember 2012, 22:35 (vor 5082 Tagen) @ jori
Laut BDO 2000-Norm sollte ein Radialpedal die Lage dis unter dis1 haben. Dadurch rückt der Pedaldiskant deutlich weiter ins bequeme "Spielfeld". Dafür finde ich den Bassbereich schlechter erreichbar. Deswegen kann ich das Pedal bei meiner Hausorgel verschieben - Elektrik macht es möglich :D
Laut und Deutlich
P.Kampf, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 22:57 (vor 5083 Tagen) @ Poupoulcorouse
Ich kann daran, außer der Gambe und der Schwebung vielleicht, nichts besonderes finden. Aber das war damals im katholischen Bereich ja auch nicht sooo selten.
Ich fürchte auch, Namen sind da ziemlich Schall und Rauch, die beiden Register sind ja aus der Vorgängerin übernommen und die Gambe ist eher ein dezenter Salicional...
Auch bei der Hautbois ist die Hörerwartung eine andere als das, was rauskommt...drin steht eine Schalmey, die nur halb so lange Becher hat wie das Clairon daneben.